Kernenergie-Debatte

Wir diskutieren seit zehn Jahren über den Ausstieg

24.03.11 | Autor / Redakteur: Peter Steinmüller / Peter Steinmüller

„Die Sicherheitsstandards in den KKW sind heute noch genauso hoch wie vor vier Wochen“, sagt Bertram Brossardt von der VBW. (Bild: VBW)
„Die Sicherheitsstandards in den KKW sind heute noch genauso hoch wie vor vier Wochen“, sagt Bertram Brossardt von der VBW. (Bild: VBW)

Deutschland benötigt noch mehr als zwei Jahrzehnte die Kernenergie, um die Stromversorgung kostengünstig und umweltfreundlich zu gestalten. Diese These begründet Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der VBW (Vereinigung der bayerischen Wirtschaft), im Gespräch mit MM MaschinenMarkt.

Herr Brossardt, vor zwei Wochen haben Sie davor gewarnt, mehrere KKW von heute auf morgen vom Netz zu nehmen. Nun werden Biblis A und Isar I aller Voraussicht nach endgültig stillgelegt. Welche Auswirkungen für die Industrie befürchten Sie?

Brossardt: Diese Frage lässt sich kurzfristig nicht beantworten. Wir können aber festhalten, dass die Sicherheitsstandards in den KKW heute noch genauso hoch sind wie vor vier Wochen. Und an der grundsätzlichen Frage, wie unsere Energieversorgung in Zukunft aussehen soll, hat sich ebenfalls nichts geändert.

Die VBW hat vor einem Jahr ein Energiewirtschaftliches Gesamtkonzept vorgelegt, in dem wir unsere Vorschläge für eine sichere, klimagerechte und bezahlbare Energieversorgung formuliert haben. Unter dieser Prämisse nimmt die Kernenergie einen hohen Stellenwert als Brückentechnologie ein, weshalb wir für längere KKW-Laufzeiten eintreten. Gleichzeitig fordern wir aber Investitionen in regenerative Energiequellen, Forschung & Entwicklung vor allem im Bereich Energieeffizienz sowie für den Ausbau von Stromnetzen und Speicherkapazitäten.

Ihr Konzept geht mit Restlaufzeiten von 20 Jahren für alle KKW über den Regierungsbeschluss des vergangenen Jahres deutlich hinaus. Inwieweit lassen sich angesichts der aktuellen Diskussion solche Zeiträume noch durchsetzen?

Brossardt: Zuerst geht es um das Einhalten der jetzt gültigen Laufzeiten. Seit einem Jahr führen wir sehr offensiv die Diskussion darüber, wie sich andere Energieträger und die Energieinfrastruktur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt so weit entwickeln lassen, dass die von uns formulierten energiepolitischen Ziele erreicht werden.

In Deutschland diskutiert man seit mehr als zehn Jahren über den Ausstieg aus der Kernkraft. Die politischen Entscheidungsträger haben leider versäumt, entsprechende Konsequenzen zu ziehen und einen konkreten Plan aufzustellen sowie die notwendigen Investitionen zu tätigen, um diesen Ausstieg hinzubekommen.

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