Schiess

Chinesen macht deutschen Werkzeugmaschinenbauer wieder flott

 

12.06.2008 | Redakteur/Autor: Jürgen Schreier

 

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Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit haben in den letzten Jahren chinesische Firmen Unternehmen der deutschen Metall- und Elektroindustrie aufgekauft. In manchen Fällen entpuppen sie sich als Segen für die Betriebe. Sie sind nicht gekommen, um Technologie abzuziehen, sondern investieren in Anlagen und Arbeitsplätze, wie das Beispiel der Schiess GmbH in Aschersleben zeigt


Bei Schiess in Aschersleben, einem Unternehmen der chinesischen Shenyang-Gruppe, hat man sich auf Werkzeugmaschinen in XXL-Ausführung spezialisiert. Bilder: Gesamtmetall
Bei Schiess in Aschersleben, einem Unternehmen der chinesischen Shenyang-Gruppe, hat man sich auf Werkzeugmaschinen in XXL-Ausführung spezialisiert. Bilder: Gesamtmetall
Die Maschine ist ein wahrer Gigant. Hinter der gewaltigen Rahmenkonstruktion aus massivem Guss ließe sich gut und gerne ein Einfamilienhaus verstecken. Die Aufgaben, die das Schwergewicht verrichten soll, sind auf den ersten Blick eher unspektakulär: Es soll bohren, drehen und fräsen – in der Metall ein Minimal-Standard, den Zerspanungsmaschinen beherrschen müssen.

Die eigentliche Kernkompetenz der Werkzeugmaschine liegt in der schieren Größe. Teile von bis zu 400 t Gewicht können mit hoher Genauigkeit und minimalen Toleranzen im Mikrometer-Bereich zerspant werden – so etwa Gehäuse von Dampfturbinen für Kraftwerke.

Seit 150 Jahren werden bei Schiess Werkzeugmaschinen gebaut

Hinter der Entwicklung solcher Werkzeugmaschinen steckt natürlich höchste Ingenieurskunst. In Deutschland gibt es sehr wenige Hersteller derartiger Maschinen. Einer davon ist die Schiess GmbH. Seit 150 Jahren werden in Aschersleben bei Magdeburg Werkzeugmaschinen in höchster Präzision gefertigt. Bereits 1889 schrieb die Firma auf der Pariser Weltausstellung mit einer „Einpilaster-Hobelmaschine“ Maschinenbaugeschichte. Auch danach gehörten die Ascherslebener immer wieder zu den großen Innovatoren.

Die Geschichte des Unternehmens hätte 2004 jedoch fast ein Ende gefunden. Das Hin und Her der Nachwende-Ära, eine schwächelnde Weltwirtschaft mit geringer Investitionsbereitschaft und hohe Kosten bei der Neuentwicklung von Produkten hatten die Verschuldung in die Höhe getrieben. Zudem spielten die Banken nicht mehr mit.

Für das Management eine nahezu unlösbare Situation. „Uns fehlte tatsächlich die Phantasie“, erläutert Schiess-Geschäftsführer René Nitsche, „dass man aus dem Unternehmen, das sicherlich in einer wirtschaftlichen Krise, sprich Insolvenz steckte, etwas machen konnte. Diese Vision fehlte uns einfach damals.“

Shenyang rundet mit Schiess-Maschinen eigenes Produktportfolio ab

Hilfe kam in dieser Situation aus China. Die Shenyang Machine Tool Co Ltd. (SMTCL) war auf der Suche nach einem deutschen Mittelständler, der in das eigene Produktportfolio passte. SMTCL entwickelt, konstruiert und baut kleinere und mittelgroße spanende Werkzeugmaschinen und Bearbeitungszentren. Das Unternehmen ist in China die Nummer 1 am Markt. Mit ihren komplexen Großmaschinen passte Schiess exakt ins Konzept.

Die chinesischen Manager ließen sich durch die äußeren Umstände nicht irritieren. Die Produkte und das Know-how bei Schiess waren entscheidend. Sie brachten sie das Geld mit, das der Betrieb dringend brauchte. Schritt für Schritt wurde die maroden Gebäude saniert und die Produktion modernisiert.

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