Fibunet
Mittelständler kümmern sich zu wenig um ihre Kreditwürdigkeit
02.09.2008 | Redakteur/Autor: Jürgen Schreier
Die Kreditvergabe wird teurer und immer restriktiver gehandhabt. Schuld sind die Basel-II-Richtlinien und die steigenden Zinsen sowie internationalen Kreditkrisen. Dennoch ist die eigene Kreditwürdigkeit vielen Mittelständlern immer noch nicht wichtig genug. Doris Dreyer, Geschäftsführerin des Softwarehauses Fibunet, rät zu wertorientiertem Management und zum Primat der ungeliebten Buchhaltung.
Das weiß auch Doris Dreyer, Geschäftsführerin und erfahrene Beraterin des 1984 gegründeten, mittelständischen Software-Hauses Fibunet aus Quickborn, das Systeme für die Finanzbuchhaltung und das Controlling entwickelt: „Auch wir kennen extreme Fälle aus unserer jahrelangen Beraterpraxis. Plötzlich werden Kredite nicht gewährt oder nicht verlängert, weil die Unterlagen nicht mehr den neuen Anforderungen nach Basel II entsprechen. Dann rächt sich schlechte Datenqualität in der Finanzbuchhaltung und ein fehlendes Controlling. Manche Unternehmen suchen erst dann externe Hilfe, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.“
Mit Storytelling lässt sich kein Banker mehr beeindrucken
Eine mitreißende Story und gute Bilanzen allein entlocken dem Banker von heute nur ein müdes Lächeln. Mittelständler, die einen Großteil ihrer Investitionen über externe Kredite finanzieren, müssen den eigenen Unternehmenswert kennen und kommunizieren können. Wo stehen wir? Wo geht es hin? Wieviel Eigenkapital haben wir? Entstehen Liquiditätsengpässe und warum? Was wäre, wenn?
Nur wer solche Fragen beantworten kann, darf auf bessere Konditionen, eine kurzfristige Erhöhung des Kreditvolumens oder die Finanzierung größerer Investitionen hoffen. Doch nach einer KfW-Befragung von 2008 zur Unternehmensfinanzierung wissen etwa 50% aller befragten Unternehmen bis heute nicht, welche Rating-Kriterien die eigene Hausbank anlegt, und ein Fünftel kennt die eigene Bewertungsnote nicht. Eine Studie der Creditreform belegt, dass für bereits ein Drittel der deutschen Unternehmen die Kreditaufnahme schwieriger geworden ist.
Falsche Zahlenbasis kann böse Überraschungen mit sich bringen
Ein Grundproblem kennt Doris Dreyer aus der täglichen Beratungspraxis: „Von einem konsequenten, wertorientierten Controlling sind viele mittelständische Firmen noch weit entfernt. Ungenaue, falsche oder fehlende Zahlen in der Buchhaltung, auf die wir im Tagesgeschäft immer wieder stoßen, sind da nur der Anfang. Sie scheinen harmlos, können aber zu eklatanten Fehlentscheidungen oder zu unerwarteten Problemen mit Basel II führen. Denn ohne verlässliche, genaue Zahlenbasis sind Verhandlungen mit Banken über Kredite und Konditionen ein reines Glücksspiel.“
Nicht nur, dass eine zukunftsweisende Investition dann oft nicht finanziert werde. Gelegentlich stelle sich sogar heraus, dass Unternehmen insolvent sind, ohne es selbst zu wissen.

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Karlsruhe, Deutschland
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