Arbeitsmarkt

Deutsche Maschinenbauer werben um ausländische Fachkräfte

| Redakteur: Robert Weber

Die deutschen Anlagen- und Maschinenbauer suchen dringend Fachkräfte. Auch junge Spanier sind den Unternehmen willkommen. (Bild: VDMA)
Die deutschen Anlagen- und Maschinenbauer suchen dringend Fachkräfte. Auch junge Spanier sind den Unternehmen willkommen. (Bild: VDMA)

Dem deutschen Anlagen- und Maschinenbau fehlen die Fachkräfte. Die Arbeitsagentur wirbt deshalb auch im krisengebeutelten Spanien um junge Ingenieure und Experten. Erste Vermittlungen waren erfolgreich.

Als Armando Sa-Rodrigues aus Portugal 1964 nach Deutschland kam, gab es ein großes Hallo auf dem Kölner Hauptbahnhof und ein nagelneues Moped für den südeuropäischen Gastarbeiter. Der millionste Arbeitsimmigrant kam als Zimmermann nach Deutschland.

Aus Zimmermänner sind heute Ingenieure und Facharbeiter geworden und aus Mopeds Laptops, Smartphones oder sogar Wohnungen. Denn der deutsche Maschinen- und Anlagenbau sucht dringend qualifizierte Mitarbeiter.

Hohe Arbeitslosigkeit in Spanien ermuntert Fachkräfte zum Auswandern

Alleine in Baden-Württemberg sind mehrere tausend Stellen unbesetzt. Deshalb wagt man jetzt auch den Blick in die befreundeten EU-Nachbarstaaten, um Personal an- oder abzuwerben. Die Zeit scheint günstig, denn in Spanien grassiert eine hohe Arbeitslosigkeit vor allem unter jungen Menschen. „In Spanien sind auch viele junge Ingenieure arbeitslos“, bestätigt Dr. Beate Raabe von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Arbeitsagentur.

Die Behörde forciert seit Anfang des Jahres die Anwerbung auf der iberischen Halbinsel. Das freut Ulrich P. Hermani, Geschäftsführer vom VDMA Baden-Württemberg. „Wir unterstützen die Initiative ausdrücklich und haben diese mit angeschoben“, erklärt der Schwabe, der sich persönlich an die Regionaldirektion der Arbeitsagentur gewandt hat.

Seine Mitgliedsunternehmen hoffen auf gut ausgebildete Fachkräfte unter anderem aus der spanischen Automobilindustrie. Die mechanischen und technischen Fähigkeit der Spanier sind zwischen Friedrichshafen und Mannheim gefragter denn je. Und die Iberer scheinen bereit für teutonische Herausforderungen. „Wir haben punktuell schon Fachkräfte aus Spanien vermittelt“, sagt Raabe.

Wittenstein hat in Spanien bereits Stellenausschreibungen platziert

Eingestellt hat die Wittenstein AG zwar noch keine Spanier, aber Stellenausschreibungen vor Ort haben die Igersheimer bereits platziert. Wichtig für die Aktiengesellschaft sind Deutschkenntnisse in Wort und Schrift, teilt man mit. Deutschkurse sind also unerlässlich für spanische Experten.

Der Abschied von Sonne, Paella und Stierkampf wird versüßt durch einen sicheren Arbeitsplatz und eine langfristige Perspektive, heißt es beim VDMA. Es habe sich in Europa herumgesprochen, dass Deutschland gut aus der Krise gekommen sei und Fachkräfte suche, schreibt die Arbeitsagentur.

Doch mit dem ganz großen Ansturm rechnet Verbandsmanager Hermani trotzdem nicht. „Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, so den Fachkräftemangel lösen zu können. Dafür reicht der Zuzug aus dem Ausland, und ich meine hier das gesamte Ausland, nicht aus“, ergänzt Dr. Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des VDMA aus Frankfurt.

Er setzt vor allem auf die Studenten. „Wir halten vor allem die ausländischen Studierenden für ideale Zuwanderer. Sie sollten künftig nach dem Ende des Studiums ebenfalls in Deutschland bleiben können“, fordert der Hesse.

Auch Bulgarien für Fachkräfte-Rekrutierung interessant

Nichtsdestotrotz: Sein Kollege Hermani blickt auch nach Osteuropa und dabei vor allem nach Bulgarien. Eine lange Maschinenbautradition bescheinigt er dem EU-Staat. Im Nachbarland Ungarn, bestätigen viele Experten, seien keine Fachkräfte mehr zu akquirieren. Ein Szenario auch für Spanien? „Mit der Rekrutierung arbeitsloser spanischer Bewerber entlasten wir den Arbeitsmarkt vor Ort“, freut sich Raabe von der Arbeitsagentur. Aber ist es moralisch legitim und volkswirtschaftlich sinnvoll, sich einem kriselnden Partnerland seiner Expertise zu bedienen und im nachhinein ihn mit Millionenzahlungen möglicherweise zu stützen, fragen sich Wirtschaftswissenschaftler. Wer hilft den Spaniern mit, sich aus der wirtschaftlichen Misere zu ziehen, wenn junge Fachkräfte fehlen?

Unternehmen müssen sich für ausländische Fachkräfte attraktiv machen

Die Spanier würden ihr Auslandsengagement als Weiterbildungsschub verstehen, meinen Arbeitsmarktexperten. Wenn die Wirtschaft wieder floriere bestehe die Gefahr, dass die Umworbenen wieder in die Heimat zurückziehen.

Die deutschen Unternehmen müssten sich deshalb weiter attraktiv machen. Mit Laptop, Smartphones, Wohnraum oder familienfreundlichen Arbeitszeiten. Ein Moped lockt und hält heute nur noch wenige. Auch abwanderungswillige deutsche Fachkräfte nicht.

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