Robotik und Automation

Nach Rekordjahr 2008 in die Rezession

03.06.2009 | Autor / Redakteur: Jürgen Schreier und Claudia Otto / Jürgen Schreier

Thilo Brodtmann, VDMA: „Auf der Automatica 2010 werden im Bereich Service-Robotik mit einer Sonderschau zeigen, was da heute machbar ist – und das stimmt hoffnungsvoll, auch hinsichtlich der Umsätze, die in diesem Bereich noch zu generieren sein werden.“ Bild: Schreier

Die Robotik und Automatisierungstechnik gehörten in den vergangenen Jahren zu den Wachstumstreibern des deutschen Maschinenbaus. Über die wirtschaftliche Lage der Branche und die Aussichten für das Jahr 2009 gibt Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Robotik + Automation, Auskunft.

Herr Brodtmann, der Bereich Robotik und Automation hat sehr gute Jahre mit zweistelligem Wachstumsraten hinter sich. Wie ist rückblickend das Jahr 2008 verlaufen?

Brodtmann: Das kann man sehr schnell sagen. Das Jahr 2008 war das Rekordjahr der Branche. Wir haben in den letzten drei Jahren um 35% im Umsatz zugelegt und speziell im Jahr 2008 noch mal um 13% auf dann über 9,3 Mrd. Euro. Das markiert wirklich einen Meilenstein für unsere Branche:

Welche Auswirkungen hat die Automobilkrise auf die Montage-, Handhabungs- und Robotertechnik?

Brodtmann: Von dem Rekordjahr 2008 war der freie Fall zum Jahr 2009 sehr extrem. Wir haben zur Jahreswendemaßgeblich weniger Auftragseingänge verbuchen können - im Wesentlichen aus der Automobilindustrie, weil dort die Krise besonders heftig eingeschlagen ist. Das heißt dann im Umkehrschluss, dass bei 50% Abhängigkeit von der Automobilindustrie auch für uns die Perspektiven schlechter aussehen. Folglich müssen wir davon ausgehen, dass wie in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von 20% konfrontiert werden, was uns auf das Level des Jahres 2006 zurückwirft.

Gerald Mies, Deutschlandchef von Fanuc Robotics, rechnet für 2009 mit einem deutlichen Rückgang bei den Roboterauslieferungen. Minus 10% sollen es im eigenen Hause sein. Ist diese Zahl übertragbar auf die gesamte Branche oder welche Prognose hat der VDMA für das laufende Jahr?

Brodtmann: Angesichts der gerade erwähnten Abhängigkeit auch von der Automobilindustrie, wird sehr viel davon abhängen ob die diese im Laufe des Jahres, damit beginnt, verschobene Projekte nachzuholen. Insofern gibt es eine gewisse Unsicherheit, wie sich das Geschäft in der Robotik in nächster Zeit entwickeln wird. Wir gehen allerdings für die Robotik insgesamt - also für die Maschinenhersteller wie für die Systemintegratoren - davon aus, dass durchschnittlich es 2009 zu einem Rückgang beim Umsatz von 20% kommen wird.

Wo sehen Sie branchenbezogen aktuelle Wachstumsmärkte für die Robotik und Automation?

Brodtmann: Das ist, wo sich die Automobilindustrie derzeit so schwer tut, logischerweise die General Industry, also alles, was nicht zur Automobilindustrie gehört. Wir sehen in der Photovoltaik, im Bereich der Medizintechnik, bei Kosmetik und Pharma nach wie vor deutliche Wachstumschancen. Allerdings liegt der Anteil der General Industry hier zwischen 40 und 50% und kann somit das Ruder nicht ganz herrumreißen.

Viel ist die Rede von Mobilrobotern, autonomen Robotern oder Service-Robotern. Der Internationale Robotik-Verband IFR sagt ihnen enorme Zuwachsraten voraus. Kritiker halten dies jedoch eher für einen Wunschtraum. Was ist nun richtig?

Brodtmann: Das kommt auf den Anwendungsfall an. Aber generell kann man schon sagen, dass die Service-Robotik vor einem gewissen Durchbruch steht. Wir haben dort sehr hohe Wachstumszahlen, wobei uns natürlich als VDMA eher die professionelle Service-Robotik interessiert, weniger die im Spielzeugbereich befindlichen Applikationen. In der professionellen Service-Robotik gehen die Zahlen deutlich nach oben. Auch auf der Automatica 2010 werden im Bereich Service-Robotik mit einer Sonderschau zeigen, was da heute machbar ist - und das stimmt hoffnungsvoll, auch hinsichtlich der Umsätze, die in diesem Bereich noch zu generieren sein werden.

Herr Brodtmann, vielen Dank für das Gespräch.

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