In besten Händen

28.09.2006 | Redakteur:

Kosten senken lautet das Gebot der Stunde. Tätigkeiten, die nicht zu den Kernkompetenzen gehören, werden zunehmend ausgelagert. Auch für das Montieren und Aufstellen von Neumaschinen gibt es externe...

Kosten senken lautet das Gebot der Stunde. Tätigkeiten, die nicht zu den Kernkompetenzen gehören, werden zunehmend ausgelagert. Auch für das Montieren und Aufstellen von Neumaschinen gibt es externe Spezialisten, die das billiger und flexibler erledigen als das hauseigene Montageteam.Heute Paris, morgen New York, dann Tokio und schließlich Sydney. So oder zumindest so ähnlich kennt man aus der Taft-Fernsehreklame das bewegte Leben moderner Top-Managerinnen. Den Montagespezialisten des Nürnberger Industriedienstleisters Nürmont GmbH geht es kaum anders - zumindest gilt dies für das Team, das für den westfälischen Maschinenbauer Windmöller & Hölscher arbeitet. Seit etwas mehr als einem Jahr lässt das weltweit aktive Unternehmen seine Tief- und Flexodruckmaschinen mit Sitz in Lengerich beim Kunden durch externes Fachpersonal von Nürmont montieren. Rund 40 Projekte wurden mittlerweile abgewickelt, wobei die Nürmont-Mannschaft ganz schön herumgekommen ist: von Frankreich bis in die USA und nach Mexiko, von Belgien bis in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Venezuela. Früher hatte Windmöller & Hölscher selbst montiert und das hierfür erforderliche Personal in der Regel vor Ort rekrutiert. Weil aber die wenigsten Monteure etwas von Druckmaschinen verstanden - die trotz schierer Größe wahre Sensibelchen sind - kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten mit dem Kunden, die dann von hauseigenen Technikern aus der Welt geschafft werden mussten. Bei Montagen rund um den Globus kostet das natürlich Zeit und Geld. Mit der Fremdvergabe der Maschinenmontage schlägt das Lengericher Unternehmen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Von kürzeren Montagezeiten und einem deutlichen Plus an Kundenzufriedenheit berichtet Uwe Meyer, der bei Windmöller & Hölscher für mehrere solcher Outsourcing-Projekte verantwortlich zeichnete. So konnte beispielsweise die Montagezeit bei den Flexodruckmaschinentypen Olympia Primaflex und Novoflex die Montagedauer um eine volle Woche verkürzt werden. Vom Entladen bis zur Inbetriebnahme gehen heute nur noch zwei Wochen ins Land, erläutert Thomas Gries, Meyers Partner auf Nürmont-Seite. Mit vor Ort gechartertem Personal - in der Regel waren dies Zeitarbeitskräfte - dauerte es in der Regel drei Wochen, bis der Kunde den sprichwörtlichen roten Knopf betätigen konnte. Eigenleistungsquote dürfte weiter abschmelzenIn wirtschaftlich nicht übermäßig rosigen Zeiten wie diesen lautet die oberste Maxime vieler Unternehmen: Runter mit den Kosten! So sind die Kernkompetenzen schon seit längerem im Fokus der Entscheider. „Hand in Hand ging damit das Outsourcing jener Bereiche, die nicht zum zentralen Know-how im Entstehungsprozess einer Maschine oder Anlage gehören“, meint Manfred Kreuzer, geschäftsführender Gesellschafter von Nürmont.„Beschaffung, Fertigung, selbst Konstruktions- und Entwicklungsleistungen werden heute von Dienstleistern erbracht.“ Besonders populär war und ist seit jeher das Outsourcen im IT-Bereich, wobei nach einer Studie des Beratungsunternehmens Accenture vor allem Application Management, Software Hosting und Application Service Providing zu den Auslagerungs-Hits zählen. Fast 40% der deutschen Maschinenbauer, das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe, haben sich mittlerweile von der hauseigenen EDV-Abteilung verabschiedet. Schließlich zähle die Datenverarbeitung in den wenigsten Fertigungsbetrieben zu den Kernkompetenzen, meint ISI-Forscher Steffen Kinkel. „Die Aktivitäten der einschlägigen Anbieter von Outsourcing-Leistungen sind hier am weitesten fortgeschritten“, ergänzt sein Kollege Gunther Lay.Doch auch in anderen Unternehmensbereichen ist das Outsourcingfieber voll entbrannt, wie die Accenture-Studie beweist. 55% der befragten Unternehmen haben bereits funktionale Bereiche ausgegliedert. Das gilt insbesondere für die Bereiche Transport und Logistik, für Mitarbeiterschulung und -training, den Einkauf und sogar das Personalwesen. Der Maschinenbau macht da keine Ausnahme. Schließlich wird die Wettbewerbsposition eines Maschinenbauunternehmens von der Entwicklung neuer Maschinen und Komponenten sowie die individuelle Planung von Produktionsanlagen im Kundenauftrag bestimmt. Aber selbst davor macht der Trend zum Outsourcing nicht halt. Nach der ISI-Untersuchung haben 41% der 1630 befragten Maschinenbauunternehmen ihre Fertigungstiefe zurückgefahren und entsprechende Leistungen nach außen vergeben, wobei Kosten- und Flexibilitätsgesichtspunkte im Vordergrund stehen. Denn nach wie vor ist die Eigenleistungsquote mit 75% im verarbeitenden Gewerbe - bezogen auf den Fertigungsbereich - überraschend hoch. Jedoch gehen die Karlsruher Wissenschaftler von einem weiteren Abschmelzen in den kommenden aus, auch wenn Eigenleistungsquoten wie in der Automobilindustrie (30%)wohl kaum erreicht werden dürften. Hauseigene Monteurkolonne ist ein GroschengrabDer Trend, die Prozesskette auf Outsourcing-Potenziale hin abzuklopfen, hält demnach an. Nach Meinung von Nürmont-Chef Kreuzer bietet sich vor allem der letzte Abschnitt der Prozesskette, die kostspielige Montage, für die Auslagerung an. Diese Tätigkeiten teilweise oder komplett von spezialisierten Dienstleistern erledigen zu lassen, kann bares Geld wert sein. „20% Einsparung sind möglich“, versichert Geschäftsführer Manfred Kreuzer. Das von ihm 1985 gegründete Unternehmen, das auch Firmenverlagerungen plant und durchführt und seine Diensteleistungen weltweit anbietet, versteht sich als Vorreiter bei der Montage von Neumaschinen und Anlagen. Dabei ist Nürmont an keine Branche gebunden: Zu den Kunden der Nürnberger gehören Weltfirmen wie ABB, Boehringer, Dürr, Ex-Cell-O, Honda, Hüller Hille, KBA, MAN Roland, Siemens oder Windmöller & Hölscher. Mit einer breit gefächerte Leistungspalette - die von der klassischen Industriewartung über Facilty-Management-Dienste bis hin zum Betrieb kompletter Industrieparks reicht - kann auch die in Weinheim ansässige Freudenberg Service KG aufwarten. Die Montage von Maschinen und Anlagen unterschiedlichster Art sowie deren Inbetriebnahme beim Käufer stehen ebenfalls auf dem Leistungplan des 800 Köpfe zählenden Unternehmens, das zur weltweit tätigen Freudenberg-Gruppe gehört. Weltweit im Einsatz sind außerdem die 65 Monteure der Alfred Rega & Partner Industriemontagen GmbH. Wichtige Projekte, die das in Hannover ansässige Unternehmen abgewickelt hat, waren unter anderen die Aufstellung von Werkzeugmaschinen in Argentinien und in den Vereinigten Staaten, die Montage einer Pulverbeschichtung in Korea oder der Aufbau einer Verzinkungsanlage in Pakistan. Auf eine umfangreiche Referenzliste kann die Bimont Breisgauer Industriemontagen GmbH & Co. KG verweisen, zu deren Schwerpunkten die Montage und Inbetriebnahme von Werkzeugmaschinen, Fördertechnik und Automatisierungssystemen gehört. Einer der zahlreichen Kunden des Unternehmens mit Sitz in Heitersheim ist die Böblinger Eisenmann-Gruppe, für die Bimont als Generalunternehmer die Montage und Inbetriebnahme von Europa größtem Hochregallager übernommen hat. Das Lager steht in Bremen und wird vom Logistikdienstleister BLG im Auftrag des Kaffeerösters Tchibo betrieben. Für solche Projekte verfügt Bimont über spezielle technische Hilfsmittel wie einen 500-t-Kran oder Luftkissen und Systeme für den Inhouse-Transport von Werkzeugmaschinen. Warum sich gerade die Montage als „Auslagerungkandidat“ anbietet, liegt für Kreuzer auf der Hand:„Hier entstehen für das Unternehmen hohe Kosten.“ Denn qualifiziertes Personal - und mit solchem muss wegen der zunehmenden Komplexität der Maschinen und Anlagen gearbeitet werden - kostet richtig Geld. Natürlich ist die hauseigene Montagebrigade auch dann zu entlohnen, wenn es wochenlang nichts zu tun gibt. Die Personaldecke möglichst dünn zu halten, ist plausibel. Stehen dann aber plötzlich mehrere Montagen gleichzeitig an, treten rasch Kapazitätsengpässe auf. „Auf die Schnelle“müssen zusätzliche Kräfte angeheuert werden - meist Leiharbeiter, denen es aber oft an Fachwissen und „Übung“ fehlt. Die Personalkosten bleiben überschaubar Das alles kann man sich ersparen, setzt man auf die Kompetenz eines Dienstleiters. So beschäftigt Nürmont einen Stamm von mehr als 600 qualifizierten Facharbeitern, die fest in kleinen Teams zusammenarbeiten und immer wieder für dieselben Tätigkeiten eingesetzt werden.„Somit kann die Experten-Truppe nach einer nur kurzen Einarbeitung loslegen und vom Start weg Verantwortung übernehmen“, erläutert Firmenchef Kreuzer. Die Vorteile des Montage-Outsourcing für den Auftraggeber sind gewichtig. Durch Verzicht auf eigenes Montagepersonal lassen sich die Personalkosten sicherer steuern, denn aus Fixkosten werden variable Kosten. Außerdem können Personalengpässe auf der einen und Überkapazitäten auf der anderen vermieden werden. Für Pierre-Alain Eicher, Chef der ABB-Geschäftseinheit Powertrain Assembly, die Montageanlagen für die Automobilindustrie baut, wogen die Vorteile des Outsourcing so schwer, dass er sie kompletten Montageaktivitäten dieser Sparte in die neu gegründete Nürmont-Niederlassung in Langenfeld eingebracht hat. Mehr Flexibilität beim Personaleinsatz, kürzere Reaktionszeiten und zufriedenere Kunden sind der Lohn.ChecklisteWie finde ich den richtigen Montage-Dienstleister?- Können meine Qualitätsstandards erfüllt werden?- Übernimmt der Dienstleister die Gesamtverantwortung für das Projekt?- Ist die Montage zum Fixpreis garantiert?- Begleitet der Dienstleister das Projekt in allen Phasen?- Wo soll die Montage erfolgen: in meinem Unternehmen, beim Dienstleister, bei meinem Kunden?- Ist der Dienstleister regional oder weltweit aktiv?- Sind die erforderliche Qualifikation und das Branchen-Know-how vorhanden?- Steht ausreichend Montagekapazität zur Verfügung?- Kann der Dienstleister adäquate Mess- und Werkzeuge bereitstellen?- Sind gesonderte Transport-, Förder- oder Hebemittel notwendig?- Wer erstellt das Abnahmeprotokoll?- Steht das Montageteam auch nach Projektabschluss für Folgeaufträge zur Verfügung?- Übernimmt der Dienstleister Folgeprojekte?

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