14.02.2007 | Redakteur: Jürgen Schreier
München (js) – Schlank ist schön: Im Rahmen von Lean Production hat sich dieses Ideal schon lange und auf breiter Front durchgesetzt. Doch auch in der Produktwicklung geht der Trend
München (js) – Schlank ist schön: Im Rahmen von Lean Production hat sich dieses Ideal schon lange und auf breiter Front durchgesetzt. Doch auch in der Produktwicklung geht der Trend zur Bikinifigur: Lean Innovation, schlanke Produktentwicklung, heißt der neue Hype, dem das Institut für Technologiemanagement der Universität St. Gallen in in Verbindung mit Swisscar (Swiss Center for Automotive Research) am 7. Februar ein „Kompaktseminar“ in München widmete.
Auch bei Lean Innovation steht die Verkürzung der Durchlaufzeiten im Fokus – sprich, in noch kürzerer Zeit zum fertigen Produkt. Mit der Implementierung einzelner Tools, etwa der Substitution von Versuchen durch Computer-Simulation, ist es aber nicht getan. Das belegt die in St. Gallen erstellte Studie „Leading to Lean – Führungsaufgaben einer schlanken Produktentwicklung“, die neben einer ähnlich gelagerten Untersuchung des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen („Mit Lean Innovation zu mehr Erfolg“) den Dreh- und Angelpunkt der Münchener Veranstaltung bildete.
Neun Bausteine haben die Schweizer Forscher ausgemacht, deren Erfüllungsgrad unmittelbar mit dem „Leannessgrad“ der F+E korreliert. Führungs- und Fachkompetenz auf allen Ebenen, die vollständige Integration der Lieferanten in die Produktentwicklung, konsequentes Wissensmanagement, eine auf Spitzleistungen und ständige Verbesserung fokussierte Unternehmenskultur sowie der Einsatz leistungsfähiger Werkzeuge für Standardisierung und organisatorisches Lernen – das sind nur einige Baustreine einer schlanken Produktentwicklung. Welches System man wähle, ob Six Sigma, Balanced Scorecard, EFQM oder Business Excellence, sei letztlich egal, meint Institutsleiter Prof. Dr. Fritz Fahrni: „Hauptsache, es ist ganzheitlich“.
Die beim Seminar von Vertretern namhafter Unternehmen aus dem Automotive-Bereich referierten Case Studies zeigten, wohin die Reise gehen könnte. Andererseits wurde aber auch deutlich, dass es bis heute noch kein einheitliches Verständnis davon zu geben scheint, wie Lean Management auf Forschungs- und Entwicklungsprozesse konkret anzuwenden ist – eine Tatsache, die von der Aachener Studie zahlenmäßig erhärtet wird. Die Folge: Rund 66% der vom WZL befragten Unternehmen haben bisher noch keine Optimierungsprojekte im F+E-Bereich umgesetzt.
Weitere Definitions- und Aufklärungsarbeit seitens der Wissenschaft und weitere Best Practices sind demnach unerlässlich. Ein Forum dafür dürfte sicherlich die 7. Aachener Tagung Komplexitätsmanagement vom 27. bis 29. März sein, bei der auch die zitierte WZL-Studie vollumfänglich präsentiert wird.
Eine detaillierte Darstellung der Forschungsergebnisse aus St. Gallen erfolgt in einer der nächsten MM-Ausgaben.
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