B2B-Marketing-Kongress

Social Media sollten für B2B-Kommunikation nicht überschätzt werden

21.10.2010 | Redakteur: Stéphane Itasse

Welche Rolle das Web 2.0 für die B2B-Kommunikation spielt, diskutierten (v.l.): Dr. Heinrich Frontzek (Festo), Chris Bouveret (Buena la Vista), André Kluth (Igus), Martin Kandziora (Rittal) und Horst-Dieter Kraus (Pilz). Bild: Untch

Ganz nüchtern im Angesicht des großen Medienwirbels um Twitter, Facebook und andere Social-Media-Plattformen haben sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Quo Vadis B2B-Web 2.0“ auf dem 1. B2B-Marketing-Kongress in Würzburg präsentiert. Auch wenn einige Veränderungen zu erwarten seien, sollte das Thema nicht überschätzt werden.

Für die Kommunikationsverantwortlichen in den Unternehmen bedeutet Social Media eine Herausforderung in zwei Bereichen, meinte Martin Kandziora, Leiter Marktkommunikation bei Rittal: „Zum Einen gibt es die Mitarbeiter, die sich als Privatpersonen auch über die Arbeit äußern, das ist ungesteuert. Zum Anderen gibt es das Informationsbedürfnis des Kunden, das wir gesteuert befriedigen müsssen.“

Mitarbeiter eilen bei Social-Media-Plattformen voraus

Dabei eilen die Mitarbeiter eines Unternehmens mit Social-Media-Aktivitäten ihren Kommunikationsabteilungen oft voraus. „Jetzt entsteht der Druck, dass die Social-Media-Aktivitäten strukturiert werden“, sagte André Kluth, Leiter Unternehmenskommunikation von Igus.

„Unsere Tochtergesellschaft in Großbritannien hat bei Linked-In eine Gruppe zum Thema Sicherheitstechnik aufgemacht“, berichtete Horst-Dieter Kraus, Leiter Marketing-Kommunikation bei Pilz, von einem Beispiel – er selbst habe mehr zufällig davon erfahren. „Die Frage ist, kann ich dies überhaupt steuern“, folgerte Kraus weiter.

Kommunikation über Social Media in anderen Ländern viel selbstverständlicher

In anderen Ländern wie Brasilien oder den USA sei die Kommunikation über solche Plattformen viel selbstverständlicher als in Deutschland, meinte auch Dr. Heinrich Frontzek, Leiter Corporate Communication bei Festo, das seien Experimentierfelder für das Unternehmen. Jetzt sei es aber an der Zeit, die Kommunikation in den Social-Media-Plattformen zu strukturieren. „Wir wollen noch alle Flöhe in einen Sack einfangen“, beschrieb Frontzek die Aufgabe.

„Ich glaube nicht, dass das mit anderen Kulturen funktionieren wird“, entgegnete Kandziora. Im Ausland, beispielsweise in China, seien die Menschen oft pragmatischer und handelten, während die Deutschen erst noch ein Konzept erstellen würden.

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass die Unternehmenskommunikation im Web 2.0 authentisch sein muss. Dazu gehöre auch der richtige Umgang mit Kritik. „Wenn man berechtigte Kritik löscht, ist das nicht authentisch“, sagte Chris Bouveret von der Agentur Buena la Vista. Die Unternehmen sollten sich besser an der Diskussion beteiligen, statt alles zu löschen, was nicht zur Unternehmensdarstellung passe.

Unternehmen sollten Kritik im Web 2.0 für sich nutzbar machen

„Wenn ein Kunde eine Reklamation hat, ist das ja auch ein Gesprächsangebot“, zeigte Kraus die Möglichkeiten im Umgang mit Kritik auf. „Es können ja hilfreiche Hinweise sein“, schloss sich Kandziora an.

In jedem Fall sollten sich die Verantwortlichen für Unternehmenskommunikation im Web 2.0 auch als solche zu erkennen geben. „Wenn man sich zu erkennen gibt, hat man in Foren und Blogs nie Probleme“, berichtete Frontzek. „Spannend finde ich die Foren und Blogs, wo die Unternehmenssprecher Gleiche unter Gleichen sind“, sagte Kluth.

Social Media bedeutet für die Unternehmen viel Aufwand

Dem Mitmachen beim Mitmach-Web steht auch ein beachtlicher Aufwand gegenüber. Zwei bis drei Mitarbeiter haben die Unternehmen dafür abgestellt, wie die Podiumsteilnehmer berichteten – und doch lässt sich nicht alles bewältigen. „Es ist unmöglich, jemanden für das Online-Monitoring aller Foren und Blogs abzustellen“, sagte Kluth.

Insgesamt wollten die Diskussionsteilnehmer das Thema Social Media und Web 2.0 aber nicht überbewerten. „Investitionen in E-Commerce und Online-Tools sind viel interessanter“, schätzte Kluth das Thema ein. „Ich glaube nicht, dass Social Media im B2B der Weisheit letzter Schluss ist“, sagte auch Bouveret. Viele Unternehmen bräuchten überhaupt erst ein strategisches Online-Marketing.

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