06.07.2009 | Redakteur: Jürgen Schreier

Zwei von drei Unternehmen in Deutschland nutzen einzelne Automatisierungstechniken bislang nicht. Das ist das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des VDI, die auf dem Kongress „Automation 2009“ präsentiert wurde.
„Hier liegen beträchtliche unerschlossene Nutzerpotenziale“, betonte Prof. Gerald Gerlach, Vorsitzender der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA). „Viele Unternehmen verkennen das wirtschaftliche Potenzial von Automatisierungstechniken. Beispielsweise lassen sich Faktoren wie Arbeitsproduktivität und Termintreue deutlich erhöhen.“ So sei beispielsweise die Arbeitsproduktivität pro Mitarbeiter beim Einsatz von rechnergeführten Lager- und Materialfluss-Systemen mit 95000 Euro um fast 20% höher als ohne (79000 Euro). Allerdings nutzen nur 49% der Unternehmen diese Systeme, so die Studie.
Auch andere Automatisierungstechnologien kommen laut ISI/VDI-Studie industriell noch nicht umfassend zum Einsatz. „Industrieroboter oder eine prozessintegrierte Qualitätskontrolle finden nach unserer Analyse nur in jedem dritten Unternehmen Anwendung“, weiß Dr. Steffen Kinkel vom Fraunhofer ISI. „Dabei lassen sich gerade hier positive Zusammenhänge zu wirtschaftlichen Zielgrößen wie Termintreue, Ausschussquote und Arbeitsproduktivität nachweisen.“
Beispielsweise liefern Unternehmen, die Industrieroboter einsetzen, ihre Ware tendenziell termingerechter als Unternehmen, die keine Industrieroboter nutzen. Mit einer prozessintegrierten Qualitätskontrolle gehe eine um 30% geringere Ausschussquote einher, so Kinkel. Untersucht wurden in der Studie 1600 Betriebe des verarbeitenden Gewerbes.
Wie stark die Automatisierungsbranche ist, zeigte Gerlach noch anhand eines Thesenpapiers „Automation 2020“. „2008 erwirtschaftete die Branche 35 Mrd. Euro Umsatz in Deutschland. Sie stellt jeden vierten Arbeitsplatz der Elektrotechnik.“ Den wenigsten sei aber bewusst, dass ohne Automation heutzutage wenig funktioniere. Gerlach: „Ob im Fahrstuhl, in Fahrkartenautomaten oder in Heizungsanlagen: In allen Produkten steckt Automatisierungstechnik. Doch als „hidden technology“ bleibt sie der Öffentlichkeit häufig verborgen.“
Das muss sich ändern, ist Gerlach überzeugt: „Automation muss als Leitdisziplin der deutschen Industrie verstanden werden, denn die Branche wird künftig als Arbeitsplatzgeber weiter eine wichtige Rolle spielen.“ Sowohl im Maschinenbau als auch in der Fahrzeugtechnik sieht der VDI in nächsten Jahren die größten Anwendungsbereiche und damit Wachstumschancen am Standort Deutschland.
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