11.09.2008 | Redakteur: Jürgen Schreier
Frankreichs Bruttoinlandsprodukt soll 2008 real nur um 1% wachsen und auch die Prognose für 2009 sieht nicht rosiger aus, wie die Kölner Bundesagentur für Außenwirtschaft (Bfai) mitteilt. Die Handelsbilanz verzeichnete im ersten Halbjahr 2008 ein Defizit von 24 Mrd. Euro. Parallel wächst das Interesse französischer Unternehmen an Investitionen im Ausland.
Die Regierung sieht den wesentlichen Grund für den Konjunktureinbruch in der Abschwächung der Weltkonjunktur, die ein abwartendes Verhalten der Unternehmen und eine vorsichtigere Konsumneigung bewirken. Eine Rezession schließt die Regierung aber aus und warnt vor Panik. Auch die Banque de France prognostizierte für das dritte Quartal noch ein positives BIP-Wachstum, wenn auch nur von 0,1%. Für BNP Paribas scheint die französische Wirtschaft aber klar in eine Phase der Rezession eingetreten zu sein, als Konsequenz nicht nur der internationalen Wirtschaftskrise, sondern auch der nationalen Strukturprobleme.
Premierminister François Fillon appelliert, die Priorität auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu legen. Ein staatlich finanziertes Konjunkturprogramm zur Belebung der Nachfrage lehnt er ab.
Die französische Industrieproduktion der Industrie war im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1,6% rückläufig, was auch für das dritte Quartal nichts Gutes verheißt. Bis auf die Ausrüstungsgüter (+0,9%) schrieben alle Sektoren negative Zahlen: Automobilindustrie (-5,8%), Zwischenprodukte (-1,9%), Energie (-0,1%).
Die Perspektiven im Flugzeugbau sind durch die Euro-Dollar-Parität belastet, bei den Ausrüstungsgütern (Mechanik, Elektronik, Werkzeugmaschinen) gibt die sinkende Kapazitätsauslastung Anlass zur Sorge. Lichtblick bleibt im Wesentlichen nur der Schiffbau, wo die Werft Saint-Nazaire in diesem Jahr bis zu 8000 neue Arbeitsplätze einrichten will.
Die Handelsbilanz verzeichnete im 1. Halbjahr ein Defizit von 24 Mrd. Euro, was gegenüber dem 1. Halbjahr 2007 einer Steigerung um 54% entspricht. Auf Jahresbasis belief sich der Fehlbetrag bis Juni 2008 auf 48 Mrd. Euro und lag damit deutlich über dem Defizit des Gesamtjahrs 2007 (39 Mrd. Euro). Der Export nahm dabei um 4,9% zu. Euler-SFAC prognostiziert für das Gesamtjahr 2008 ein Exportwachstum von 4,3% und für 2009 von 3,9%.
Parallel dokumentiert die Bilanz der ausländischen Direktinvestitionen eindeutig das wachsende Interesse der französischen Unternehmen an einer Produktion im Ausland. Bis Mitte 2008 beliefen sich die französischen Auslandsinvestitionen über ein Jahr gerechnet auf 189 Mrd. Euro, was deutlich über den Ergebnissen der beiden Vorjahre 2007 (+15%) und 2006 (+100%) lag. Im Gegenzug investierten ausländische Unternehmen bis Juni 2008 auf Jahresbasis nur 109 Mrd. Euro in Frankreich.
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