Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie

Hände weg vom AGB-Recht

26.04.2012 | Redakteur: Josef-Martin Kraus

Die Verbandssprecher Michael Weigelt (links) und Dr. Theodor L. Tutmann sehen keinen Anlass, das AGB-Recht „aufzuweichen“: Es helfe mittelständischen Zulieferern, überzogene Forderungen der Konzerne abzuwenden. Bild: Krausx

Die deutschen Zulieferer wollen das gute Ergebnis des vergangenen Jahres toppen. Das gab Dr. Theodor L. Tutmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie, auf der Hannover-Messe 2012 bekannt. Allerdings werde das Wachstum unter anderem durch das Bestreben der Konzerne, das deutsche AGB-Recht „aufzuweichen“, gefährdet.

Für dieses Jahr erwarten die etwa 9000 Zulieferer, die von der Interessengemeinschaft vertreten werden, ein Umsatzplus von 2 bis 4%, nachdem die beiden vergangenen Jahre laut Tutmann von „einem außergewöhnlich hohen Wachstum“ gekennzeichnet waren. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um über 16 %. Am Jahresende lag er deutlich über dem Vorkrisenniveau von 2008.

Geschäftsklimaindex Zulieferindustrie klettert langsamer

Das ergaben die jüngsten Erhebungen, die von der Arbeitsgemeinschaft und dem Ifo-Institut München monatlich ermittelt und im Geschäftsklimaindex Zulieferindustrie zusammengeführt werden. Dazu werden jeweils 600 Mitglieder befragt: Gießereien, Kunststoffverarbeiter, Hersteller technischer Textilien, Metallver- und -bearbeiter. Die Arbeitsgemeinschaft setzt sich aus sechs Branchenverbänden zusammen.

Nach dem Geschäftsklimaindex vom März 2012 zeichnet es sich ab, dass die weitere Erholung nicht mehr in dem Tempo voranschreiten wird wie in jüngster Vergangenheit. Manche Zulieferer hatten sich offenbar an das Tempo gewöhnt. „Die Zukunftserwartungen haben einen kleinen Dämpfer bekommen“, bemerkte Tutmann. Insbesondere in Betrieben, die nicht im Ausland aktiv sind, kehrte Ernüchterung ein.

Export bleibt Chance für Zulieferer

Anders sieht es bei Zulieferern aus, die weltweit in Wertschöpfungsketten eingebunden sind. Sie sind für die Zukunft optimistischer. Diese Feststellung machte Michael Weigelt, Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverbands der kunststoffverarbeitenden Industrie (GKV), der zusammen mit Tutmann auf der Messe einen Einblick in die deutsche Zulieferbranche gab. Heute erzielen die Zulieferer etwa 70% des Umsatzes direkt oder indirekt im Export.

Dennoch gestaltet sich laut Weigelt das Auslandsgeschaft für die überwiegend mittelständischen Familienbetriebe deutlich schwieriger als für Konzerne. Der GKV-Manager forderte daher die Politik auf, sich auf die Verbesserung der für den Internationalisierungsprozess notwendigen Rahmenbedingungen zu konzentrieren.

Energiepreise und AGB-Recht machen Zulieferern Sorgen

Das war nicht die einzige Botschaft der beiden Verbandssprecher an die Politik. Weitere betrafen die steigenden Energiepreise und das Bestreben der Konzerne, das deutsche AGB-Recht „aufzuweichen“. Allein die Umlage für erneuerbare Energien (EEG-Umlage) belastet die deutschen Zulieferer 2012 mit rund 1 Mrd. Euro. Weigelt forderte, die EEG-Kosten spätestens ab 2013 zu begrenzen. Beim AGB-Recht hält man hingegen nichts von einer Änderung. Das AGB-Recht hilft laut Tutmann, überzogene Forderungen abzuwenden. „Hände weg vom AGB-Recht!“, so die beiden Branchenexperten.

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