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Bystronic Interview

Laserbearbeitung: „Von der Maschine zum intelligenten Prozess“

| Redakteur: Frauke Finus

Der Faserlaser By Star Fiber von Bystronic arbeitet mit einer komplett neuen Steuerung. Damit können die Schneidprozesse auf der Maschine umfassender gemessen und ausgewertet werden.
Der Faserlaser By Star Fiber von Bystronic arbeitet mit einer komplett neuen Steuerung. Damit können die Schneidprozesse auf der Maschine umfassender gemessen und ausgewertet werden. (Bild: Bystronic)

Auf den Einsatz von Smartphones und digitalen Anwendungen haben wir uns im Alltag weitreichend eingelassen. Mit Industrie 4.0 wächst nun ein Trend, der die Digitalisierung auch in industriellen Bereichen vorantreibt. Bystronic Entwicklungschef (CTO) Dr. Jürgen Hohnhaus spricht über den Nutzen und die Vision dieser Entwicklung.

Herr Hohnhaus, Bystronic hat zuletzt den Faserlaser By Star Fiber vorgestellt. Wieviel Industrie 4.0 steckt in diesem Produkt?

Eine ganze Menge. Die By Star Fiber ist „I 4.0 ready“. Unser Faserlaser arbeitet mit einer komplett neuen Steuerung. Damit können wir die Schneidprozesse auf der Maschine mit einer bisher nicht erreichten Sensorik messen und auswerten. Wir erhalten dabei Daten, die uns in Zukunft helfen, das Laserschneiden intelligent zu machen.

In den Medien erfährt man im Moment viel zu Industrie 4.0. Jeder legt dieses Thema etwas anders aus. Was versteht Bystronic darunter?

Ziel von Industrie 4.0 ist die digitale Durchdringung industrieller Geschäftsbereiche, um die Produktion damit effizienter zu machen. In unserem Fall ist das die Blechbearbeitung. Menschen, Maschinen und Produktionsteile, die in diesen Prozess involviert sind, werden vernetzt. Zu dieser Vernetzung kommt künstliche Intelligenz hinzu. So entstehen intelligente Netzwerke, in denen sich Maschinen in Zukunft selbst anlernen und optimieren. Der Mensch nimmt an diesen Netzwerken teil. Er kann jederzeit und überall Informationen zu seinen Maschinen und Teilen abrufen, Situationen bewerten und eingreifen, wenn es notwendig ist.

Das heißt, diese Netzwerke schaffen mehr Transparenz?

Genau. Kunden erhalten mit Industrie 4.0 mehr Transparenz in ihrer Produktion. Sie sehen, wann und wo ihre Aufträge laufen. In welchem Stadium sich die Fertigungsteile befinden. Und noch etwas entsteht mit Industrie 4.0: mehr Flexibilität. Kunden können neben großen Stückzahlen konstanter Teile auch kleine Stückzahlen individueller Teile sehr schnell anbieten und herstellen. Damit produzieren sie in Zukunft neben Massenprodukten auch Einzelteile und Kleinserien konkurrenzfähig. Sie können mit intelligenter Systemunterstützung ihre Abläufe viel einfacher umstellen und so schneller auf die Anforderungen ihrer Kunden reagieren.

Innerhalb von Industrie 4.0 gibt es verschiedene Aspekte. Welche Schwerpunkte setzt Bystronic?

Ich sehe vier Schwerpunkte. Der erste ist Automation, die erweitert wird mit künstlicher Intelligenz. Daran schließt sich die Vernetzung der intelligenten Maschinen mit den Produktionsteilen an, zu einer digital erschlossenen Fabrik, der Smart Factory. Der dritte Punkt ist Big Data. Die Frage also, wie wir in Zukunft mit Daten sicher umgehen und wie wir sie sinnvoll auswerten. Das vierte Thema sind neue Servicelösungen, die durch die erweiterten Möglichkeiten der Datenauswertung entstehen.

Geht es mit Industrie 4.0 nur darum, eine Smart Factory aufzubauen oder sind auch punktuelle Lösungen bei Anwendern denkbar?

Wir befinden uns mit Industrie 4.0 in einer Evolution. Das heisst, der Aufbau neuer Lösungen geschieht schrittweise. Der erste Schritt für Anwender besteht darin, Maschinen zu installieren, die bereit sind für die digitale Vernetzung. Damit wird es möglich, je nach Kundenbedürfnis, verschiedene Softwarelösungen anzubinden. Diese können nach und nach ergänzt werden. Wie Puzzleteile, die irgendwann ein Gesamtbild ergeben, die Smart Factory. Ein punktueller Einstieg zu mehr Prozesstransparenz wäre zum Beispiel der Observer.

Wo beginnt die Industrie 4.0 für Kunden von Bystronic?

Es beginnt bereits an dem Punkt, wo unsere Kunden ihren Kunden ein Angebot erstellen, um einen bestimmten Auftrag zu erhalten. Für ein erfolgreiches Angebot braucht es viel Knowhow. Stellen Sie sich vor, Sie bekommen eine Anfrage. Ein Musterteil oder eine Skizze liegt vor. Jetzt gilt es, schnell einzuschätzen: Welche Prozessschritte sind nötig? Wie lange braucht die Herstellung? Und was darf das Teil kosten?

Was bietet Bystronic heute schon an, um Kunden hier zu unterstützen?

Wir können die Prozesskosten und Herstellungszeit von Teilen heute bereits simulieren. Damit definieren Kunden die Kosten für einen Auftrag vorab und können so ein Angebot abgeben. In Zukunft wollen wir diese Simulationsdaten digital erfassen, um sie anschließend automatisch zu einem Angebot zu verarbeiten. Das wird den Angebotsprozess unserer Kunden noch einmal beschleunigen.

Die Laserteile des Kunden sind nun geschnitten. Der nächste Schritt ist das Biegen. Welche Innovationen bietet Bystronic hier?

Wir übertragen gerade die Funktion Detection Eye, die wir bereits erfolgreich auf unseren Lasern einsetzen, auf das Biegen. Diese Funktion erkennt die Werkzeuge an der Oberwange der Abkantpresse. Sie stellt fest, ob die richtigen Werkzeuge vom Bediener ausgewählt wurden und korrekt eingesetzt sind. Wenn nicht, gibt die Funktion eine Meldung und schlägt dem Bediener eine Korrektur vor.

Lassen Sie uns noch ein wenig weiter in die Zukunft schauen. Wie werden sich die Lösungen von Bystronic in absehbarer Zeit verändern?

Neben unseren Werkzeugmaschinen werden wir immer mehr auch zum Anbieter von Service-Diensten. Wir gehen damit von der Maschine zum intelligenten Prozess. Diese Transformation hat bereits begonnen. Zum Beispiel mit den Angeboten By Optimizer, Observer und anderen Softwarelösungen. Diese Dienste ergänzen die Prozessschritte unserer Kunden und sie erweitern das Leistungsspektrum unserer Maschinen.

Welche Bereiche der Kunden werden sich damit am stärksten verändern?

Vor allem die Logistik und das Auftragsmanagement. Mit den digitalen Lösungen werden die Abläufe in diesen Bereichen transparenter, planbarer und damit schlanker. Dadurch vermeiden unsere Kunden in Zukunft unnötige Arbeitsschritte.

Noch ein Ausblick auf die Euroblech, die sich in diesem Jahr um Industrie 4.0 drehen wird. Was dürfen Kunden bei Bystronic erwarten?

Bystronic geht in diesem Jahr mit etwas Einzigartigem auf die Euroblech. Wir richten uns damit auf das Thema Industrie 4.0 aus. Aber nicht mit Insellösungen, wir werden unseren Kunden eine vernetzte, intelligente Gesamtlösung für erfolgreiche Blechbearbeitung präsentieren.

Bystronic auf der Euroblech 2016: Halle 12, Stand B66 und Halle 12, Stand A66 und Halle 12, Stand A73

Weitere Meldungen zur Euroblech finden Sie in unserem Speical.

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