Google+ Facebook Twitter XING LinkedIn GoogleCurrents YouTube
Konjunkturbild M+E

Lage gut, Erwartung mäßig, Unsicherheit groß

| Autor: Robert Horn

Ingrid Hunger, Vorstandsvorsitzende der bayme vbm Region Main und Spessart: „Wir erleben derzeit eine Scheinkonjunktur, die vom Konsum getrieben ist.“
Bildergalerie: 1 Bild
Ingrid Hunger, Vorstandsvorsitzende der bayme vbm Region Main und Spessart: „Wir erleben derzeit eine Scheinkonjunktur, die vom Konsum getrieben ist.“ (Bild: Horn)

Firmen zum Thema

Die Stimmung in bayerischen Betrieben der Metall- und Elektro-Industrie ist gespalten. Denn auch wenn die Mitgliederbefragung der bayerischen M+E-Arbeitgeberverbände Bayme vbm ein durchaus positives Bild des letzten halben Jahres zeichnete, erwarten viele Unternehmen für die erste Jahreshälfte 2016 dennoch kaum positive Veränderung.

88 % der Befragten sagten in diesem Zusammenhang aus, dass sie für 2016 keine Veränderung der inländischen Geschäftslage erwarten. Im letzten halben Jahr schätzten noch 53 % der Befragten die Geschäftslage im Inland als positiv, nur 4 % hielten sie für negativ.

Durchwachsen bleibt das Bild bei den Exporterwartungen. Zwar hoffen 18 % auf eine Belebung des Auslandsgeschäfts, dagegen fürchten 15 % allerdings eine Eintrübung. Der stärkste Wachstumsmarkt der bayerischen M+E-Betriebe bleiben die USA, wo sich fast zwei Drittel der Befragten bessere Geschäfte im neuen Jahr erhoffen. Beim Thema China wächst dagegen die Unsicherheit, ebenso bei der Lage in Lateinamerika. Auch der russische Markt wird durch die weiterhin bestehenden Sanktionen immer schwieriger.

Es wird zu wenig investiert

Ingrid Hunger, Vorstandsvorsitzende der bayme-vbm-Region Main und Spessart, betont, dass sich dadurch ein wenig dynamisches Konjunkturbild in Bayern zeigt. Das liege nicht nur an den immer größer werdenden Unsicherheiten durch kriselnde Schwellenländer oder internationale Krisen, sondern auch an der anhaltenden Investitionsschwäche in Deutschland. So lagen die Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland zuletzt um 7 % unter Vorkrisenniveau – ein Trend, der sich weltweit abzeichnet, nicht nur in Industrieländern. Auch in Schwellenländern seien Investitionen in einer Seitwärtsbewegung, so Hunger.

Für die exportorientierte M+E-Industrie sei dies kein gutes Zeichen. Auch, wenn sich die Exporte derzeit noch vergleichsweise gut entwickeln würden: Denn die Probleme vieler Schwellenländer hätten bereits schon zu einem deutlichen Rückgang der Exporte geführt, aufgefangen nur durch Exportsteigerungen in die USA und einige mittel- und osteuropäische Staaten. Für 2016, so Hunger, würde sich an dieser Konstellation erst einmal wenig ändern, zumal nun auch noch der chinesische Markt ordentlich schwächelt. Auch die brüchige Stabilität in Europa bereite den Unternehmen weiter Sorge. Die Scheinkonjunktur, die Deutschland derzeit erlebe, sei einzig konsumgetrieben, so Hunger.

Verbände fordern Flexibilität

Sie plädierte im Zuge dessen vor allem für Flexibilität, etwa bei tariflichen und gesetzlichen Regelungen. Eine Entgeltflexibilität etwa sei wichtig, so Hunger, um Kostenbelastungen in den Betrieben je nach Geschäftslage abzufedern. Denn die Entgelte lägen heute fast 24 % über dem Niveau von 2007, die Produktivität aber sei im gleichen Zeitraum nur um 1,4 % gestiegen.

Auch Arbeitszeiten müssten flexibel an die Auftragslage angepasst werden. Hunger: „Da muss man dann auch über die Streichung oder Reduzierung von Zuschlägen reden.“

Besonders aber wehren sich die bayerischen M+E-Arbeitgeberverbände gegen jeglichen gesetzlichen Eingriff in Werk- und Dienstverträge und richten sich damit direkt gegen den Gesetzentwurf zu Zeitarbeit und Werkverträgen, der weniger Flexibilität, aber mehr Regulierung hervorrufen würde. „Die Frage der Fertigungstiefe, also die Frage, welche Tätigkeitsbereiche ein Unternehmen selbst ausführt und welche fremdvergeben werden, fällt einzig und allein unter die unternehmerische Entscheidungsfreiheit“, betont Hunger.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43810965 / Management & IT)