Zahlungsverkehr

Neue Bankleitzahlen und Kontonummern – den Unternehmen läuft die Zeit davon

03.08.2010 | Redakteur: Jürgen Schreier

Spätestens 2013 soll die Single Euro Payments Area (SEPA) mit Überweisungen und Lastschriften endgültig Realität werden und alle nationalen Verfahren ablösen. Für die deutschen Unternehmen ist die Umstellung mit einem Kraftakt verbunden – nicht zuletzt, weil sie nach geltendem Recht für Lastschriften bei ihren Kunden neue Genehmigungen einholen müssen.

Um die kurzen Übergangsfristen einhalten zu können, sollten gerade Firmen schnellstmöglich handeln. Zumal ihre europäischen Konkurrenten SEPA bereits intensiver nutzen. Das ergibt eine aktuelle Markteinschätzung von Steria Mummert Consulting.

Etwa 16 Mrd. Überweisungen und Lastschriften werden allein in Deutschland jährlich getätigt – mehr als in jedem anderen Land der Europäischen Union. Doch obwohl die Banken bereits seit 2008 neben den vertrauten nationalen Verfahren auch SEPA-Verfahren anbieten, ist das Interesse daran in der Bundesrepublik sehr gering. Nur 0,4% aller deutschen Überweisungen entfallen auf das internationale Format.

Unternehmen sehen in erster Linie die Kosten der Umstellung

Vor allem die Unternehmen zögern mit der Umstellung. Sie sehen bislang weniger die Vorteile eines grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs, sondern blicken eher auf die mit der Einführung verbundenen Kosten. Gerade vom deutschen Lastschriftverfahren wollen sich die Firmen ungern trennen. Mehr als jede zweite Zahlungsverkehrs-Transaktion basiert hierzulande auf einer Lastschrift. Für alle Lastschriftmandate müssen sich die Unternehmen bei der Umstellung von ihren Kunden eine neue Genehmigung einholen, sollte die Bundesregierung sich nicht zum Handeln gezwungen sehen und eine gesetzliche Unterstützung für die Überführung anbieten.

„Für viele Unternehmen ist die Umstellung mit erheblichem Aufwand verbunden“, sagt Jens Lüneberg, verantwortlich für den Zahlungsverkehr bei Steria Mummert Consulting. „Neben den technischen Formatanpassungen sind unter anderem auch Änderungen bei Fristen und Prozessen zu beachten. Hinzu kommt außerdem der beträchtliche organisatorische Aufwand bei der Umstellung auf die SEPA-Lastschrift.

Mit der Umstellung auf die SEPA-Überweisung erste Erfahrungen sammeln

In Anlehnung an die Zeitplanung der EU-Kommission empfiehlt er daher den Unternehmen, zunächst mit der Umstellung auf die SEPA-Überweisung erste Erfahrungen zu sammeln. Danach könne dann das deutlich anspruchsvollere Projekt – die Umstellung auf das neue Lastschriftverfahren – angegangen werden.

Projektplanung und Konzeption sollten dabei von Beginn an sowohl Überweisung als auch Lastschrift beinhalten, um bei den Lastschriften frühzeitig entsprechende Weichenstellungen vorzunehmen. Dies könnte zum Beispiel die Nutzung eines Kombi-Mandates in der Übergangsphase sein.

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