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Industrie 4.0

Die „heimlichen“ Smart Factorys gibt es schon

| Autor: Stefanie Michel

Ein Code, ausgelesen über Scanner, verrät den Maschinen in der automatisierten Produktion, wie das Produkt zusammengesetzt wird – bis zur Verpackung und in Losgröße 1. Dazu wird die individuelle Bedienungsanleitung geliefert.
Ein Code, ausgelesen über Scanner, verrät den Maschinen in der automatisierten Produktion, wie das Produkt zusammengesetzt wird – bis zur Verpackung und in Losgröße 1. Dazu wird die individuelle Bedienungsanleitung geliefert. (Bild: Danfoss)

Die Umsetzung von Industrie 4.0 kommt nicht voran – dieser Kritik müssen sich vor allem die Verbände und die Plattform Industrie 4.0 stellen. Doch eigentlich sind viele der produzierenden Unternehmen weiter, als es scheint. Ganz selbstverständlich und ganz im Stillen sind bereits autonome Produktionslinien oder weitestgehend automatisierte Werke entstanden.

Was wurde nicht schon alles über Industrie 4.0 geredet und geschrieben – theoretisch, akademisch und politisch. Nachdem der Begriff 2011 auf der Hannover-Messe geprägt wurde, entwickelten sich bald zahlreiche Forschungsprojekte, das Technologienetzwerk „it's OWL“ wurde als Spitzencluster ausgezeichnet, Modellfabriken entstanden und die von den Branchenverbänden Bitkom, VDMA und ZVEI eingerichtete Plattform Industrie 4.0 nahm ihre Arbeit auf. Jetzt sind bald 5 Jahre vergangen und Ernüchterung hat sich inzwischen breit gemacht: Die Plattform Industrie 4.0 musste sich der Kritik stellen, keine konkreten Ergebnisse geliefert zu haben, die großen deutschen Industrieunternehmen haben nicht mit Umsetzungseifer geglänzt und währenddessen treibt das US-amerikanische Industrial Internet Consortium (IIC) die deutschen Verbände vor sich her.

Gerade dem deutschen Mittelstand macht man den Vorwurf, Industrie 4.0 zu verschlafen und die Investitionen in die Zukunft zu scheuen. Doch auch bei Großunternehmen aus der Industrie kommt der Wandel nur langsam voran – wenn man von der Automobilindustrie absieht. Doch wer glaubt, es verändere sich nichts, der blickt nur oberflächlich auf eine Industrie im digitalen Wandel. Natürlich entwickelt sich nicht jede Branche, nicht jede Region und nicht jedes Unternehmen in der gleichen Geschwindigkeit. Manche sind getrieben von der Konkurrenz, andere gehemmt angesichts der hohen Investitionen. Doch es gibt bereits Beispiele, die zum Teil wie selbstverständlich eine weitgehend automatisierte Fertigung realisiert haben, in der Bauteile eine „DNA“ besitzen und mit den Maschinen kommunizieren.

Fertigung ist schon heute zu 75 % automatisiert

Häufig dient das Elektronikwerk Amberg von Siemens auch für das Unternehmen selbst als Aushängeschild; es demonstriert, wie die Produktion vieler Firmen in zehn Jahren aussehen könnte. Die Fertigung – man stellt hier speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) her – ist schon heute weitgehend automatisiert. Bereits 75 % der Arbeit übernehmen Maschinen und Computer eigenständig, der Rest wird von Menschen übernommen. Zu Beginn des Herstellungsprozesses legt ein Mitarbeiter das Ausgangsbauteil, eine unbestückte Leiterplatte, in die Produktionsstraße. Danach läuft alles maschinengesteuert, denn die Steuerungen selbst regeln die Herstellung. Das sieht folgendermaßen aus: Ein Drucker trägt auf die leere Leiterplatte Lötpaste auf und Bestückungsköpfe setzen die Widerstände oder Mikrochips auf. Danach überprüft eine Kamera die Position der aufgelöteten Bauteile, eine Röntgenanlage überwacht die Qualität der verlöteten Verbindungsstellen. Ist die Leiterplatte in Ordnung, wird sie in ein Gehäuse montiert und ins Lieferzentrum nach Nürnberg verschickt.

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