16.09.11 | Autor / Redakteur: Ken Fouhy / Ken Fouhy

Die Friedhelm-Loh-Gruppe bietet eine der imposantesten Erfolgsgeschichten der deutschen Industrie. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Unternehmens sprachen wir mit Friedhelm Loh über die Zukunft der Gruppe.
Die Friedhelm-Loh-Gruppe hat etwa 11.000 Mitarbeiter und macht über 2 Mrd. Euro Umsatz, davon 25% in Übersee. Was ist Ihr Ziel für 2015?
Loh: Unser Ziel ist es, 3 Mrd. Euro Umsatz mit etwa 15.000 Mitarbeitern zu erreichen. Heute haben wir bereits mehr Mitarbeiter im Ausland als in Deutschland und diese Tendenz wird steigen. Wir haben aber auch die Chance, in Deutschland weiter zu wachsen. Bei der Umsatzentwicklung, gehe ich aber davon aus, dass wir in den Überseeländern wesentlich stärker wachsen werden. Bis 2015 wird der Übersee-Umsatzanteil auf etwa 35% wachsen.
Brauchen Sie neue Geschäftsfelder, um diese Ziele zu erreichen?
Loh: Nein. Wir können die Ziele in unseren heutigen Märkten erreichen. Seit 2009 bündeln wir unsere Kompetenzen zum System und haben deswegen das Motto „Rittal – das System“. Dabei werden wir die einzelnen Produktbereiche wie Schaltschrank, Klimatisierung, Stromverteilung, IT-Infrastruktur permanent weiter entwickeln. Das wird eine ganze Reihe neuer Produkte hervorbringen und ist eine große Chance für Rittal. Natürlich diskutieren wir aber auch sehr intensiv neue strategische Geschäftseinheiten.
Gibt es verpasste Chancen, die Ihnen als Unternehmer wehtun?
Loh: Mir fällt ad hoc nicht ein, wo ich im Nachhinein sagen würde, wir haben einen Riesenfehler gemacht. Wir haben immer wieder mit viel Neugier unser vorhandenes Wissen erweitert, Dinge ausprobiert und dazugelernt. Gleichzeitig haben wir Mut bewiesen, Neues anzupacken. Zu diesem Mut gehört auch, aufzuhören, wenn etwas nicht zum Erfolg führt.
Viele Menschen können mit Begeisterung Neues anfangen. Zu erkennen, der Weg war falsch, und zu bekennen, wir hören damit auf, zählt zu den wichtigsten Fähigkeiten. Natürlich trauert man der einen oder anderen Umsetzung nach, wo wir mit Produkten zu früh waren. Ein Beispiel: Wir haben innerhalb der Gruppe ein Patent umgesetzt, bei dem man Metalloberflächen mit Aluminium beschichten konnte. Diese Lösung war aber zu der Zeit, als wir sie auf den Markt gebracht haben, zu teuer. Heute stellen wir fest: Wir waren damit fünf bis acht Jahre zu früh dran.
Woher beziehen Sie für sich persönliche Zufriedenheit?
Loh: Ich bin mit Leib und Seele Unternehmer und ich teile die Zufriedenheit, wenn mein Unternehmen sich gut entwickelt. Wir sind ein Familienunternehmen, damit lebt das Unternehmen in der Familie und die Familie auch im Unternehmen. Das Zweite ist mein Engagement in christlich-sozialen Institutionen, wo ich das, was ich glaube, auch auslebe. Und das Dritte sind meine ehrenamtlichen Aufgaben, die mir sehr am Herzen liegen und die ich auch als Auftrag sehe, als Beitrag für unsere gesellschaftliche Entwicklung.
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