25.02.2010 | Redakteur: Stéphane Itasse

Die meisten deutschen Unternehmen gehen nicht strategisch gegen Kriminalität im eigenen Haus vor. Wie eine Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhousecoopers (PWC) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zeigt, haben 56% von 500 befragten Unternehmen keine konsistenten Richtlinien und Methoden zur Abwehr von Wirtschaftskriminalität etabliert, wie PWC am Donnerstag mitteilt.
Bei mehr als jedem zweiten dieser Unternehmen stehe die Einführung eines Compliance-Programms auch mittelfristig nicht auf der Agenda. Doch auch bei vielen Unternehmen, die über ein Compliance-Programm verfügen, zeige die Studie Verbesserungsbedarf auf.
Häufig seien die Programme zu eng auf bestimmte Delikte und Zielgruppen zugeschnitten. Zudem würden oft die personellen Ressourcen fehlen. Insgesamt hat die Unternehmensberatung nach eigenen Angaben 500 Unternehmen befragt.
Wie viele Mitarbeiter mit dem Thema Compliance befasst sind, hänge vor allem von der Größe der Unternehmen ab. Im Durchschnitt der Studie haben Unternehmen zehn Beschäftigte, die für die Kontrolle und Durchsetzung der internen Regelwerke zuständig sind, heißt es.
Allerdings gebe es bei gut einem Drittel der Befragten mit mehr als 1000 Beschäftigten und bei etwa jedem achten Großunternehmen mit über 5000 Beschäftigten lediglich einen einzigen für Compliance zuständigen Mitarbeiter. „Bei Unternehmen dieser Größenordnung hätten unter diesen Voraussetzungen haben Compliance-Bemühungen kaum Aussicht auf Erfolg. Von den befragten Unternehmen würden 61% ihre Compliance-Ressourcen für ausreichend halten, während 22% die vorhandene Ausstattung als „mittelmäßig“ und 17% sogar als „unzureichend“ einstuften.
Die Compliance-Verantwortung liege bei den meisten Unternehmen (69%) bei der Geschäftsführung, gut sechs von zehn Befragten hätten einen Compliance-Beauftragten. Wenn die Zuständigkeit für die Regelüberwachung übertragen werde, liege diese meist bei der Rechtsabteilung (55% der Unternehmen), eine eigene Compliance-Abteilung hätten nur 29% der Befragten.
Compliance-Programme richten sich bei der großen Mehrzahl der Unternehmen an Führungskräfte (92%) sowie die weiteren Mitarbeiter (82%), heißt es. Externe Personen seien demgegenüber weitaus seltener eingebunden. Nur knapp jedes zweite Unternehmen (47%) beziehe seine Lieferanten und Subunternehmer in das Regelwerk ein, andere „Drittparteien“ (beispielsweise Kunden) würden nur von 39% der Compliance-Programme angesprochen.
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