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Graphen

Auf dem Weg zu ultraschnellen Bauteilen

| Redakteur: Rebecca Vogt

Ausschnitt mit chemisch gebundenem Wasserstoffatom: Die spektrale Schwingungssignatur der Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen in Nachbarschaft zum gebundenen Wasserstoffatom ist farbig gekennzeichnet.
Ausschnitt mit chemisch gebundenem Wasserstoffatom: Die spektrale Schwingungssignatur der Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen in Nachbarschaft zum gebundenen Wasserstoffatom ist farbig gekennzeichnet. (Bild: FAU/Frank Hauke)

Forschern ist erstmals die Funktionskontrolle über den spektralen Fingerabdruck des Wundermaterials Graphen gelungen. Die Nutzungsperspektive: maßgeschneiderte Materialien mit kontrollierten elektrischen Transporteigenschaften für eine Anwendung in der Halbleiterindustrie.

Die Forschung sieht in ihm eines der vielversprechendsten neuen Materialien: Graphen. Das systematische Einbringen von chemisch gebundenen Atomen und Molekülen zur Kontrolle seiner Eigenschaften ist jedoch nach wie vor eine große Herausforderung. Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), der Universität Wien, der Freien Universität Berlin sowie der Universität Yachay Tech in Ecuador ist es nun erstmals gelungen, den spektralen Fingerabdruck solcher Verbindungen experimentell und theoretisch präzise zu verifizieren.

Halbleiterindustrie und Optoelektronik als Anwendungsfelder

Zweidimensionales Graphen besteht aus einer einzelnen Schicht von Kohlenstoffatomen. Es leitet besonders gut Elektrizität sowie Wärme, ist durchsichtig und dabei gleichzeitig biegsam und fest. Außerdem lässt sich zum Beispiel durch das Einbringen von chemisch gebundenen Atomen und Molekülen in die Graphenstruktur – sogenannten Funktionszentren – die elektrische Leitfähigkeit zwischen einem Metall und einem Halbleiter kontinuierlich verändern.

Durch diese besonderen Eigenschaften bietet Graphen eine Vielzahl an künftigen Anwendungsmöglichkeiten – beispielsweise in der Optoelektronik oder für ultraschnelle Bauelemente in der Halbleiterindustrie. Der Einsatz von Graphen in der Halbleiterindustrie kann nur gelingen, wenn Eigenschaften wie Leitfähigkeit, Größe und Störung der Struktur durch die Funktionszentren bereits während der Synthese von Graphen festgelegt werden können.

Spektrale Signatur identifiziert

Der internationalen Kooperation um Prof. Dr. Andreas Hirsch vom Lehrstuhl für Organische Chemie II, Prof. Dr. Thomas Pichler von der Universität Wien, Prof. Dr. Stephanie Reich von der Freien Universität Berlin und Prof. Dr. Julio Chacon-Torres von der Yachay Tech University ist mit einem neu entwickelten Versuchsaufbau ein entscheidender Durchbruch gelungen: Über Lichtstreuung haben sie erstmals Schwingungsspektren als spezifischen Fingerabdruck von stufenweise chemisch modifiziertem Graphen identifiziert.

Diese so gewonnene und theoretisch bestätigte spektrale Signatur ermögliche es zukünftig, sowohl die Art als auch die Anzahl der Funktionszentren schnell und präzise zu bestimmen. Unter den verwendeten Reaktionen wurde zum Beispiel Wasserstoff an Graphen chemisch gebunden. Dies erfolgte über eine kontrollierte chemische Reaktion von Verbindungen, in denen Ionen in den Kohlenstoff Graphit eingelagert sind, mit Wasser.

Maßgeschneiderte Materialien

„Diese Methode der in situ Ramanspektroskopie ist eine sehr effektive Möglichkeit, mit der schon während der Materialherstellung schnell, kontaktfrei und großflächig die Funktion von Graphen kontrolliert werden kann“, sagt Julio Chacon, einer der zwei Hauptautoren der jetzt veröffentlichten Studie. Dadurch werde es möglich, maßgeschneiderte Materialien mit kontrollierten elektrischen Transporteigenschaften zu erhalten und für die Anwendung in der Halbleiterindustrie zu nutzen.

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