Finanzierung

VDMA-Präsident Wittenstein: Die vielen kleinen Innovatoren steuerlich fördern

18.02.2010 | Autor / Redakteur: Peter Steinmüller / Peter Steinmüller

VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein sucht das direkte Gespräch mit den Banken Bild: VDMA

VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein spricht im MM-Interview über erste Erfolge in Sachen Kreditpolitik der Banken, die Chancen auf Steuererleichterungen und übt Kritik am Stil der neuen Bundesregierung.

Herr Dr. Wittenstein, viele Maschinenbauer leiden unter verschärften Kreditbedingungen. Muss Basel II entsprechend überarbeitet werden?

Wittenstein: Auf längere Sicht müssen sicher die zyklusverstärkenden Effekte der Basel-II-Vorschriften getilgt werden. Kurzfristig fordern wir von den Banken: Nutzen Sie die Spielräume von Basel II! Der VDMA schlägt vor, die Zukunftserwartungen stärker im Ratingverfahren zu berücksichtigen, statt nur die Zahlen der jüngeren Vergangenheit zu betrachten. In enger Zusammenarbeit zwischen Kreditsachbearbeiter und Unternehmer sollte das möglich sein, wenn die Daten auf dem Tisch liegen und kritisch diskutiert werden.

Spricht der VDMA auch direkt mit den Banken?

Wittenstein: Ja. Sie reagieren auch auf unsere Argumente. Die Commerzbank hat uns schon Zusagen gegeben, auch von der Deutschen Bank gibt es Signale. Spannend wird aber die Umsetzung entlang der Hierarchiestufen bis zum einzelnen Sachbearbeiter.

Nach Ihren Erfahrungen wird die Kreditvergabe auch innerhalb der einzelnen Bankengruppen unterschiedlich gehandhabt. Wie erklären Sie sich das?

Wittenstein: Dieses Vorgehen wird ja prinzipiell von den Unternehmen gewünscht, die Wert auf den direkten Austausch mit ihrem Kundenbetreuer legen und nicht wollen, dass dieser stur die Vorgaben der Zentrale befolgt. Aber in der jetzigen Situation kommt es immer wieder vor, dass Möglichkeiten zugunsten des Kunden nicht ausgeschöpft werden. Deshalb wünschen wir uns deutliche Vorgaben der Bankvorstände zugunsten unserer Branche.

In einem MM-Roundtable mit den Vorständen renommierter Leasingunternehmen wurde Kritik an der großzügigen Entnahmepolitik vieler Mittelständler laut, die damit ihre Kreditkonditionen gefährdeten. Stimmen Sie dieser Einschätzung zu?

Wittenstein: Für die Mitgliedsbetriebe des VDMA kann ich das nicht bestätigen. Wären Maschinenbauer so gierig, gälten sie bei den Banken nicht als so angesehene Kunden. Auch die Stärkung der Eigenkapitalbasis in den vergangenen Jahren wäre nicht in diesem Ausmaß möglich gewesen.

Bereits im vergangenen Jahr haben Sie Steuererleichterungen für F & E-Ausgaben gefordert. Haben Sie die Hoffnung, dass es noch in dieser Legislaturperiode dazu kommt?

Wittenstein: Angesichts des anstehenden Strukturwandels ist es nicht damit getan, einige Spitzencluster als Leuchtturmprojekte zu fördern. Vielmehr brauchen wir die Vielzahl der kleinen Innovatoren. Und da ist die steuerliche Förderung wichtig, um die Unternehmen in ihrer ganzen Breite zu ermutigen. Dies durchzusetzen, ist angesichts der aktuellen Finanzsituation des Bundes nicht einfach. Aber damit stellt sich auch die Frage nach den Prioritäten in der Politik: Will die Regierung nur die Sozialausgaben erhöhen oder will sie den Investitionsstandort attraktiver machen, damit mehr Arbeitsplätze geschaffen werden?

Sie haben die Mehrwertsteuerermäßigung für das Beherbergungsgewerbe als „skandalös“ bezeichnet. War die Lobbyarbeit der Hotellerievertreter erfolgreicher als die des VDMA?

Wittenstein: Wenn ich das Ergebnis vordergründig betrachte: ja. Ich finde es nicht in Ordnung, wenn Entscheidungen im Hinterzimmer der Politik getätigt werden und nicht in einer offenen demokratischen Diskussion. Solche Vorhaben müssen kontrovers im Parlament diskutiert werden, damit der Bürger weiß, woran er ist. Wenn viele Milliarden Euro für Subventionen durchgewinkt werden, muss die Politik aufpassen, dass sie das Vertrauen der Gesellschaft nicht verspielt.

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