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Industrie 4.0

Eher hundert kleine Schritte als ein großer Sprung

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Stefanie Michel

Industrie 4.0 muss als Bestandteil einer vernetzten, intelligenten Welt betrachtet werden, heißt es bei der Acatech: In der Smart Factory kommunizieren Menschen, Maschinen und Ressourcen wie in einem sozialen Netzwerk. Schnittstellen zu Smart Logistics und Smart Grid sind Grundlage intelligenter Infrastrukturen.
Industrie 4.0 muss als Bestandteil einer vernetzten, intelligenten Welt betrachtet werden, heißt es bei der Acatech: In der Smart Factory kommunizieren Menschen, Maschinen und Ressourcen wie in einem sozialen Netzwerk. Schnittstellen zu Smart Logistics und Smart Grid sind Grundlage intelligenter Infrastrukturen. (Bild: Arbeitskreis Industrie 4.0/DFKI)

Ob hinter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ tatsächlich eine Revolution für Deutschland oder lediglich ein faszinierend anmaßender Titel steckt – diese Frage diskutierten rund 200 strategische Entscheider aus Unternehmen, Politik und Wissenschaft in der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin.

Geschickt gewählt hatten die Veranstalter von der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften Acatech, dem Huawei-Broader-Way-Forum sowie der Tageszeitung „Die Welt“ den Austragungsort ihrer gemeinsamen Konferenz „Industrie 4.0 – eine Revolution für die Zukunft Deutschlands“: Zwei S-Bahn-Stationen vom Bundestag entfernt, hätte man den politischen Geist der Hauptstadt auch ohne den als Keynote-Redner geladenen Bundesumweltminister Peter Altmeier und weitere Politikprominenz einatmen können.

Nichts mehr zu riechen war indes von der 1793 an gleicher Stelle installierten Dampfmaschine, dem Vernehmen nach die erste ihrer Art in Preußen und Sinnbild der ersten industriellen Revolution. Naheliegend blieb allerdings die Frage, ob die im Programmheft zitierte „vierte industrielle Revolution“ eine ähnliche Zäsur darstellt wie ihre Vorläufer.

Bei Industrie 4.0 ist von vielen kleinen Schritten die Rede

Prof. Dr. Günther Schuh vom Lehrstuhl für Produktionssystematik der RWTH Aachen lieferte eine evolutionäre Erklärung. So sei „Industrie 4.0“ nicht vordergründig mit einem oder zwei Technologiesprüngen gleichzusetzen. Stattdessen gehe es um das synergetische Zusammenwirken zahlreicher Komponenten und womöglich hundert kleine Schritte. Die vierte industrielle Revolution könne sich dann in einer erhöhten Kollaborationsproduktivität niederschlagen und beispielsweise die Frage beantworten, wo man sich aktuell im Produktionsprozess befinde. Die Antwort darauf habe man übrigens auch schon mit CIM (Computer Integrated Manufacturing) gesucht – sei jedoch an zu vielen fehlenden Elementen gescheitert.

Vier Schnellzüge, die sich aufeinander zu bewegen

Heute ist das Instrumentarium deutlich weiter fortgeschritten. Schuh spricht sinnbildlich von vier Schnellzügen, die sich aufeinander zu bewegen und in einem „Big Bang“ das liefern, was gemeinhin als vierte industrielle Revolution angesehen wird. Dazu gehören Software, immer leistungsfähigere IT-Hardware, Soziale Netze sowie automatisierte physische Systeme. Ein große Rolle spielen die Daten, die verwaltet, analysiert und verarbeitet werden müssen. Eckard Eberle, CEO Business Unit Industrial Automation Systems der Siemens AG, schränk jedoch ein: „Bei Industrie 4.0 geht es nicht darum, Informationen von links nach rechts zu verschieben. Daten müssen mit Semantik hinterlegt werden.“

In der Digitalisierung erkennt auch Acatech-Präsident Prof. Dr. Henning Kagermann einen wesentlichen Treiber der vierten industriellen Revolution. Kagermanns Vision einer Industrie 4.0 beinhaltet individualisierte und flexible Produktionsprozesse – mit denen sich auch Losgröße 1 zu ökonomischen Konditionen eines Massenherstellers fertigen lasse.

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