28.09.2006 | Redakteur:
Auf der Basis einer integrierten personalwirtschaftlichen Lösung kann der Anteil der administrativen Arbeit deutlich reduziert werden Die Tarifvertragsparteien der Metall- und Elektroindustrie...
Die Tarifvertragsparteien der Metall- und Elektroindustrie haben das Entgeltrahmenabkommen (Era) tarifiert, das die bestehenden Lohn- und Gehaltstarifverträge ablöst. Zukünftig wird in der Metall- und Elektroindustrie nicht mehr nach Arbeitern und Angestellten bei der Entgeltgestaltung differenziert. Die bei AT-Mitarbeitern bewährte Zielvereinbarung mit Zielentgelt ist nun – als Alternative zu Leistungsbeurteilung, Akkordlohn und Prämie – tariflich möglich. Der 1. März 2005 ist in vielen regionalen Tarifgebieten der Termin, ab dem die Unternehmen auf Era umstellen können. Die meisten Arbeitgeberverbände empfehlen die Era-Einführung zum 1. März 2006, wenn die Era-Strukturkomponente in Höhe von 2,79% voll thesauriert ist. Die Läpple-Gruppe hat sich bereits frühzeitig mit der Era-Einführung auseinandergesetzt.Die Läpple-Gruppe deckt als international anerkannter Systempartner der Automobilindustrie mit weltweit mehr als 5000 Mitarbeitern die gesamte Bandbreite der Umform- und Karosseriebautechnik ab und sorgt für technisch sowie wirtschaftlich maßgeschneiderte Lösungen. Seit mehr als acht Jahrzehnten liefert Läpple alles aus einer Hand – von der Projektbeschreibung bis zur Produktionsreife. Maßgebender Erfolgsfaktor bei der Weiterentwicklung dieser Ausgangsposition ist engagiertes und motiviertes Personal, das mit Kompetenz auf dem Markt agiert.Das Personalmanagement hat die verantwortungs- und anspruchsvolle Aufgabe, für dieses Personal die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Eine Anforderung, die wie in vielen anderen Unternehmen auch in der Läpple-Gruppe einen Wandel in der Personalarbeit gebracht hat – weg vom reinen Lohnabrechner hin zum Dienstleister. Natürlich sind diese neuen Aufgaben wie branchenüblich, unter der Kostensituation der Zulieferindustrie, ohne Hinzuführung neuer Mitarbeiter im Personalmanagement umzusetzen. Diese Vorgabe ist nur mit einer leistungsfähigen und integrierten Software zu bewältigen. So hat sich die Läpple-Gruppe im Jahr 2001 an den deutschen Standorten in Heilbronn, Weinsberg, Hassmersheim und Teublitz gemeinsam für die Personal-Software von P&I entschieden und innerhalb eines halben Jahres die Entgeltabrechnung eingeführt. Inzwischen werden auch die Module für Stellenmanagement und die digitale Archivierung sowie das Mitarbeiter- und Führungskräfte-Portal aktiv eingesetzt. Auf der Basis einer integrierten personalwirtschaftlichen Lösung konnte der Anteil der administrativen Arbeit reduziert werden. Die Personalabteilung konnte sich so die erforderlichen Freiräume für strategische Aufgaben beispielsweise in der Personalentwicklung schaffen.Integrierter Ansatz – auch bei der Era-EinführungSo war es für Läpple nur eine logische Fortführung dieses Ansatzes, sich auch bei der Einführung des Era (Entgeltrahmenabkommen) schon frühzeitig Gedanken über eine adäquate technische Unterstützung zu machen.Die seitens des Verbandes Südwestmetall sehr konsequent durchgeführten Schulungen zum Thema „Era“ brachten immer mehr die Erkenntnis zu Tage, dass mit der Einführung des Era ein großer Umbruch ins Haus steht, der im Personalwesen zweifelsohne in einer Reihe mit Aufgaben wie der Einführung des Monatslohns, des Euro oder der Altersteilzeit steht.Daher ist bei der Era-Einführung ein strukturiertes Vorgehen wichtig, allerdings sollte kein überfrachtetes theoretisches Konzept aufgebaut werden. Viel mehr ist die Personalabteilung gefragt, eine an die eigenen Bedürfnisse, den Organisationsgrad und die Unternehmensgröße angepasste Lösung zu finden. Bei der Era-Einführung empfiehlt sich die Aufteilung in vier Teilprojekte, wobei diese je nach Unternehmensgröße auf eine Hand oder personell verteilt organisiert sein können.- Teilprojekt 1: Welche Mitarbeiterstruktur gibt es? Wie vielfältig sind die Arbeitsplätze und Tätigkeiten im Unternehmen? Wie gut sind diese beschrieben? Bestehen konkrete Kenntnisse über die erforderlichen Qualifikationen an den Arbeitsplätzen?- Teilprojekt 2: Welche Entlohnungsgrundsätze kommen aktuell im Unternehmen zur Anwendung? Besteht der Bedarf und der Wunsch neue Entlohnungskonzeptionen, gegebenenfalls auf Kennzahlen oder Zielvereinbarungen basierende Leistungsentgelte, mit dem Era einzuführen?- Teilprojekt 3: Welche Betriebsvereinbarungen bestehen zum Thema Entgelt? Welche Ausrichtung hat die Arbeitnehmervertretung?- Teilprojekt 4: Wer ist verantwortlich für die Umsetzung der Beschreibungen und Bewertungen? Wer übernimmt die Schulung der „Bewerter“, der Vorgesetzten und letztendlich auch die Information der Mitarbeiter? Das Teilprojekt Organisation und DV-Prozesse findet sich in dieser Aufstellung zwar erst an Position 4, es empfiehlt sich aber durchaus, schon frühzeitig die vorhandene Software anhand eines Pflichtenheftes beziehungsweise Anforderungskataloges auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Era als Chance für NeugestaltungDie Era-Einführung ist ein äußerst komplexes Projekt, da die gesamte Entgeltstruktur neu gestaltet werden muss. Daher sollten die Unternehmen sich bereits jetzt mit der Planung dieses Projektes befassen. Im Hause Läpple stand die Era-Einführung zunächst nicht an erster Stelle der zu erledigenden Aufgaben. Erfreulich war, dass im Gegensatz zu manch anderem Unternehmen die Geschäftsleitung und auch die oberen Führungskräfte schnell Verständnis für Era fanden. So wurde auf oberster Ebene eine Arbeitsgruppe gebildet, um die wesentlichen Strukturen und Fragen auf den Weg zu bringen. Zudem sollte diese Neugestaltung auch noch als Chance genutzt werden, um organisatorische Fehlentwicklungen zu korrigieren. Arbeitsplätze sollten nicht nur neu bewertet, sondern auch in ihrer inhaltlichen Gestaltung und in ihrer Einbindung in die Abläufe analysiert werden. Nach dieser Neuausrichtung wurden die Kernarbeitsplätze durch die Arbeitgeberseite als Gerüst bewertet.Aktuell werden Gespräche mit dem Betriebsrat geführt, wie die Vorgehensweise bei der Umsetzung im Hause sein soll. Die Kernarbeitsplätze werden abgeklärt und mit dieser Vorgabe dann alle weiteren Arbeitsplätze eingestuft. Parallel hierzu ist man seit längerem dabei, geeignete Entlohnungssysteme zu finden, die wieder stärker einen Leistungsanreiz abbilden. Zusätzlich wurde bei Läpple das Mitarbeitergespräch in seiner Bedeutung wesentlich gestärkt und es wird künftig als Baustein bei der Entlohnung und bei der Information zum Era eine wichtige Rolle spielen. Bewertung der Arbeitsplätze wird erleichtertAußer den genannten Ansätzen kommt beim Era noch ein zusätzlicher Punkt ins Spiel. Für die Einführung des Era steht den Unternehmen ein Zeitraum zur Verfügung, in welchem die Einführung stattfinden kann, aber auch muss. Ab dem Umstellungszeitpunkt ist für die Dauer von fünf Jahren eine Kostenneutralität gewährleistet. Da die Neutralität nicht auf Dauer gesichert ist, stellt sich die Frage, was Era für ein Unternehmen finanziell unter dem Strich bringt. Diese Frage zu beantworten, sie beantworten zu können, das ist die Aufgabe des Personalwesens. Daher sollte schon vorab eine grobe Kostenkalkulation erstellt werden.Daher war für Läpple auch bei der Era-Einführung ein integriertes Konzept erforderlich, das auf der Basis der P&I-Lösung umgesetzt wird. Das Ergebnis der Arbeitsplatzbewertungen, die im Rahmen von Era erforderlich sind, soll bei Läpple nicht bei jedem einzelnen Mitarbeiter geändert werden. Viel mehr sollen die Bewertungen in Gruppen den Arbeitsplätzen beziehungsweise Stellen zugeordnet sein, die im Stellenplanungsmodul hinterlegt sind. Ändert sich dort etwas, so soll dies ohne manuelle Änderung bei den jeweiligen Mitarbeitern hinterlegt werden. Im Gegenzug soll auch direkt aus einer Umsetzung eine für den neuen Arbeitsplatz bewertete Tarifgruppe zur Anwendung kommen. Vorgesetzte sollen in einem IT-gestützten System die Bewertungen der Arbeitsplätze einsehen können. Beurteilungen müssen beim Vorgesetzten vor Ort in einer digitalen Personalakte, die über das Portal zur Verfügung gestellt wird, verfügbar sein. Schon in der Vorbereitung zum Era ist eine systemgestützte Kostenkalkulation erforderlich, die ein integriertes Kalkulationsprogramm liefert. Nach und nach ist bei Läpple ein Bewusstsein entstanden, dass mit dem Era für die Unternehmen der Metallindustrie und auch für die in diesem Kundenkreis tätigen Softwareunternehmen eine gravierende Herausforderung vor der Tür steht.
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