Das Unternehmenswachstum finanziell absichern

29.09.2006 | Redakteur: MM

Seit Jahresbeginn sind Veräußerungsgewinne steuerfrei, was den Verkauf von Unternehmensteilen an Private-Equity-Finanzierer erleichtert. Auch für Mittelständler wird damit der Buyout als Instrument...

Seit Jahresbeginn sind Veräußerungsgewinne steuerfrei, was den Verkauf von Unternehmensteilen an Private-Equity-Finanzierer erleichtert. Auch für Mittelständler wird damit der Buyout als Instrument der Wachstumsfinanzierung interessant.Es bewegt sich etwas: Der deutsche Markt für den Verkauf von Unternehmensanteilen an Finanzinvestoren ist in den vergangenen fünf Jahren kräftig gewachsen - von 1,2 auf beachtliche 15 Mrd. Euro. Allerdings hat sich wegen des schwachen Börsenumfeldes und anderer Unsicherheitsfaktoren in den letzten Monaten das Geschäft abgeflacht. Vor allem Privat-Equity-Investoren geben, obwohl nach wie vor die Kassen gut gefüllt sind, das Geld vorsichtiger aus. Langfristig aber ist Deutschland der attraktivste Beteiligungsmarkt in Europa. Zum einen, weil hierzulande das Investment-Geschäft noch in den Kinderschuhen steckt. Erst mit dem Gründerboom und dem Neuen Markt hat sich hier eine Private-Equity-Szene entwickelt, die mit den Krisen und Pleiten nun auch an Professionalität und an Image gewinnt. Doch hinkt Deutschland den USA, gefolgt von Großbritannien und Frankreich, noch deutlich hinterher. Der zweite Grund für einen bevorstehenden Aufschwung beim Investmentbanking liegt in einem europäischen Rahmengesetz, das am 1. Januar 2002 auch in Deutschland zu einer Gesetzesänderung führte. Mit Beginn dieses Jahres entfällt für Käufer und Verkäufer die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen. Im Klartext: Der Buyout, der Verkauf von Unternehmensanteilen an das Management oder immer häufiger an einen Finanzinvestor, wird für den Verkäufer steuerfrei. Übernahmen werden für beide Seiten, den Verkäufer und Käufer, wesentlich lukrativer sein als bisher. Damit entsteht im Investmentbereich ein Handelsmarkt mit enormen Volumina, der zukunftsträchtig und spannend sein und seine Wirkungen auf die Wirtschaft und vor allem auf den Mittelstand nicht verfehlen wird.Die Gründer gehen - die Manager kommen Veränderungen im Investmentmarkt kündigen dieses Wachstum bereits an. Große angelsächsische und amerikanische Private-Equity-Häuser ebenso wie Tochtergesellschaften großer internationaler Finanzinstitute haben deutsche Büros eröffnet. Aufmerksamkeit hatten einige von ihnen zuvor durch spektakuläre Auktionen mit absurd hohen Bewertungen erworben. Auch frühere Top-Manager wie Ex-General- Electric-Chef Jack Welch und der ehemalige Kaufhof-Chef Jens Odewald haben den Markt entdeckt. Insgesamt betrachtet sind einheimische Finanzinvestoren bislang eher zurückhaltend und überlassen das Feld den internationalen Anbietern, was sich aber schnell ändern dürfte. Vor allem dem deutschen Mittelstand bietet die Gesetzesreform die Möglichkeit, seine drängenden Finanz- und Nachfolgeprobleme zu lösen. 80% aller Unternehmen in Deutschland sind derzeit in Familienhand, bei jedem Zweiten ist die Übergabe an einen Nachfolger nicht geregelt. Bereits heute stehen 10000 Unternehmen ohne Nachfolge da, in den kommenden fünf Jahren räumen Seniorchefs in 380000 Firmen ihren Sessel. Zusätzlich leiden mittelständische Unternehmen unter einer dünnen Eigenkapitaldecke, die sich mit der Verabschiedung von ,,Basel II" über die neuen Eigenkapitalregeln für Banken bei der Kreditvergabe nicht gerade verbessern, sondern zu einer Finanzierungslücke führen wird. Der Verkauf von Unternehmensanteilen an das Management mit Hilfe eines kapitalkräftigen Investors kann für diese Unternehmen der richtige Weg zur Zukunftssicherung sein. Der Finanzinvestor beteiligt sich mit dem Ziel, nach einigen Jahren die Beteiligung gewinnbringend wieder zu veräußern, durch einen Börsengang oder an einen industriellen Investor. Im Unterschied zu Venture-Capital-Finanzierungen, die eine Investition in die Zukunft darstellen, geht es bei solchen Buyouts um den Einstieg in etablierte Unternehmen mit stabilem Cash-flow. So will Gold-Zack im nächsten Jahr einen Mittelstandsfonds auflegen, der solchen Firmen Eigenkapital zur Verfügung stellt, die über mehrere Jahre gute Zahlen und ein zweistelliges Umsatzwachstum erzielt haben. Für die Firmen ist der Fonds eine echte Alternative zur Kreditfinanzierung. Als Minderheitsbeteiligung wird es nicht um Managementverantwortung gehen, sondern ganz klar um ein Finanzierungsinstrument auf Zeit. Geschäftsbanken und institutionelle Anleger können sich als Investoren an diesem innovativen Finanzierungsinstrument beteiligen.Vor dem Hintergrund der Börsenflaute und der Baisse bei Neuemissionen werden sich Buyouts zu einem wesentlichen Instrument für die Wachstumsfinanzierung entwickeln, das Übernahmen und Fusionen wiederbeleben wird. Das Mergers & Acquisition-Geschäft ist in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen, weil die Unternehmen vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung ihre Strategie überdenken und größere Deals verschieben. Ungeachtet dessen setzt sich die Re-strukturierung der Konzernwelt fort. Radikale Kundenorientierung, hohes Innovationstempo und E-Business fordern von jedem Unternehmen die Konzentration auf Stärken. Auch die rezessive wirtschaftliche Entwicklung wird Fusionen und Beteiligungen, um Kräfte zu bündeln, eher forcieren. Randsparten oder Konzernbereiche, die nicht mehr zur Kernkompetenz passen, werden ausgelagert und verschmelzen mit anderen Playern zu neuen, attraktiven Organisationen. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass sich vor allem Banken und Versicherungen von einem Teil ihrer Besitztümer trennen werden. Diese Finanzinstitute haben sich, teils ohne die erforderliche Markt- und Branchenkenntnis, in den vergangenen Jahren erhebliche Unternehmensanteile angeeignet, die sie gerne wieder verkaufen wollen. Auch hier stehen vor allem ausländische Investoren in den Startlöchern. Fusionen und Übernahmen gehören zu den Folgen der neuen Steuerfreiheit. Einige befürchten, dass damit natürlich auch die Gefahr feindlicher Übernahmen wächst, die aber durch entsprechende europäische Richtlinien eingedämmt werden soll.In Deutschland ist noch immer der Bankkredit die typische Geldquelle, vor allem für mittelständische Unternehmen. Um Wachstumssprünge zu finanzieren, müssen jedoch andere Finanzierungswege beschritten werden. Sicher muss sich hierfür auch einiges in der Unternehmenskultur und im Denken der Firmenchefs ändern. Denn selten ist der Seniorchef bereit, rechtzeitig Macht abzugeben und fähige Manager oder Finanzinvestoren an seinem Unternehmen zu beteiligen. Dazu passt, dass das Image des Shareholders und Finanzinvestors hierzulande eher negativ ist. Alle Bekundungen, seine Position aufzuwerten, sind bislang mehr Lippenbekenntnisse als wirkliche Akzeptanz.Kein neuer Hype und keine neue Blase Dabei geht es keineswegs um einen neuen Hype, um eine neue Blase, die ebenso platzt wie die New Economy. Beim Investmentbanking steht der mittel- und langfristige Erfolg mit klaren Ertragssteigerungen im Mittelpunkt. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Der Neue Markt bleibt ein wichtiges Börsensegment, insbesondere um das Wachstum junger, technologieintensiver Unternehmensgründungen mit Zukunftschancen zu finanzieren. Aber es ist eine Wagniskapitalbörse, ein risikobehaftetes Investment in die Zukunft. Demgegenüber entsteht mit der steuerfreien Veräußerung von Beteiligungen ein weiterer Finanzmarkt, der dem durch die New Economy ins Abseits gedrängten Mittelstand neue Chancen eröffnet. Mittelständische Unternehmen sind nicht nur seit Jahren das Fundament der deutschen Wirtschaft und des allgemeinen Wohlstands in diesem Lande. Sie stellen auch für Investoren wahre Schätze dar. Selbst wenn die schwache Börse den Kapitalgebern heute stark auf die Stimmung drückt, muss man gerade die positiven Signale wahrnehmen. Der deutsche Markt für Firmen-Buyouts steht vor einem Aufbruch, den die deutschen Investoren nicht verschlafen dürfen.

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