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Taiwan

Präzisionshersteller statt verlängerte Werkbank

| Autor / Redakteur: Frank Jablonski / Frank Jablonski

David Hsiao, Chef von Sauter-Asia, hat das Geschäft aufgebaut. Sein Sohn Allen (rechts) und Louis Liang unterstützen ihn heute beim Aufbau der eigenen Produktion vor Ort in Taichung.
David Hsiao, Chef von Sauter-Asia, hat das Geschäft aufgebaut. Sein Sohn Allen (rechts) und Louis Liang unterstützen ihn heute beim Aufbau der eigenen Produktion vor Ort in Taichung. (Jablonski)

Die erste Assoziation mit „Made in Taiwan“ ist heute noch vor allem: billig. Dass diese Wahrnehmung so nicht mehr stimmt, zeigen mehrere Studien, die Taiwan in Asien und im weltweiten Vergleich beim Innovationspotenzial auf den vorderen Plätzen sehen. Auch erfolgreiche Kooperationen stellen die Zeichen in Richtung Qualität.

Wer als Europäer in der Vergangenheit Teile seiner Maschinen und Anlagen in Taiwan fertigen ließ, hütete diese Tatsache wie ein Staatsgeheimnis. Doch hier verändert sich sich derzeit etwas. Nicht erst seitdem der wirtschaftliche Druck im Kessel steigt, entsteht ein Bewusstsein taiwanesischer Firmen, mehr in Qualität zu investieren und offensiv in den Markt zu gehen. MM MaschinenMarkt wollte vor Ort von der Niederlassung eines deutschen Unternehmens wissen, wie sich der hohe technische Anspruch des Mutterwerkes Sauter Feinmechanik mit dem Billigimage in Übereinstimmung bringen lässt. Ein Besuch bei David Hsiao, der Sauter Asia vom Vertriebsstützpunkt zum produzierenden Standort aufgebaut hat.

David, Sie waren zu Beginn ein erfolgreicher Vertrieb von deutschen Produkten in Asien. Warum tun Sie sich das an, jetzt auch in die Produktion einzusteigen?

Nachdem ich zu Beginn meiner Karriere als Service-Ingenieur in Europa und den USA gearbeitet hatte, wollte ich mich Ende der 1980er-Jahre hier in Taiwan auf meine Familie konzentrieren. Ich gründete das Unternehmen GP. GP steht für Good People, Good Products oder German Products – ganz wie Sie wollen (lacht). In dieser Phase übernahm ich Vertrieb und Service von Sauter. Es häuften sich jedoch die Probleme – vor allem bei Preis und Lieferzeiten. Wir hatten Gesprächsbedarf und mussten etwas ändern.

Was kam bei den Besprechungen heraus?

Beim Sauter-Management in Deutschland bestand schon einige Zeit die Überlegung, in Asien ein festes Standbein aufzubauen. Zunächst hatte man allerdings China als Standort im Blick ...

... den Sie aber auf Taiwan richten konnten?

Am Ende war es eine Frage des Vertrauens, auch in meine Person. Als klar war, dass wir etwas ändern mussten, um die Marktanteile von Sauter in Asien zu erhöhen, gründeten wir ein Joint Venture. Zu Beginn stand die Idee, Teile in Taiwan zu produzieren und die beiden größten Themen – Lieferzeit und Kosten – gleichzeitig anzugehen. Im Jahr 2006 gründeten wir die Niederlassung Sauter Asia und verkauften zu Beginn etwa 500 Werkzeugrevolver.

Welche Hürden mussten Sie nehmen? Wie sah die Zusammenarbeit aus?

Sauter Deutschland gab uns von Beginn an volle Unterstützung. Sie schickten Experten für alle Bereiche: Vertrieb, Zulieferer, Versorgungskette. Ein ganz wichtiger Aspekt war beispielsweise, hier in Taiwan zu unseren Zulieferern zu gehen und diese fit zu machen, die Teile in der richtigen Qualität herzustellen. Das ging in vielen Schritten: Wir stellten zuerst kleine Teile her, später dann Wellen, Gehäuse- und Getriebeteile, die alle zur Qualitätskontrolle nach Deutschland geschickt wurden. Dieser Lernprozess dauerte mehr als sechs Monate. Erst dann startete die Montage der Werkzeugrevolver hier in Taiwan.

Wie viele Zulieferer müssen Sie koordinieren?

Wir haben etwa fünf Hauptzulieferer. Das ist einer der großen Vorteile des Marktes in Taiwan. Wir haben hier eine sehr hohe Dichte an Firmen in und um Taichung. Sie finden hier im Umkreis von 20 Kilometern, alles was Sie brauchen: Jemand kann drehen, jemand kann fräsen, jemand kann schleifen. In Taiwan ist es sehr, sehr einfach, eine Maschine zu bauen, von der Gießerei bis hin zur elektrischen Ausrüstung ist alles da.

Hört sich problemlos an. Aber wie sichern Sie die Qualität? Sie können nicht die Denkweise aller Ihrer Zulieferer ändern.

Das ist in der Tat die Herausforderung. Drei Menschen können hier eine Maschine bauen, damit ist der Preis sehr niedrig, aber auch die Qualität. Das macht den Markt kaputt. Es gibt aber eben auch diejenigen, die qualitativ hochwertige Teile herstellen können. Diese müssen Sie finden. Das stellt sich meist schon im ersten Gespräch heraus, ob eine Offenheit vorhanden ist, das geforderte Qualitätsniveau erreichen zu wollen. Doch auch in der Produktion der Teile wollen wir den nächsten Schritt gehen. Das ist der Grund, warum wir derzeit eine eigene Produktion aufbauen.

Was waren in der Rückschau die größten Hürden?

Das Wichtigste ist, dass die Menschen hier die Denkweise von Sauter Deutschland übernehmen. Unsere Leute wundern sich oft, warum bestimmte Schritte genau so und nicht anders gemacht werden müssen. Es brauchte zwei bis drei Jahre, dies anzupassen. Dann erst konnten wir mit der eigentlichen Wertschöpfung anfangen, Qualität zu produzieren. MM

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