03.06.2009 | Autor / Redakteur: Jürgen Schreier und Claudia Otto / Jürgen Schreier

Die Robotik und Automatisierungstechnik gehörten in den vergangenen Jahren zu den Wachstumstreibern des deutschen Maschinenbaus. Über die wirtschaftliche Lage der Branche und die Aussichten für das Jahr 2009 gibt Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Robotik + Automation, Auskunft.
Brodtmann: Das kann man sehr schnell sagen. Das Jahr 2008 war das Rekordjahr der Branche. Wir haben in den letzten drei Jahren um 35% im Umsatz zugelegt und speziell im Jahr 2008 noch mal um 13% auf dann über 9,3 Mrd. Euro. Das markiert wirklich einen Meilenstein für unsere Branche:
Brodtmann: Von dem Rekordjahr 2008 war der freie Fall zum Jahr 2009 sehr extrem. Wir haben zur Jahreswendemaßgeblich weniger Auftragseingänge verbuchen können - im Wesentlichen aus der Automobilindustrie, weil dort die Krise besonders heftig eingeschlagen ist. Das heißt dann im Umkehrschluss, dass bei 50% Abhängigkeit von der Automobilindustrie auch für uns die Perspektiven schlechter aussehen. Folglich müssen wir davon ausgehen, dass wie in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von 20% konfrontiert werden, was uns auf das Level des Jahres 2006 zurückwirft.
Brodtmann: Angesichts der gerade erwähnten Abhängigkeit auch von der Automobilindustrie, wird sehr viel davon abhängen ob die diese im Laufe des Jahres, damit beginnt, verschobene Projekte nachzuholen. Insofern gibt es eine gewisse Unsicherheit, wie sich das Geschäft in der Robotik in nächster Zeit entwickeln wird. Wir gehen allerdings für die Robotik insgesamt - also für die Maschinenhersteller wie für die Systemintegratoren - davon aus, dass durchschnittlich es 2009 zu einem Rückgang beim Umsatz von 20% kommen wird.
Brodtmann: Das ist, wo sich die Automobilindustrie derzeit so schwer tut, logischerweise die General Industry, also alles, was nicht zur Automobilindustrie gehört. Wir sehen in der Photovoltaik, im Bereich der Medizintechnik, bei Kosmetik und Pharma nach wie vor deutliche Wachstumschancen. Allerdings liegt der Anteil der General Industry hier zwischen 40 und 50% und kann somit das Ruder nicht ganz herrumreißen.
Brodtmann: Das kommt auf den Anwendungsfall an. Aber generell kann man schon sagen, dass die Service-Robotik vor einem gewissen Durchbruch steht. Wir haben dort sehr hohe Wachstumszahlen, wobei uns natürlich als VDMA eher die professionelle Service-Robotik interessiert, weniger die im Spielzeugbereich befindlichen Applikationen. In der professionellen Service-Robotik gehen die Zahlen deutlich nach oben. Auch auf der Automatica 2010 werden im Bereich Service-Robotik mit einer Sonderschau zeigen, was da heute machbar ist - und das stimmt hoffnungsvoll, auch hinsichtlich der Umsätze, die in diesem Bereich noch zu generieren sein werden.
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