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Frauen und Technik

Deswegen wurde ich Ingenieurin

| Autor: Simone Käfer, Victoria Sonnenberg

Auch Mädchen interessieren sich für Technik. Zu oft werden sie aber von ihrer Umgebung davon abgebracht.
Auch Mädchen interessieren sich für Technik. Zu oft werden sie aber von ihrer Umgebung davon abgebracht. (Bild: © topvectors - Fotolia.com)

Um Frauen in Technikberufe zu locken, gibt es Frauenquoten und den Girls Day. Was sagen die Spezialistinnen mit Praxiserfahrung? Sechs Geschäftsführerinnen sprachen mit uns über das Zerlegen von Radios, das Restaurieren von Jeeps, über Teamarbeit und darüber, was Frauen brauchen, um Ingenieurin zu werden.

Teflon sollten Frauen vor allem bezüglich der Teflonpfannen kennen. Ein Satz, den sich Naemi Denz im Ingenieurstudium Mitte der 1990er-Jahre anhören durfte. Inzwischen ist Denz Mitglied der Hauptgeschäftsführung des VDMA – als erste und bisher einzige Frau. Insgesamt gibt es sehr wenige Chefinnen in der deutschen Industrie, eine Studie von Bisnode zählte 11,7 % im Jahr 2016 bei 34.300 Unternehmen.

Eine von ihnen ist Herna Munoz-Galeano. Die gebürtige Kolumbianerin hat seit 1998 vier erfolgreiche IT-Unternehmen gegründet. „Viele Männer respektieren mich als Führungspersönlichkeit – sowohl Mitarbeiter als auch Kunden“, sagt Munoz-Galeano. Aber der Start in Deutschland war nicht so einfach: Sie kam als bereits anerkannte Person zum weiteren Studium hierher und war plötzlich bei den Außenseitern. In Kolumbien waren Frauen ein Viertel der Studenten in der Elektrotechnik, in Erlangen waren sie zu dritt; die männlichen Kommilitonen waren zwar höflich, blieben aber unter sich. Bei Denz war das anders: Als Henne im Korb fand sie einfach Anschluss an die männlichen Studienkollegen. Wie in Kolumbien war es auch in Italien nicht ungewöhnlich, dass eine Frau ein Mint-Studium absolvierte. So erzählt uns Sonia Bonfiglioli, Maschinenbauingenieurin und Geschäftsführerin des gleichnamigen Antriebsherstellers: „Wir waren Kollegen und Freunde.“ Kein Technikstudium hat Lara Knuth von SPS Schiekel. Die Geschäftsführerin hat eine Ausbildung zur Kommunikationselektronikerin abgeschlossen. „Man ist teilweise noch Exotin“, lautet ihr Fazit.

Aussehen und Familie

Unterm Strich sind zumindest die Erfahrungen der Frauen also positiv. Warum gibt es dann so wenige Frauen an der Spitze? Einen Hinweis liefert uns Denz: „Einer der ersten Kommentare, als ich Geschäftsführerin wurde, war, dass ich optisch eine Verbesserung zu meinem Vorgänger sei.“ Gehen wir davon aus, dass die Aussage ein nettes Kompliment war und von der Hilflosigkeit eines Mannes im Umgang mit einer weiblichen Führungskraft zeugt. Testen Sie sich selbst: Wie oft haben Sie einer Frau ein Kompliment bezüglich ihrer beruflichen Leistung gemacht und einem Mann, weil er hinter dem Schreibtisch hübsch aussieht?

Ein anderer Aspekt aus vergangenen Zeiten, der viele Emotionen aufwirbelt und auch Männern gegenüber nicht gerecht ist, bringt Knuth auf den Tisch: „Ich glaube nicht, dass männliche Führungskräfte im Bewerbungsgespräch gefragt werden, ob es gut für die Kinder ist, wenn sie so viel arbeiten.“ An sich ein Thema, das nicht von der Hand zu weisen ist: Eine Führungsposition kostet viel Zeit und Kraft. Die von uns befragten Frauen gehen nach eigenen Aussagen mit Leidenschaft in ihrem Job auf und investieren viel. Das zieht ein gutes Organisationstalent mit sich, wenn Freunde und Familie nicht zu kurz kommen sollen.

Frauenquote – das neue Argument der Neider

Früher war die Karriereleiter einer Frau mit sexuellen Anspielungen gespickt. Viele Gerüchte hinter vorgehaltener Hand weisen auf entsprechende „Dienstleistungen“ hin, die frau nach oben brachte. Das Streuen dieser Gerüchte hat inzwischen Folgen; genauso wie das Einfordern der „Dienstleistung“. Dient nun die Frauenquote als neue Herabwürdigung? „Je höher man hierarchisch kommt, desto öfter wird behauptet, man käme dort vor allem wegen der ungeschriebenen Frauenquote hin“, erinnert sich Denz. Darüber wird viel diskutiert. Munoz-Galeano sieht die Lösung nicht direkt in der Quote: „Es geht nicht darum, eine Frauenquote zu erfüllen, die eigentliche Frage ist: Wie gut schaffen es Organisationen, Frauen in der Technik zu fördern und sie auch in Führungspositionen zu bringen?“

Netzwerke und Auszeichnungen

Organisationen oder Netzwerke für Technikfrauen gibt es einige: Deutscher Ingenieurinnen Bund, Netzwerk Frauen im Ingenieurberuf, Nationaler Pakt für Frauen in Mint-Berufen, sind die ersten, auf die man stößt. Dazu kommt der Girls Day, der Schülerinnen heiß auf Mint-Berufe machen soll. Wirkung zeigte er bisher eher wenig. Erfolgreicher ist das Konzept der Deutschen Messe. Seit 14 Jahren veranstaltet sie zur Hannover Messe den Kongress „Womenpower”, auf dem auch die Engineering Powerwoman des Jahres vorgestellt wird. Die Veranstaltung ist gut besucht, das Programm vielfältig. Auch die Engineering Power­woman 2016, Munoz-Galeano, ist viel als Botschaf­terin unterwegs. Sie trifft Schülerinnen, Studentinnen und Ingenieurinnen. Ihr ist am Netzwerken der Erfahrungsaustausch zwischen den Frauen wichtig. Auch Mentoren kann man über solche Netzwerke finden, weibliche und männliche.

Trotz des Angebots an Förderung streben immer noch wenige Frauen technische Berufe an. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sprechen für sich: Im Jahr 2015 waren gerade mal 15 % der Beschäftigen in Mint-Berufen weiblich. Die Prognose sieht allerdings positiv aus, die Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg von Frauen unter 35 Jahren. Auch der VDE meldete im Januar 2017 eine Rekordquote: 16,3 % der Elektrotechnikstudenten sind Frauen. 2011 waren es noch 10 %. Michael Berger, Vorsitzender des VDE-Ausschusses „Studium, Beruf und Gesellschaft“, macht die Energiewende für die Begeisterung der Frauen verantwortlich. Der Bundesagentur für Arbeit fiel bei ihrer Erhebung eine Vorliebe für Mathematik und Naturwissenschaften unter den Frauen auf.

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