Maschinen- / Anlagenbau

Automatisierungstechnik in glänzender Verfassung

Volle Auftragsbücher und anhaltend hohe Ordereingänge werden auch im laufenden Jahr für Vollbeschäftigung in der Automatisierungsbranche sorgen. Das gilt insbesondere für die Sparten Robotik, Montage- und Handhabungstechnik sowie die elektrische Automatisierungstechnik. Lediglich die Bildverarbeitung wächst nach einer Phase dynamischer Expansion etwas verhaltener.

 

Mit einem Zuwachs von 15% auf 5,1 Mrd. Euro im Jahr 2007 ist die Montage- und Handhabungstechnik die umsatzstärkste Teilbranche des VDMA-Fachverbandes Robotik + Automation. Bild: Schunk
Mit einem Zuwachs von 15% auf 5,1 Mrd. Euro im Jahr 2007 ist die Montage- und Handhabungstechnik die umsatzstärkste Teilbranche des VDMA-Fachverbandes Robotik + Automation.
Bild: Schunk
Das wirtschaftliche Umfeld der diesjährigen Automatica könnte nicht besser sein. Trotz Kapitalmarktkrise und starkem Euro läuft das Exportgeschäft nach wie vor prächtig, die Binnenkonjunktur brummt. Dank voller Auftragsbücher sind Mitarbeiter und Maschinen mehr als ausgelastet. So eine Hochkonjunktur will bewältigt werden: Neben ungeduldigen Auftraggebern und enger werdenden Kapazitäten müssen die Unternehmer gleichzeitig an die Zukunft denken. Galt in den letzten konjunkturellen „Hochs“ das Hauptaugenmerk fast ausschließlich der laufenden Produktion, ist es dieses Mal ganz anders: Selbst angesichts dicker Auftragspolster wird parallel in Zukunftsprojekte investiert, was sich bei den Herstellern von Automatisierungslösungen in klingender Münze niederschlägt.

Folglich konnte der Branchenumsatz Angaben des Fachverbandes Robotik + Automation im VDMA zufolge im vergangenen Jahr um insgesamt 15% auf 8,4 Mrd. Euro gesteigert werden. Dabei haben keineswegs nur die Automobilhersteller, sondern auch andere Branchen – darunter die Kunststoffverarbeitung, die Metallindustrie, Elektroindustrie und Medizintechnik – kräftig investiert, um die Produktivität ihrer Anlagen weiter zu steigern. Neben einem außerordentlich starken Auslandsgeschäft hat sich auch der Investitionsstau in Deutschland mittlerweile aufgelöst, weshalb Thilo Brodtmann, Geschäftsführer des Fachverbandes Robotik + Automation, davon ausgeht, dass „der hohe Auftragseingang aus dem In- und Ausland für 2008 ein weiteres Wachstum von 10% auf 9,2 Mrd. Euro möglich macht“.

Nicht weniger gut ist die Stimmung im Bereich der elektrischen Automatisierung, die in Deutschland vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) vertreten wird. Für das Gesamtjahr 2007 meldet die Branchenorganisation ebenfalls einen zweistelligen Umsatzzuwachs um knapp 11% auf 42,8 Mrd. Euro. Beim Auftragseingang konnte ein Plus von 15% verbucht werden. Der Export nahm in den ersten drei Quartalen 2007 um mehr als 9% zu.

Weltgrößter Einzelmarkt für die elektrische Automation sind mit über 20% Marktanteil nach wie vor die USA. Dorthin gehen rund 9% der deutschen Exporte. Diese waren allerdings bereits im vergangenen Jahr rückläufig – ein Trend, der sich angesichts der tendenziell rezessiven Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten und des schwachen US-Dollars fortsetzen dürfte. Alle anderen Exportregionen weisen nach Verbandsangaben unvermindert starkes Wachstum auf. Europa außerhalb der EU ist mit einem Plus von über 17% Spitzenreiter, gefolgt von Südostasien mit 8,1%.

Wachstumsmotor Robotik: 22% Umsatzplus

Kaum noch aufzuhalten ist der Vormarsch des Industrieroboters. Selbst in so genannten Niedriglohnländern wie China oder Indien hält der „stählerne Kollege“ Einzug in die Fabrikhallen. Kein Wunder, dass die Hersteller von Robotern und Robotik-Systemen in Deutschland auf eines der erfolgreichsten Jahre zurückblicken können. Der Umsatz von Robotik ist nach der VDMA-Statistik in Deutschland im vergangenen Jahr um 22% auf 2,1 Mrd. Euro gewachsen.

Für 2008 wird mit einer weiteren Umsatzsteigerung gerechnet – auch wenn diese mit 12% nicht mehr ganz so markant wie 2007 ausfallen dürfte. Als Grund für diese positive Entwicklung führen Branchenkenner den verstärkten Trend zu hochwertigen Systemlösungen an. Insgesamt steigt der Wert anspruchsvoller, applikationsspezifischer Robotiklösungen, weil die Komplexität der Integration in komplette Anlagensysteme zunimmt.

Welt-Roboterverband erwartet weiterhin robustes Wachstum

Auch die Zahlen des internationalen Roboterverbandes IFR belegen die aktuelle Hochphase: Insgesamt rund 5,8 Mrd. Dollar setzten die Roboterhersteller im vergangenen Jahr weltweit um. Nimmt man die Systemintegratoren hinzu, waren es sogar 17 Mrd. Dollar – und das, obwohl Automobil- und Elektroindustrie in diesem Zeitraum ihre Investitionen in Roboteranlagen deutlich zurückgefahren haben. IFR-Vorsitzender Stefan Müller erklärt: „Alle anderen Industrien investieren dafür in Robotertechnik wie nie zuvor.“ Weltweit dürfte nach IFR-Schätzungen im vergangenen Jahr der einmillionste Roboter – irgendwo auf der Welt – installiert worden sein.

Das größte Wachstum erwarten die Branchenbeobachter auch in den kommenden Jahren in der „General Industry“ (alle Industrien außer Automotive), da diese Sektoren einiges nachzuholen haben. Zwar sind dort die Prozesse oft hochgradig automatisiert – jedoch im Gegensatz zur Automobilindustrie meist sehr starr. Bei einer mehr und mehr auf Individualität bedachten Kundschaft muss die Produktionsausstattung aber flexibel sein. Typisch für diese Entwicklung ist die Verpackungsindustrie: War dort der Robotereinsatz, also der flexible Teil der Automatisierung, jahrelang auf Palettieraufgaben beschränkt, ist dieses Marktsegment heute ein Musterbeispiel für neue und vielfältige Formen der Automatisierung.

Folglich rechnet die International Federation of Robotics für die kommenden Jahre mit einem, wie es heißt, „robusten Wachstum“ am Welt-Robotormarkt, das mit jahresdurchschnittlich 4,2% bis 2010 beziffert wird. Zum Ende des Prognosezeitraums dürften dann weltweit 1,2 Mio. Roboter im Einsatz sein, was einer stückzahlmäßigen Zunahme um 5,5% entspricht.

Die Hersteller von Montage- und Handhabungstechnik in Deutschland können ebenfalls auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2007 zurückblicken. Mit einem Zuwachs beim Branchenumsatz um 15% auf 5,1 Mrd. Euro ist Sparte heute die umsatzstärkste Teilbranche des VDMA-Fachverbandes Robotik + Automation. Allerdings hat der Erfolg auch seinen Preis: Die Unternehmen haben mit Kapazitätsengpässen und Fachkräftemangel zu kämpfen. Unter Berücksichtigung der nach wie vor ansteigenden Bestellungen wird für 2008 ein weiterer Zuwachs beim Branchenumsatz von 10% erwartet.

Mit dem Einsatz innovativer Montage- und Handhabungslösungen gelingt es, durch Prozessoptimierung zu weltweit wettbewerbsfähigen Kosten am Markt zu agieren oder durch eine Produktdifferenzierung Premium-Preise zu realisieren: Intelligente Fertigungstechnik, insbesondere im Bereich der Montage, beeinflusst die Fertigungskosten insgesamt positiv. Aber es sind auch häufig die Anforderungen an Qualität und Sicherheit, die Automation unverzichtbar machen.

Bildverarbeitung nach Boom in ruhigerem Fahrwasser

Nach Jahren dynamischer Entwicklung hat die industrielle Bildverarbeitung 2007 etwas an Schwung verloren. Während die Umsätze mit Komplettlösungen im letzten Jahr aufgrund von Nachfragerückgängen in zyklischen Technologiemärkten – etwa der Halbleiter-, Elektronik- und Flachbildschirmindustrie – unter den Vorjahreswerten lagen, „entwickelte sich“, wie Fachverbandsgeschäftsführer Thilo Brodtmann erläutert, „das Komponentengeschäft besonders erfreulich. Insbesondere die deutschen Hersteller von Bildverarbeitungs-Kameras konnten mit wettbewerbsfähigen und technologisch führenden Produkten weltweit Marktchancen nutzen. Auch einfach bedienbare Standardsysteme liegen im Trend.“

Der Gesamtumsatz der deutschen Bildverarbeitungsbranche stieg 2007 um 4% auf 1,15 Mrd. Euro. Damit hat sich der Branchenumsatz in zehn Jahren nahezu vervierfacht. Für 2008 geht der VDMA nach Aussagen Brodtmanns „von einem weiteren soliden Wachstum um 6% auf 1,22 Mrd. Euro aus“. Als Querschnittstechnik kommt die Bildverarbeitung in fast allen Industriebereichen zum Einsatz, wobei neue Anwendungsfelder auch künftig für Wachstumspotenzial sorgen sollen.


Weiterempfehlen | Drucken | PDF | Artikel archivieren