Kombistapler

Im Schmalgang geben RFID-Tags künftig die Richtung für die Stapler vor

Jungheinrich hat Mitte Februar während der Stuttgarter Fachmesse Logimat einen neuen Dreiseitenstapler vorgestellt, der von einem in dieser Form bishe

15.03.2007 | Autor / Redakteur: Bernd Maienschein / Bernd Maienschein

Wegweisend: Jungheinrich setzt bei der Steuerung der neuen Schmalgangstapler auf Transponder im Boden. Bilder: Jungheinrich

Jungheinrich hat während der Stuttgarter Fachmesse Logimat einen neuen Dreiseitenstapler vorgestellt, der von einem in dieser Form bisher einzigartigen Staplermanagement gesteuert wird. Der Kombistapler EKX 513-515 mit einer Tragkraft bis 1,5 t und einer maximalen Hubhöhe von 14,5 m wird per RFID-Tags im Fußboden gesteuert. Die Maschine geht im Mai in Serie.

Hinter dem Begriff „Kombistapler“ verbirgt sich einiges: Während bei Man-down-Geräten der Bediener unten sitzt und ganze Paletten ein- und ausstapelt, bei den Order-Pickern der Mann zwar mit hoch fährt, dort aber nur kommissionieren kann, ist der neue Kombistapler der Reihe EKX 513-515 von Jungheinrich dagegen ein echtes Multitalent. Beim neuen 80-Volt-Schmalgang-Gerät fährt der Mann mit hoch und kann sowohl stapeln als auch kommissionieren.

Flexibilität über die gesamte Lebensdauer wird gefordert

Die Entwicklungsziele für den Stapler lagen auf der Hand: Resultierend aus kürzeren Produktlebenszyklen, werden auch die Zeiten, in denen Kunden wie beispielsweise Logistikdienstleister wissen, wie lange sie mit welchen stabilen Lastgrößen rechnen können, immer kürzer. Der Markt fordert daher offene Systeme, die über ihre gesamte Lebensdauer möglichst flexibel sind.

Hinzu kommen ergonomische Aspekte – der Staplerfahrer soll davon begeistert werden, hohe Leistung komfortabel umsetzen zu können. Außer Leistung und Energiehaushalt, die beide entscheidend die Effektivität der Maschine beeinflussen, musste der Stapler noch auf künftig zu erwartende Sicherheitsstandards ausgelegt werden.

RFID-Transponder im Boden steuern den Kombistapler

Hinter dem Jungheinrich-Slogan „Die Zukunft des Lagers ist klein, gelb und intelligent“ verbirgt sich ein modernes Bodensteuerungskonzept für die EKX-513-515-Stapler. Werden Schmalgangstapler bisher klassisch mit Hilfe im Boden eingelassener Magnete gesteuert, die von unten am Stapler angebrachten Magnetlesegeräten erkannt werden, geht Jungheinrich mit der RFID-Technologie (Radio-Frequency Identification) einen komplett neuen Weg: Zigarettenfiltergroße – in diesem Fall gelbe – RFID-Tags (Transponder) werden in ein kleines Loch im Boden gesteckt, das versiegelt wird.

Ein Lesegerät an Bord des Staplers regt die Transponder im Boden an, ihr „Geheimnis“ preiszugeben – deutlich mehr als ein einfaches Ja/Nein der bisher eingesetzten Magnete, denn die RFID-Tags lassen sich mit Zusatzinformationen beschreiben. Ergänzend zum RFID-Lesegerät sind die Neuen mit einer Wegmess-Sensorik ausgestattet. Alle Räder messen die Wege, die der Stapler fährt. Die Kombination aus Bodentransponder und Sensorik führt letztendlich dazu, dass der Anwender über ein „GPS im Lager“ verfügt.

Stapler entwickeln sich zu Systemgeräten

Fahrzeuge wie die neuen EKX 513-515 sind immer Systemgeräte: Das Fahrzeug selbst arbeitet in einem System zusammen mit anderen Komponenten wie dem Fußboden als wichtiges Element, Regalen oder einem Materialfluss-Management-System. Das macht die Intelligenz dieses Systems aus. Der Kundennutzen einer intelligenten Steuerung erschließt sich schnell: Über die auf den RFID-Tags im Boden gespeicherten Informationen weiß der Stapler immer genau, wo er ist.

Im Prinzip kann dem Stapler die komplette Bodentopologie des Lagers mit auf den Weg gegeben werden. Wo Fahrzeuge bisher wegen nur einer Schwachstelle im Lager komplett in ihrer Geschwindigkeit beschränkt werden mussten, kann per RFID punktuell reagiert und beispielsweise abgebremst werden.

Jungheinrich entwickelt neues Rechnersystem zur Staplersteuerung

Weil die mechanische Seite heute nicht mehr das ausschlaggebende Kriterium ist, um im umkämpften Staplermarkt zu bestehen, setzt Jungheinrich verstärkt auf die Intelligenz seiner Maschinen und hat dazu ein neues Rechnersystem entwickelt. Der JXP, der Jungheinrich-Experience-Steuerungs-Rechner, ist ein vollständig redundantes Rechnersystem. Alle Rechenvorgänge laufen komplett zweikanalig ab und überprüfen sich gegenseitig. Alle Kommunikationsdaten müssen auch einen Sicherheitsrechner durchlaufen, der selbst für die Jungheinrich-Monteure unantastbar ist. Im Master-Rechner kann programmiert werden, er sorgt für die Flexibilität der Maschine. Der Sicherheitsrechner sorgt für sichere Operationen.

Um den hohen Sicherheitsanspruch zu dokumentieren, hat Jung-heinrich seine neuen Stapler mit dem verwendeten CAN-Bussystem TÜV-zertifizieren lassen. Im Ergebnis hat man für das komplette Fahrzeug den Safety-Integrated-Level-2 erreicht (Europanorm). Das gesamte Fahrzeug entspricht also einem sehr hohen Sicherheitsstandard.MM

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