Desertec

Stromautobahnen bringen Energie aus der Wüste

22.06.12 | Autor / Redakteur: Thomas Isenburg / Stéphane Itasse

Beim Desertec-Projekt wollen die beteiligten Unternehmen in den Wüsten Nordafrikas Solarthermieanlagen errichten, um Europa mit Strom zu versorgen.
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Beim Desertec-Projekt wollen die beteiligten Unternehmen in den Wüsten Nordafrikas Solarthermieanlagen errichten, um Europa mit Strom zu versorgen. (Bild: Siemens)

Ein Vorschlag für eine sichere und umweltfreundliche Energieversorgung in Europa ist das Desertec-Konzept: Die Wüsten der Erde empfangen in weniger als sechs Stunden so viel Energie von der Sonne, wie die Menschheit in einem Jahr verbraucht.

Wie die Energie aus Wind und Sonne zunächst umgewandelt und dann zu den Verbrauchszentren transportiert werden kann, sind Fragen, mit denen sich international orientierte Energieexperten beschäftigen. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Jochen Kreusel, Smart Grid Manager bei der ABB Ltd in Zürich. Er meint: „In Europa gibt es bislang überwiegend ein Wechselstromnetz.“

Gleichstrom zur Übertragung über große Entfernungen

Die zugehörigen Kraftwerke sind in der Regel nahe an Verbrauchszentren. Dadurch besteht nur wenig Ferntransportbedarf für elektrische Energie. Probleme wie der Ausfall eines Kraftwerks können durch die Struktur des Stromnetzes ausgeglichen werden.

Wenn man über den Verbund in Nordafrika redet und auch den Ausbau der Windenergie an den deutschen Küsten, ändert sich das Bild grundlegend, so Kreusel. Sobald es in den Bereich über mehrere Hundert oder gar Tausend Kilometer gehe, sei es effizienter, die Energie in Form von Gleichstrom zu übertragen.

HGÜ-Verbindungen in Europa schon seit Jahrzehnten vorhanden

Zwischen England, Europa und Skandinavien gibt es bereits die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) genannten Verbindungen. Diese werden schon seit den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts betrieben. Ein Beispiel im Mittelmeer ist die Sacoi-Verbindung. Sie reicht von Italien über Korsika nach Sardinien und wird mit Gleichstrom betrieben. In Deutschland wurde 2009 der erste deutsche kommerzielle Offshorewindpark Bard 1 durch eine HGÜ-Leitung mit der 120 km entfernten Küste verbunden.

Jedoch sieht Kreusel einige technische Herausforderungen bei gleichstromleitenden Stromverbindungen durchs Mittelmeer. Für Desertec spezifisch sind teilweise Meerestiefen um die 2000 m. Dazu Kreusel: „Das ist kein grundlegendes Hindernis, doch man muss schon sagen, dass es schwierig ist.“

Ergänzendes zum Thema
Desertec ist auch als politisches Kooperationsprojekt zu begreifen

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