10.03.2009 | Redakteur: Jürgen Schreier

Trotz der dramatischen Einbrüche in vielen Branchen bieten die weltweit aufgelegten Konjunkturprogramme deutschen Mittelständlern gute Chancen, neue Märkte zu erschließen.
Dabei stellen nur Industriestaaten wie die USA, Frankreich, Spanien, das Vereinigte Königreich oder Deutschland enorme Summen bereit, um ihre Volkswirtschaften wieder anzukurbeln, sondern auch viele Schwellen- und Entwicklungsländer. Germany Trade & Invest hat die Programme von über 60 Ländern weltweit analysiert und ist dabei auf zahlreiche Expansionspläne gestoßen.
Besonders vielversprechend ist in diesem Zusammenhang weltweit der Infrastruktur-Bereich. In 14 ausgewählten Ländern sollen allein über 1,5 Billionen Euro für meist langfristig angelegte Vorhaben eingesetzt werden.
Geschäftschancen bieten zum Beispiel die USA. „Das weltgrößte Konjunkturprogramm von Präsident Obama ist für deutsche Unternehmen trotz einiger Buy-American-Klauseln vor allem in den Sektoren Energie- und Gebäudeeffizienz, erneuerbare Energien, umweltfreundliche Kfz und einige Bereiche der Infrastruktur interessant“, betont Michael Pfeiffer, Geschäftsführer von Germany Trade & Invest, „Ein Blick lohnt sich auch auf andere Länder, die für deutsche Exporteure nicht unmittelbar im Fokus stehen. Dies sind etwa Taiwan, Singapur, Hongkong, Kasachstan, Tschechien, Saudi-Arabien, Südafrika oder Katar. Auch Länder unmittelbar vor der ‚deutschen Haustür‘ wie Österreich oder Italien bieten interessante Aspekte.“
In Mittel- und Osteuropa setzen viele neue EU-Mitgliedsstaaten dank starker Unterstützung aus Brüssel auf milliardenschwere Infrastrukturprojekte. Im Fokus stehen hier Verkehrsvorhaben, die Abfallwirtschaft und der Bau von Kläranlagen. Im Bereich Umwelttechnik sind vor allem der Markt für erneuerbare Energien mit vielen Projekten für Solarkraft, aber auch Wasserkraft, Biogas und Biomasse zu nennen.
Auch China und Indien kämpfen mit umfangreichen Konjunkturprogrammen gegen das Schrumpfen der Wirtschaftsleistung an. Dabei werden meistens Infrastrukturprojekte, die ohnehin geplant waren, vorgezogen oder mit mehr Mitteln ausgestattet. So will die VR China rund 286 Mrd. Dollar in die Erweiterung und Modernisierung ihrer Infrastruktur stecken – unter anderem für neue Flughäfen, U-Bahnsysteme und Hochgeschwindigkeitsverbindungen.
Hohe Investitionen sind auch für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben in der Provinz Sichuan vorgesehen, wie auch für die Entwicklung der Binhai New Area bei der Hafenstadt Tianjin. Indien hat mittlerweile drei Konjunkturprogramme vorgelegt und Verkehrsinfrastrukturprojekte von 200 Mrd. Dollar und weitere 250 Mrd. Dollar für den Energiebereich angekündigt.
In Südafrika und Brasilien verleihen die Fußballweltmeisterschaften 2010 bzw. 2014 der Bauwirtschaft neue Impulse.
Die Länder der Arabischen Halbinsel sind ebenfalls vielversprechend. Auf Rekordkurs ist die Wirtschaft des kleinen Emirats Katar: Prognosen zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um zwölf, im nächsten Jahr gar um 20 Prozent wachsen.
Saudi Arabien will in nur 15 Jahren eine Retortenstadt von der Größe der US-Kapitale Washington D.C bauen. Die King Abdullah Economic City ist nur eine von sechs Wirtschaftsstädten mit ihren Industriezonen. Nach ihrer Fertigstellung werden die Städte zu heutigen Preisen mehrere hundert Milliarden US-Dollar gekostet haben.
Eines der interessantesten Infrastrukturprojekte der Region ist die „Freundschaftsbrücke“ zwischen Bahrain und Katar - eine aus mehreren Dämmen und Brücken bestehende 45 km lange und etwa vier bis fünf Mrd. Dollar teure Konstruktion. Mit den Bauarbeiten wird in diesem Jahr begonnen und schon 2013 können dann die ersten Autos und Eisenbahnen zwischen beiden Ländern verkehren.
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