02.12.2009 | Autor / Redakteur: Andreas Wollny / Jürgen Schreier

Private Telefonate sind am Arbeitsplatz in der Regel tabu. Das war vor einem Jahrzehnt noch fast allen Arbeitnehmern klar. Doch heute wird in vielen Büros privat telefoniert, gechattet und gesurft, als befänden sich die Angestellten zuhause. Und manch Arbeitgeber kann sich dagegen kaum wehren – weshalb er im Extremfall eine Kündigung ausspricht.
Hubert Meyer, Inhaber einer kleinen Maschinenbaufirma, war irritiert. Fast jedes Mal, wenn er am Wochenende oder in den späten Abendstunden nochmals ins Büro kam, saß dort der neue Konstrukteur. Trotzdem „schmiss“ dieser fast alle Termine. Parallel dazu stieg die Rechnung seines Firmenhandys in schwindelerregende Höhen. Und schließlich legte ein Virus die IT lahm.
Firmenchef Meyer betrieb Ursachenforschung. Des Rätsels Lösung: Während seiner „Nacht- und Wochenendarbeit“ surfte der Konstrukteur auf Porno-Seiten und telefonierte mit kostenpflichtigen Sex-Nummern. Meyer entließ den „Übetäter“ , weil er keine aufwändigen Kontrollmechanismen in seiner Firma installieren wollte. „Das hätte unser Betriebsklima ruiniert“, so Meyer.
Ähnlich erging es Johann Plötz, Inhaber einer Werbeagentur. Lange war er mit der Leistung seiner Layouterin zufrieden. Dann aber registrierte er immer häufiger, wenn er überraschend ins Büro seiner Mitarbeiterin kam, dass diese hektisch das offene Fenster an ihrem PC schloss. Anfangs dachte Plötz: Okay, die macht ein Computerspiel. Macht nichts! Das mache ich auch manchmal. Doch dann stellte er fest: Die Layouterin loggt sich in ihren heimischen PC ein und erledigt private Layoutaufträge. Mehrere Gespräche folgten, in denen der Agenturinhaber der Mitarbeiterin klar sagte: So nicht. Ohne Erfolg! Also zog Plötz die Reißleine und entließ die Mitarbeiterin.
„Juristisch waren die Reaktionen beider Unternehmer in Ordnung“, betont Michael Lodzik, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Darmstadt. „Denn wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel das Internet exzessiv für private Zwecke nutzt, kann sogar fristlos gekündigt werden.“
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