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Markt Iran

Geburt des neuen Marktes Iran

| Autor / Redakteur: Frank Jablonski / Frank Jablonski

Der Markt Iran ist für die Zerspanungsindustrie interessant.
Der Markt Iran ist für die Zerspanungsindustrie interessant. (Bild: Jablonski)

Der Iran und seine Industrie haben das internationale Embargo deutlich zu spüren bekommen. Dennoch bietet dieser Markt von derzeit über 400 Milliarden Dollar sehr große Erfolgsaussichten für internationale Investoren und Lieferanten. Der MM MaschinenMarkt hat sich vor Ort ein eigenes Bild gemacht.

Der Handel ist mit wenigen Worten besiegelt: „Wir zeigen Ihnen, wie wir produzieren, damit Ihre Leser in Deutschland verstehen, dass wir hier nicht mehr auf Kamelen durch die Wüste reiten.“ Gemeint ist die Wüste im Iran, der in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Land ist, vor allem aus deutscher Sicht. Wenn Deutschland und seine Produkte in der Welt einen guten Ruf haben, kann man es im Iran schon fast als Liebe bezeichnen: Hier fühlen die Menschen eine tiefe Verbundenheit, ohne daraus einen Anspruch abzuleiten. Dabei ist der mehr oder weniger stille Ruf nach Hilfe häufig genug zu hören.

Die vergangenen vierzig Jahre haben es nicht gut gemeint mit Volk und Wirtschaft zwischen dem Kaspischen Meer und dem Persischen Golf. Zäsur war nach der Revolution 1977/78 vor allem der lange Krieg mit dem Nachbarn Irak, in dem nach inoffiziellen Schätzungen bis zu zwei Millionen Menschen ums Leben kamen.

Die dritte große Belastung war zweifellos das Embargo der Westmächte, um das iranische Atomprogramm in friedliche Nutzungsbahnen zu lenken. Politisch betrachtet ein Erfolg, denn die iranische Führung lenkte letztendlich ein und seit dem vergangenen Jahr und dem Abschluss des „Joint Comprehensive Plan of Action“ ist Handel zuvor verbotener Güter wieder möglich – theoretisch.

Wirtschaftlich betrachtet, hat das Embargo zu einer Mischung aus Zweckpragmatismus und Stillstand im Iran geführt. Beispiel Automobilindustrie. Die beiden großen Marken Saipa und Iran Khodro (IKCO) produzieren für den heimischen Markt und werden mit hohen Einfuhrzöllen geschützt. Etwa 15.000 Produktionsstätten für KFZ-Teile gibt es im Iran, 60 Prozent der notwendigen Teile für die Automobilindustrie werden jedoch importiert. Die Produktionskapazitäten der iranischen Automobil-Hersteller liegen bei etwa 2 Millionen Fahrzeugen im Jahr.

Den Maschinenpark erneuern

Einer dieser Produzenten ist IHDM. Vom Vertriebs- und Marketingleiter Koorosh Nadimi des Maschinenbauers stammt das eingangs wiedergegebene Zitat. IHDM hat zwei Standbeine. Hauptgeschäft bilden die Formen für die Presswerke des Herstellers Saipa, zu dessen Konzernverbund IHDM gehört. Zweites Standbein bildet die Produktion von Werkzeugmaschinen. Trotz aller Schwierigkeiten um die Beschaffung von Ersatzteilen läuft die Fertigung – in ordentlicher Qualität, gleichwohl auf dem Stand von vor zwanzig Jahren eingefroren.

Während modernste CAD-Programme das Pressverhalten simulieren, stammen die 5-Achs-Maschinen, die die bei der Bevölkerung so unbeliebten Formen aus dem Metall schälen, noch aus einem anderen Jahrtausend. Okuma, Toshiba, Müller-Weingarten oder das Zayer-Bearbeitungszentrum in Gantry-Bauweise und mit Heidenhain-Steuerungen ausgestattet, – Markenmaschinen älteren Datums, die aber fleißig produzieren.

Dennoch ist der Wunsch bei IHDM und anderen Herstellern im Iran nach Erneuerung des Maschinenparks gewaltig, der Wunsch Produktivität und Qualität zu verbessern allgegenwärtig. Während also die Technik Nachholbedarf hat, sind Arbeitsabläufe und Ansprüche an die unter diesen Bedingungen mögliche Qualität durchaus mit dem Durchschnitt in westlichen Ländern vergleichbar.

Beispiel Nachjustieren der Fertigung: Kaum betritt Produktionsleiter Sadri gemeinsam mit dem Besucher aus Deutschland die Maschinenhalle, wird er an der ersten Werkzeugmaschine in ein Gespräch zur Fräsbearbeitung einer Form verwickelt. Gestik und Mimik zeugen von großem Respekt gegenüber dem grauhaarigen, 1,60 m großen, leicht vorüber gebeugt gehenden Chef. Fast väterlich gibt er Rat und Hinweis. Ebenso freundlich erzählt er wenig später im exzellenten Englisch von seiner Zeit in Großbritannien, in der er zwölf Jahre Erfahrungen im Maschinenbau sammelte.

Die Nagelprobe auch in dieser Fertigung stellt die Messtechnik. Bauteile, die zum zuvor simulierten Umformprozess abweichendes Verhalten gezeigt haben, stehen hier vor dem Koordinatenmesssystem Centaurus von Vittek aufgereiht. Mit blauem Stift markierte Stellen zeigen an, wo das Werkzeug nachbearbeitet werden muss, bevor es ausgeliefert werden kann. Einige Meter weiter stehen Rückläufer aus der Produktion. Diese Formen weisen deutliche Gebrauchsspuren auf und werden momentan für einen erneuten Einsatz in den Pressen von Saipa fit gemacht.

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