08.08.11 | Autor / Redakteur: Robert Weber / Robert Weber

Der Maschinen- und Anlagenbau ist so etwas wie der FC Bayern der deutschen Industrie. Wenn die Fußballer die Champions League verpassen, droht Ungemach in München. Gleiches gilt für die Betriebe. Die Wertschöpfungsketten sind nur auf Regionalliganiveau. Die Königsklasse ist für viele weit weg.
Wer Dr. Torsten Becker von der Unternehmensberatung Bestgroup in den letzten Wochen erreichen wollte, hatte es schwer. Selbst Journalisten hatten oft kein Glück. Ein freundlicher Mitarbeiter verwies am Telefon immer auf wichtige Gesprächstermine.
Der Berater muss gefragt sein, vielleicht auch deshalb, weil die Studie seines Unternehmens für Aufsehen unter den Logistikern im Anlagen- und Maschinenbau sorgte. Seine These: Die Supply Chain Revolution ist im Maschinenbau noch nicht angekommen. Vereinfacht ausgedrückt: Die Maschinenbauer spielen in der Regionalliga, wenn es um ihre Wertschöpfungsketten geht.
Ein ungewohntes Umfeld für die erfolgsverwöhnte Branche. Mit ihren Produkten spielen sie meistens in der Champions League, für das Supply Chain Management (SCM) der Unternehmen reicht es aber oft nur für die Amateurklasse.
Bei der aktuellen Supply-Chain-Studie Bestlogistics der Umsetzungsberatung Bestgroup mussten sich die Maschinenbauer deshalb auf den hinteren Plätzen einsortieren. Bei den wichtigen Kennzahlen Bestandsreichweite, Lagerumschlag, Cash-zu-Cash-Zykluszeit und Wertschöpfung pro Mitarbeiter hinkt der Maschinenbau im Branchenvergleich hinterher, heißt es in der Studie.
Der Primus ist bei den meisten Kennzahlen die Automobilzuliefererindustrie. Um den besten Branchenwert über alle Industriesektoren zu erreichen, müssten die Maschinenbauer die Bestandsreichweite um über 80% senken. Die Berater sprechen von einem Lippenbekenntnis des Maschinenbaus zum SCM. Großen Nachholbedarf sehen die Experten unter anderem beim Materiallagerbestand.

Er ist bei den mittleren Betrieben um ein Viertel auf aktuell über 50 Tage gestiegen. Bei den besten Unternehmen ist der Materialbestand in den letzten sieben Jahren um 40% auf fast 25 Tage angewachsen. Doch warum hapert es im Maschinenbau, wenn es um die Supply Chain geht?
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