Personal

Frauen sind die belastbareren Manager

08.03.2010 | Redakteur: Stéphane Itasse

Das Land mit den europaweit geringsten Unterschieden im Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen sei im Jahr 2008 Italien gewesen (4,9%). Auch Slowenien (8,5%), Rumänien, Belgien (jeweils 9,0%), Malta und Portugal (jeweils 9,2%) verzeichneten einen eher moderaten Gender Pay Gap.

Wenig Änderungen bei den Bezahlungsunterschieden zwischen Männern und Frauen

Verglichen mit dem Vorjahr ließen sich insgesamt kaum Veränderungen feststellen. Allerdings sei der Gender Pay Gap in Zypern und der Slowakei, der im Jahr 2007 noch über dem für Deutschland lag, 2008 mit 21,6% für Zypern beziehungsweise 20,9% für die Slowakei geringer als in Deutschland ausgefallen.

Bei der Interpretation der Werte sollte berücksichtigt werden, dass es sich um den unbereinigten Gender Pay Gap handelt, so das Statistische Bundesamt. Aussagen zum Unterschied in den Verdiensten von weiblichen und männlichen Beschäftigten mit gleichem Beruf, vergleichbarer Tätigkeit und äquivalentem Bildungsabschluss seien damit nicht möglich.

Frauen schaffen es selten bis ins Top-Management

Dies zeigt auch die Studie „Frauen in Führungspositionen“ der Hoppenstedt Firmeninformationen. Danach steigt der Frauenanteil in der ersten und zweiten Führungsebene zwar kontinuierlich. Jedoch bleibe der Anteil weiblicher Topmanager bei großen Unternehmen sehr gering und steige langsamer als in der übrigen Wirtschaft. Nach wie vor zeigten sich bei der Betrachtung der Bundesländer und einzelner Branchen sehr starke Unterschiede.

Während der Frauenanteil im Management insgesamt (erste und zweite Führungsebene aller Unternehmen) sich seit 1995 von 8,17 auf jetzt 19,56% mehr als verdoppelt habe, sei der Anteil von Frauen im Topmanagement von Großunternehmen mit mehr als 20 Mio. Euro Umsatz lediglich von 3,2 auf 5,9% gestiegen und zwischenzeitlich sogar rückläufig gewesen.

Großunternehmen machen es Frauen am schwersten

Bei Unternehmen mit mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz liege der Anteil sogar nur bei aktuell 3,5% und bei Aktiengesellschaften mit Notierung in einem der DAX-Indizes sogar nur bei 3,15%. Bei den DAX-30-Unternehmen sei zum Stichtag sogar nur eine einzige Frau im Topmanagement geführt. Es handle sich um Barbara Kux, Vorstandsmitglied der Siemens AG.

Der Anteil von Frauen älter als 30 Jahre im Management steige leicht. Nach wie vor gebe es jedoch einen starken Knick: Während der Frauenanteil bei den 20- bis 30-jährigen Führungskräften immerhin schon fast 25% erreiche, sacke er bei den 30 bis 40jährigen auf knapp 17% ab und nehme dann für jede Altersdekade weiter ab.

Auch das Alter des Unternehmens spiele für den Erfolg von Frauen im Management eine Rolle: Firmen, die bis 1900 gegründet wurden, beschäftigten nur 14,5% weibliche Führungskräfte in der ersten und zweiten Ebene. Bei jüngeren Gründungen steige dieser Wert auf bis zu 20%.

Frauen haben in Ostdeutschland bessere Karrierechancen

Betrachtet man den Frauenanteil nach Bundesländern, ergebe sich ein deutliches Ost-/West- und ein leichtes Nord-/Süd-Gefälle: Die neuen Bundesländer und Berlin hätten den signifikant höchsten Anteil an Frauen im Management, die nördlichen alten Bundesländer Niedersachsen, Hamburg und Bremen würden zusammen mit Nordrhein-Westfalen das untere Ende der Tabelle bilden.

Für das Ost-/West-Gefälle gibt es auch strukturelle Gründe: In Ostdeutschland gebe es einen sehr großen Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen, die wiederum generell mehr Frauen in Führungspositionen beschäftigten als Großunternehmen. Dazu komme, dass Frauen schon zu DDR-Zeiten deutlich häufiger berufstätig waren als im Westen und damit eine andere Ausgangsbasis existiere.

Frauen in technischen Führungspositionen unterrepräsentiert

Frauen nehmen sehr stark Führungsaufgaben in den Bereichen Personalwesen, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing wahr, heißt es. Dagegen seien sie beispielsweise im technischen Bereich wie der Forschung und Entwicklung nur gering vertreten. Dies spiegle sich in den akademischen Abschlüssen: Nur 3,7% aller Ingenieurswissenschaftler und nur 12,7% der Naturwissenschaftler im Management seien Frauen.

Auch die Branchen würden diesen Trend reflektieren: In der Energieversorgung, dem Bergbau, dem Bau oder auch dem verarbeitenden Gewerbe liegt der Frauenanteil im Management teilweise deutlich unter 20%. Hoch sei er hingegen im Bildungssektor, dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie dem Gastgewerbe.

Unternehmen investieren weiter in Frauenförderung

Die Bedeutung von Entwicklungsprogrammen für Frauen sei vielen führenden Unternehmen bewusst. Trotz Krise haben im vergangenen Jahr nur 3% der weltweit befragten Unternehmen Fortbildungen für Führungskräfte sowie Mentoringprogramme für Managerinnen gekürzt, heißt es in der Accenture-Mitteilung. Rund ein Fünftel der Studienteilnehmer berichtet sogar von gestiegenen Investitionen in diesem Bereich.

Um Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen, setze fast die Hälfte der Unternehmen auf Programme, die Mitarbeitern einen Mentor an die Seite stellen (48%) oder helfen sollen, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren (46%). Im Vergleich zum Vorjahr bereiteten inzwischen mehr Unternehmen Frauen auf Führungspositionen vor, alleine in Deutschland täte dies knapp ein Drittel (28%).

Möglichkeiten zur Frauenförderung noch nicht ausgeschöpft

Allerdings gebe es nach wie vor Verbesserungsmöglichkeiten. So würden etwa externe Coaches bislang nur von 37% der befragten Unternehmen eingesetzt, um Nachwuchsmanagerinnen zu fördern. Außerdem ermutigten etwa in Deutschland oder der Schweiz noch immer verhältnismäßig wenige Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen dazu, professionellen Netzwerken beizutreten (35 beziehungsweise 22%). Und auch in punkto Work/Life-Balance könnten deutsche Unternehmen von denen in Kanada oder Australien lernen – dort hätten jeweils 67% der Befragten angegeben, dass sie entsprechende Unterstützung durch den Arbeitgeber erhalten.

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