BDEW

Mit dem Atomausstieg fangen die Herausforderungen erst an

20.04.11 | Redakteur: Stéphane Itasse

Laut BDEW müssen für das Energiekonzept der Bundesregierung rund 200.000 km Stromleitungen ausgebaut werden. (Bild: MM-Archiv)
Laut BDEW müssen für das Energiekonzept der Bundesregierung rund 200.000 km Stromleitungen ausgebaut werden. (Bild: MM-Archiv)

„Das Energiekonzept der Bundesregierung soll weiterentwickelt werden – das ist auch eine Chance“, sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW), bei der Pressekonferenz des Verbandes. Der BDEW weise seit Monaten auf die Lücken im Energiekonzept hin.

Das Atommoratorium mit der Abschaltung von sieben Atomkraftwerken solle die Bundesregierung nutzen, um einen Konsens zwischen den Parteien, Bund und Ländern, gesellschaftlichen Gruppen und mit der Energiewirtschaft herzustellen, forderte Müller.

Gas- und Kohlekraftwerke als Back-up erhalten

„Die Lösungen, die dort besprochen werden müssen, gehen weit über die Fragen der Kernenergie hinaus“, sagte die BDEW-Hauptgeschäftsführerin weiter, auch der Fokus auf erneuerbare Energien und Stromverteilernetze sei zu eng. „Als Ersatz und Back-up sowohl für Kernkraftwerke als auch die erneuerbaren Energien müssen ausreichende Gas- und Kohlekraftwerkskapazitäten zur Verfügung stehen“, forderte Müller.

Deutschland brauche eine Steigerung der Effizienz auf dem Wärmemarkt und entsprechende politische Rahmenbedingungen – allerdings vermisst Müller derzeit den Rückhalt der Politik. „Unsere Branche muss in Investitionszyklen von 30 bis 50 Jahren denken. Das sollte die Politik wieder mehr berücksichtigen.“

Energiewirtschaft will weiter in Deutschland investieren

Dabei hat die Energiewirtschaft in Deutschland Großes vor: Nach Aussage von Müller sind 51 Erzeugungsanlagen bis zum Jahr 2019 geplant, wobei der BDEW nur Projekte mit einer Leistung von mehr als 20 MW berücksichtigt hat. 14 dieser Vorhaben seien Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien. Das Investitionsvolumen schätzt der BDEW auf rund 50 Mrd. Euro.

Damit der Strom aus erneuerbaren Energien auch beim Verbraucher ankommt, muss zudem viel in die Netze investiert werden. Die BDEW-Verteilnetzstudie 2020 kommt auf Grundlage des Energiekonzepts der Bundesregierung zu einem Ausbaubedarf im Verteilnetz von 195.000 km und zu einem Investitionsvolumen von 10 bis 13 Mrd. Euro bis 2020 – allein bedingt durch den Ausbau von Windenergie und Photovoltaik. Der Bedarf liegt noch höher, wenn man die Ziele des Leitszenarios des Bundesumweltministeriums zugrunde lege: Müller kommt auf 380.000 km neue Stromnetze.

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