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Industrie 4.0

Mehr Mut zur Digitalisierung

| Autor / Redakteur: Reinhard Kluger / Stefanie Michel

Prof. Dr.-Ing. Linus Schleupner: „Aufgabe ist es, den Mittelständler an das Thema Security heranzuführen, denn der Maschinenbauer verlässt mit Industrie 4.0 den Bereich seiner Kernkompetenz.“
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Prof. Dr.-Ing. Linus Schleupner: „Aufgabe ist es, den Mittelständler an das Thema Security heranzuführen, denn der Maschinenbauer verlässt mit Industrie 4.0 den Bereich seiner Kernkompetenz.“ (Bild: mail@kluger.eu)

Auf dem Weg des digitalen Wandels hin zu Industrie 4.0 müssen Maschinenbauer das Gebiet ihrer Kernkompetenz verlassen und sich den unklaren Herausforderungen der Zukunft stellen. wie eine Veranstaltung der TH Nürnberg zeigte, erfordern CPS, Vernetzung und Clouds mehr digitale Reife.

Sie fasziniert und schreckt zugleich: Die Vision der schönen neuen Fabrikwelt Industrie 4.0 ist zwar im Maschinenbau angekommen, so sieht es jedenfalls der VDMA, doch viele Beteiligte sehen diesen Umbruch auch skeptisch. Wenn in der vernetzten Fabrik die Maschinen untereinander kommunizieren, dann verzeichnen immerhin über 90 % der Unternehmen Cyberangriffe, laut einem aktuellen Telekom-Report. Und: Nur 60 % sehen sich gut gegen solche Attacken gewappnet. Eine Befragung des VDMA zum Thema Industrial Security lässt aufhorchen: 29 % der befragten Firmen berichten, dass Cyberangriffe zu Produktionsausfällen geführt hätten. Untersucht wurde die Thematik vor zwei Jahren, doch in der Größenordnung dürften diese Zahlen noch heute stimmen. Nicht ohne Grund hat die Bundesregierung deshalb das aktuelle Cybergesetz, das IT-Sicherheitsgesetz, auf den Weg gebracht. Danach sind Unternehmen, deren Geschäftsfeld mit kritischen Infrastrukturen zu tun hat, verpflichtet, verzeichnete Cyberattacken zu melden. Das gilt beispielsweise für Energieversorgung, Verkehr, Gesundheitswesen sowie Banken und Versicherungen.

Ohne sichere IT-Kommunikation gibt es keine Fabrik der Zukunft – ein Aspekt, den der Forschungsschwerpunkt „Gestaltungsdiskurs Industrie 4.0“, moderiert von Prof. Volker M. Banholzer, TH Nürnberg, in einer Podiumsdiskussion an der TH Nürnberg aufgriff. Das Thema: Industrie 4.0 und die IT-Sicherheit: Angriffsrisiko oder nur Herausforderung? Wie sicher ist die Produktion im Industrie 4.0-Alltag? Antworten darauf gaben drei Keynotes.

Noch nicht Industrie-4.0-ready

Dass der anwendende Mittelstand noch längst nicht „Industrie-4.0-ready“ ist, bilanzierte Prof. Dr.- Ing. Linus Schleupner. Für den an der Rheinischen Fachhochschule Köln im Fachgebiet „Marktorientierte Unternehmensführung“ Lehrenden sind die Schlagworte CPS, Vernetzung und Cloud im Maschinenbau und in der Zulieferindustrie schon angekommen, aber noch nicht allseitig akzeptiert. Dem Mittelstand und den Maschinenbauern gehe es gut, da fehle die Notwendigkeit, sich den komplexen Herausforderungen von Datensicherheit und großen Datenströmen zu stellen. Schleupner: „Hier kennt sich der typische Mittelständler nicht aus.“ Aufgefressen vom Tagesgeschäft bleibe nicht viel Zeit, die Unternehmensentwicklung in Sachen Industrie 4.0 voranzutreiben. Warum auch schon jetzt, wenn für viele Unternehmen die Vision Industrie 4.0 erst in 10 Jahren zur Realität werde?

Aufgabe sei es, den Mittelständler an das Thema heranzuführen, denn der Maschinenbauer verlasse mit Industrie 4.0 den Bereich seiner Kernkompetenz. Und manch einer denke abwartend: Lass erst den Anderen die Fehler machen. Am besten könne man den Maschinenbauer noch für Security sensibilisieren, wenn man ihm den schlimmsten Fall vor Augen führe: den Know-how-Klau. Der dürfe nicht passieren, denn sonst sei schnell das Alleinstellungsmerkmal eines Unternehmens gefährdet. Mit all den sich daraus ergebenden Konsequenzen bis hin zur Schließung des Unternehmens. Dabei sei immer die Umsetzung der Maßnahmen das Problem, sodass man sich stets fragen sollte: Was heißt Security für mein Unternehmen? Wie schwierig das ist, weiß Linus Schleupner aus der Praxis: „Es gibt nicht die Patentlösung.“ Augenzwinkernd, aber wohlwissend, dass es anders ist, erklärt er: „Es passiert einfach zu wenig.“ Man bemerke den Schaden oft erst dann, wenn es zu spät sei: „IT-Security-Schäden sind ein zeitverzögertes Problem.“

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Reinhard Kluger

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