Personal

Zeitarbeit ist mehr als nur Arbeit auf Zeit

25.01.2008 | Autor / Redakteur: Martin Sonneck / Jürgen Schreier

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft: „Die Zeitarbeit ist nahezu die einzige Möglichkeit für Geringqualifizierte, in Deutschland Arbeit zu bekommen. Bild: vbw

Lange Zeit hatte die Branche eher einen schlechten Ruf. Inzwischen hat sich Zeitarbeit zum Instrument der Beschäftigung und des Arbeitsmarktes entwickelt, was nicht zuletzt auf das Zutun des Gesetzgebers zurückzuführen ist. Wirtschaft und Arbeitsmarkt profitieren gleichermaßen: Unternehmen verschafft sie die notwendige Flexibilität und Arbeitssuchenden einen Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Zeitarbeit ist das Ventil, durch das der Druck ein wenig entweichen kann, den unser überreguliertes Arbeitsrecht ausübt. Von diesem Druckabbau profitieren alle: Die Wirtschaft in Form einer erhöhten Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit.

Der Arbeitsmarkt, weil Zeitarbeit gerade jenen Menschen als Sprungbrett in die Beschäftigung dient, die unter den so genannten Normalbedingungen des Arbeitsmarktes kaum eine Chance hätten. Und zwar vor allem Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose“, fasst Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft in München, das Phänomen Zeitarbeit zusammen.

Allerdings handelt es sich dabei um kein Massenphänomen. Der Anteil der Zeitarbeitnehmer an der Gesamtheit aller Erwerbstätigen liegt deutschlandweit bei 1,6% und in Bayern bei 1,7%. Dass dies branchenabhängig ist, zeigen beispielsweise die Zahlen der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Dort liegt der Anteil bei 3,4%.

Von Ende 2003 bis Ende 2006 hat sich die Zahl der Zeitarbeitnehmer bundesweit, von knapp 330000 auf fast 630000 erhöht und bayernweit sogar verdoppelt (von 53000 auf 110000). Rund 60% der bayerischen Metall- und Elektroindustrie beschäftigen Zeitarbeiter, wobei 5% aller Betriebe eine Zeitarbeitsquote von über 20% aufweisen.

Zeitarbeit hat durch Gesetzesänderungen Schub bekommen

Die Weichenstellungen des Gesetzgebers haben wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Zeitarbeit. So wurde zu Beginn des Jahres 2004 das Prinzip „Equal Pay – Equal Treatment“ eingeführt, das die Gleichstellung der Beschäftigten in der Zeitarbeit mit dem Stammpersonal des Entleihbetriebes bedeutet.

Abweichungen davon sind nur dann möglich, wenn vorhandene Tarifverträge zwischen den Zeitarbeitsunternehmen und Gewerkschaften anderes vorsehen. Ebenfalls im Jahr 2004 wurde die zeitliche Beschränkung für die Überlassung der Zeitarbeitnehmer im Betrieb aufgehoben.

Die positive Entwicklung der Zeitarbeit sieht nun die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft durch die jüngsten Vorschläge der SPD gefährdet. Dabei stehen Überlegungen im Raum, die wieder auf eine zeitliche und mengenmäßige Befristung von Zeitarbeit abzielen und auf die Gleichstellung der Zeitarbeiter nach kurzer Einarbeitungszeit mit der Stammbelegschaft drängen.

Zeitarbeit ist Win-Win-Situation für alle Partner

Für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft liegen die Vorteile der Zeitarbeit klar auf der Hand. Hauptgeschäftsführer Brossardt spricht von einer „Win-Win-Situation für Unternehmen und Arbeitsmarkt“. So zeigt sich der Hauptvorteil der Zeitarbeit für die Wirtschaft in ihrer Flexibilität.

Verkürzte Produktlebenszyklen und eine schwankende Auftragslage beziehungsweise Auslastung machen in Unternehmen ein schnelles und flexibles Reagieren unerlässlich, gerade im Personalbereich. Damit wird die Zeitarbeit zum wichtigen Instrument, um Engpässe und Konjunkturschwankungen auszugleichen. Der Vorwurf, Unternehmen würden Dauerarbeitsplätze durch Zeitarbeitsplätze ersetzen, lässt sich dagegen nicht belegen.

Arbeitslose finden dank Zeitarbeit ins Erwebsleben zurück

Zeitarbeit leistet einen gewichtigen Beitrag zur Integration Arbeitsloser in den Arbeitsmarkt. So kamen knapp 70% der 2006 zusätzlich beschäftigen Arbeitnehmer aus der Arbeitslosigkeit.

Vor allem für Geringqualifizierte bietet demnach die Zeitarbeit einen Ansatz für den Neueintritt in den Arbeitsmarkt. „Die Zeitarbeit ist nahezu die einzige Möglichkeit, für Geringqualifizierte in Deutschland Arbeit zu bekommen“, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. In der bayerischen Metall- und Elektroindustrie würden Zeitarbeiter vorwiegend in Bereichen eingesetzt, die eher geringe Qualifikationen erfordern.

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