Bargeld lacht

28.09.2006 | Redakteur: Jürgen Schreier

Das Interesse am Forderungsverkauf ist weiterhin lebhaft. Die Geschäftsbanken werden sich noch wundern über die Auswirkungen ihrer Geschäftspolitik gegenüber dem Mittelstand", betonte Dieter W....

Das Interesse am Forderungsverkauf ist weiterhin lebhaft. Die Geschäftsbanken werden sich noch wundern über die Auswirkungen ihrer Geschäftspolitik gegenüber dem Mittelstand", betonte Dieter W. Hardt, Geschäftsführer der IFN Finance GmbH, Köln, und Vorstandssprecher des Deutschen Factoring-Verbandes anlässlich der traditionellen Halbjahrespressekonferenz in Frankfurt/Main. Doch früher oder später werde man wieder beim Mittelstand anklopfen, davon zeigt sich Hardt überzeugt und fügte schmunzelnd hinzu: ,,Lieber später als früher."Denn bei den Factoring-Instituten schlägt sich der Rückzug der großen Geldhäuser aus der Mittelstandsfinanzierung in klingender Münze nieder. Folglich konnte Hardt über ein lebhaftes Neugeschäft im ersten Halbjahr 2002 berichten: ,,Eine wesentliche Ursache für die gestiegene Nachfrage nach Factoring sehen wir in der geänderten Kreditpolitik zahlreicher Kreditinstitute, ausgelöst durch Basel II. Bei der Suche nach alternativen Finanzierungsformen interessieren sich nämlich immer mehr mittelständische Unternehmen für Factoring." Denn neben dem reinen Finanzierungseffekt ergibt sich ein weiterer Vorteil auf den Dr. Klaus Bette, Senior Consultant des Verbandes in Frankfurt, hinweist: ,,Verkauft ein Unternehmen seine Außenstände an einen Factor im Rahmen eines echten Factoring-Verfahrens, also ohne Regress bei Insolvenzen von Forderungsschuldnern, so sind die verkauften Forderungen in der Bilanz des Unternehmens nicht mehr zu aktivieren. Insgesamt ergibt sich daraus einer Verkürzung der Bilanzsumme. ,,Bei gleichbleibendem Eigenkapital", so Bette, ,,verbessert sich somit die Relation zum Fremdkapital". Weil aber die Eigenkapitalquote ein bestimmendes Kriterium beim Rating darstellt, dürfte das Interesse am Factoring zunehmen. Dieses wachsende Interesse dokumentiert sich auch in der Tatsache, dass im Berichtszeitraum die Zahl der Verbandsmitglieder um drei auf 19 Factoring-Institute gestiegen ist. Insgesamt addierte sich der Umsatz aller Verbandsmitglieder, der nach Verbandsschätzungen rund 95% des Marktvolumens ausmacht, im ersten Halbjahr 2002 auf 14,15 Mrd. Euro, das sind 3,4% mehr als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Davon entfielen 79% auf das Inlandsgeschäft und 21% auf das internationale Factoring. Rechnet man die Umsätze der drei neuen Verbandsmitglieder heraus, so belief sich der Gesamtumsatz auf 13,47 Mrd. Euro. Dieser Wert liegt um 2 % unter dem Vorjahreswert, womit der glänzende Vorjahreswert von plus 25% deutlich verfehlt wurde. Auch Factoring ist folglich nicht immun gegen konjunkturelle Auf und Abs. Zu schaffen machen der Branche unter anderen die schleppende Entwicklung in konsumnahen Bereichen und die Krise am Bau. Dennoch mag Verbandssprecher Hardt die Lage nicht dramatisieren: ,,Trotz der erheblichen Umsatzeinbußen vor allem in konsumnahen Branchen und der hohen Zahl von Unternehmenspleiten in der ersten Jahreshälfte hat sich der Umsatz im Factoring-Geschäft insgesamt jedoch deutlich positiver entwickelt als in anderen Wirtschaftsbereichen." Zudem gebe es einige ,,Wachstumspole", etwa den Dienstleistungsbereich. Rund 50% des von den Verbandsmitgliedern im Berichtszeitraums getätigten Factoringumsatzes entfielen auf die Industrie (2001: 47%), 36% auf den Großhandel (2001: 40%) und 14% auf den Dienstleistungssektor (2001: 13%). Im internationalen Geschäft erwirtschafteten die Verbandsmitglieder des Verbandes einen Umsatz von 2,96 Mrd. Euro (plus 11,7% ). Weil erfahrungsgemäß das zweite Halbjahr im Factoring gewöhnlich besser ausfällt als das erste, wähnt man sich im Hinblick auf das Gesamtjahr 2002 durchaus optimistisch. Wegen des anhaltenden Interesses der mittelständischen Wirtschaft, aber auch aufgrund der höheren Mitgliederzahl, erwartet der Verbandsvorstand ein Umsatzwachstum zwischen 8 und 10% und einen Umsatz von 32 Mio. Euro.

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