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Arbeiten 4.0

Arbeit wird in der digitalen Welt neu definiert

| Redakteur: Jürgen Schreier

Für Berufs-und Hochschulen sowie Ausbildungsstätten in Industriebetrieben hat Rexroth das neue Mechatronik-Trainingssystem mMS 4.0 entwickelt.
Für Berufs-und Hochschulen sowie Ausbildungsstätten in Industriebetrieben hat Rexroth das neue Mechatronik-Trainingssystem mMS 4.0 entwickelt. (Bild: Bosch Rexroth)

Die Zahlen von Roland Berger Strategy Consultants machen schwindlig. Ein bis dato ungenutztes Wachstumspotenzial von 20 bis 30 % soll Industrie 4.0 der deutsche Industrie erschließen, woraus sich bis 2025 eine zusätzliche Wertschöpfung von rund 268 Mrd. ergäbe. Bei der Technik kommt man flott voran; die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze werden aber erst in jüngster Zeit diskutiert.

Wir schreiben das Jahr 2029. Ein Atomkrieg, den vom Menschen geschaffene Maschinen angezettelt habe, hat fast die ganze Erde verwüstet und einen großen Teil der Bevölkerung ausgelöscht. Regiert wird die Welt von einer künstlichen Intelligenz, der zentralen Maschineninstanz Skynet. Auf der Basis dieses Plots hat bereits 1984 der kanadische Filmregisseur James Cameron seine Terminator-Filmreihe entwickelt. Über 30 Jahre sind seither vergangen und in dieser Zeit (fast) alles Wirklichkeit geworden, was Cameron in seinem „Maschine-beherrscht-den-Menschen“-Blockbuster thematisierte. Internet of Things (IoT), Big Data und Industrie 4.0 lassen die Frage aufkommen: Wann wird künstliche Intelligenz den Menschen in der Industrie ersetzen?

Skynet ist und bleibt eine Chimäre

Moritz von Plate, Chef des Züricher Predictive-Maintenance-Spezialisten Cassantec AG, gibt sich in dieser Hinsicht bemerkenswert gelassen: „Skynet ist eine Chimäre, von der wir weit entfernt sind. Der Mensch wird in der Produktion auf absehbare Zeit nicht zu ersetzen sein.“ Um Urteile zu fällen und Entscheidungen zu treffen: Dafür werde auch weiterhin der Mensch zuständig sein. Allerdings können „datenbasierte Fakten den Menschen auf den richtigen Weg bringen“, argumentiert von Plate. Doch auch vor Ort in den Betrieben hält man die Vorstellung von der menschenleeren Industrie-4.0.-Fabrik für eine Gehirngeburt. „Wir werden keine menschenleeren Fabriken haben, eher im Gegenteil", verkündet Markus Schäfer, Bereichsvorstand Produktion und Einkauf bei Mercedes-Benz Cars.

Journalisten durften das kürzlich in der Sindelfinger Tecfabrik des Automobilkonzerns in Augenschein nehmen, wo die Automobilfabrik 4.0 erprobt wird. Führerlos bewegt sich in dieser Modellfertigung die Rohkarosse durch den Raum, ein Leichtbauroboter, gesteuert von einem Arbeiter, setzt selbstständig Getriebedichtungen, ein elektronischer Schrauber ist per WLAN vernetzt und gibt alle relevanten Informationen an das Datennetz weiter. Von Fließbändern und Einheitsautomobilen wie der Tin Lizzy, mit der Henry Ford zu Ruhm und Vermögen kam, ist bei Industrie 4.0 Abschied zu nehmen. Gefertigt wird variantenreich und (teil-)automatisiert bis hinunter zur Stückzahl 1.

Industrie 4.0 soll den Menschen nicht ersetzen

Doch soll und kann der erwähnte Leichtbauroboter den Menschen keineswegs ersetzen. Denn gerade auf die Fähigkeiten des Letztgenannten werde es in der Smart Factory mehr denn je ankommen, ist man bei Daimler überzeugt. „Wir werden dem Roboter die Arbeit geben, die er am besten kann, nämlich die schwere Arbeit, die ergonomisch ungünstige Arbeit, die der Mensch heute macht. Die wird der Roboter übernehmen und der Mensch wird die anspruchsvolle Tätigkeit mit seiner Kreativität und Individualität erledigen“, sagt Bereichsvorstand Schäfer.

Kaum anders die Sichtweise bei Wettbewerber BMW. „Im Premiumsegment, in dem sich BMW bewegt, erwarten die Kunden eine hohe Individualisierung ihrer Fahrzeuge sowie einen hohen Qualitätsstandard. Genau deshalb finden Sie bei uns in der Endmontage sehr viele Menschen. Klar, man wird die Automatisierung nicht aufhalten können, auch in der Montage nicht. Doch nutzen wir sie nur dort, wo sie den Menschen entlastet oder ihn ergänzt und wo sie zur Sicherung einer hohen Qualität beiträgt. Eine menschenleere Montage wird den Spagat zwischen Komplexität und Individualisierung nicht schaffen“, weiß BMW-Digitalisierungsexperte Dr. Christian Patron.

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