23.09.2009 | Redakteur: Stéphane Itasse

Bis zum Jahr 2020 besteht für die Mitgliedstaaten der EU ein Neubaubedarf von 475000 Megawatt (MW) Kraftwerksleistung, dies entspricht fast zwei Drittel der heutigen Erzeugungsleistung von 750000 MW. Das hat jetzt der VGB Powertech mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA Power Systems) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ermittelt, wie der VGB am Mittwoch mitteilt.
Gegenüber den Annahmen aus dem vergangenen Jahr ist damit der Neubaubedarf noch einmal um 75000 MW gestiegen, heißt es weiter. Wesentlicher Grund hierfür: Erstmals sei der altersbedingte Ersatzbedarf bei den erneuerbaren Energie betrachtet worden, der vor allem im Bereich Wind bis 2020 bei etwa 40000 MW liege.
Dieser Effekt trete ein, obwohl die Zuwachsraten beim Stromverbrauch bis 2020 deutlich niedriger eingeschätzt worden seien als noch im vergangenen Jahr. Unmittelbar vor der Wirtschaftskrise war ein Strombedarf für 2020 von 4000 TWh (heute: 3350 TWh) prognostiziert worden. Das aktuelle „Szenario für die europäische Stromerzeugung“ gehe von 3700 TWh aus.
„Unserem Szenario liegen sehr optimistische Annahmen zugrunde. Diese Vorgehensweise belegt, dass unser Verband einen ehrgeizigen Beitrag zur Erneuerung des Kraftwerksparks und damit zur Erreichung der Klimaziele leisten will“, sagt der Vorsitzende von VGB Powertech, Prof. Dr. Gerd Jäger. Wenn aber nur wenige dieser positiven Entwicklungen nicht eintreten würden, gerate das CO2-Minderungsziel der EU von minus 21% bis 2020 in Gefahr. Zu den optimistischen Einschätzungen gehörten das Erreichen der Ausbauziele der erneuerbaren Energien, der Bau neuer Kernkraftwerksblöcke und ein weniger stark steigender Strombedarf ebenso wie ein Erneuerungsprogramm mit hohen Investitionen in moderne Kohle- und Gaskraftwerke.
Gegenwart und Zukunft zeigten, dass es keinen Gegensatz von erneuerbaren, Kernenergie und fossil befeuerten Kraftwerken gebe. „Alle Erzeugungsarten ergänzen sich sinnvoll und nur gemeinsam sind die ambitionierten Vorgaben machbar“, so der VGB-Vorsitzende.
In dem Szenario würden die Zubaukapazitäten für die einzelnen Energieträger aufgezeigt, die notwendig sind, um die Klimaziele der EU bis 2020 zu erreichen. So sei bei den erneuerbaren Energien eine zusätzliche Kapazität von 295000 MW notwendig. Auch der in mehreren europäischen Ländern angelaufene Neubau von Kernkraftwerken mit insgesamt zehn Blöcken müsse umgesetzt werden, ohne dass in Europa Kernkraftwerke vorzeitig stillgelegt werden.
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