Ingenieurmangel

Wir müssen im Kampf gegen den Studienabbruch ran

29.03.12 | Redakteur: Claudia Otto

Hartmut Rauen engagiert sich für die Qualitätssicherung an Fachbereichen des Maschinenbaus und der Elektrotechnik. (Bild: VDMA)
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Hartmut Rauen engagiert sich für die Qualitätssicherung an Fachbereichen des Maschinenbaus und der Elektrotechnik. (Bild: VDMA)

Der VDMA hat in einer Studie die Ursachen für den Studienabbruch im Ingenieurwesen untersucht und sich mögliche Gegenmaßnahmen einfallen lassen. Wie diese aussehen, erläutert Hartmut Rauen, Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung und Verantwortlicher für das Thema Bildung, im Gespräch.

Herr Rauen, wie hoch ist der Ingenieurbedarf im Maschinen- und Anlagenbau?

Rauen: Mit rund 170.000 Ingenieuren gehört die Branche zu den wichtigsten Ingenieurarbeitgebern in Deutschland. Mehr als 16% macht der Anteil an den Beschäftigten aus. Was den Ersatz- und Zusatzbedarf bis 2020 angeht, halten wir eine Größenordnung von bis zu 50.000 Ingenieuren für realistisch. Zu Beginn des Jahres lagen wir in der Branche bei rund 7000 offenen Ingenieurstellen.

Können die Hochschulen diese hohe Nachfrage bedienen?

Rauen: Nicht hinreichend. Wenn uns fast jeder zweite Studienanfänger bis zum Abschluss im Maschinenbaustudium verloren geht, dann ist das schlichtweg inakzeptabel. Hier werden betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Ressourcen verschleudert. Von unserer Verantwortung für die jungen Menschen, von denen viele unter besseren Studienbedingungen gute Ingenieure hätten werden können, ganz zu schweigen.

Wie lässt sich diese große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage schließen?

Ergänzendes zum Thema
Qualitätssicherung im Studium

Rauen: In der Forschung sind die deutschen Ingenieurwissenschaften weltweit Spitze. Aber das ist eben nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die hochschulische Lehre, und die bereitet uns große Sorgen. Wir müssen beim Kampf gegen den Studienabbruch ran. Der VDMA steht da an vorderster Front: In einer Studie haben wir unlängst die Ursachen für den Studienabbruch analysiert und Handlungsvorschläge entwickelt. Eigentlich wäre jetzt vor allem die Hochschulpolitik am Zuge.

Wieso sagen Sie „eigentlich“?

Rauen: Ja, weil sich die Politik beim sprichwörtlichen Bohren von harten Brettern allzu viel Zeit lässt. Die haben wir aber nicht – weder den Unternehmen noch den betroffenen jungen Menschen und auch den Hochschulen ist mit dem ungelösten Problem des Studienabbruchs sicher nicht gedient. Wir im VDMA wollten da nicht länger zuschauen und haben eine Offensive zum Qualitätsmanagement in der Lehre im Maschinenbau- und Elektrotechnikstudium gestartet – jetzt sind Taten gefragt.

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