RFID

Die Zeit der Pilotprojekte ist vorbei

29.01.2009 | Autor / Redakteur: Volker Unruh / Volker Unruh

Nach Hype und Flaute setzt DHL wieder verstärkt auf RFID.

Ulrich: Ja, die Technik ist weit vorangekommen, und vor allem sind die Leseraten deutlich besser geworden: Inzwischen wird die magische Grenze von 99% erreicht. Außerdem kommen von unseren Kunden immer mehr und immer konkretere, auf spezielle Anwendungsfälle bezogene Nachfragen. Was RFID angeht, haben wir das Tal der Tränen durchschritten, die Zeit der Pilotprojekte ist vorbei. Von der Metro in Frankreich wurden wir beispielsweise mit der Erstellung einer technischen Expertise beauftragt, wie wir deren Informationsmanagement verbessern könnten. Nach Abschluss haben wir 89 Cash-and-Carry- sowie fünf zentrale Warenläger mit einer RFID-Lösung als bester aller Möglichkeiten ausgestattet. Neu dabei ist, dass wir, der Logistiker, dem Kunden die Lösung geliefert haben. Früher war es umgekehrt: Der Barcode zum Beispiel wurde vom Handel eingeführt und die Logistik musste darauf reagieren.

Aber wo liegen denn jetzt die greifbaren Vorzüge von RFID?

Ulrich: Nun, unter anderem erhalten wir eine wesentlich bessere Übersicht, wo sich die von uns beförderten Waren in der Supply Chain gerade befinden. Ein Beispiel: Wir haben in Europa ein eigenes Fashion-Netzwerk für hängende Kleidung. Stellen Sie sich einmal vor, wie viele Kleidungsstücke in der Hauptsaison kurz vor Weihnachten durch ein Lager gehen. Da kann man gar nicht jeden Barcode einzeln abscannen. Durch RFID und die Möglichkeit der Pulk-Erfassung jedoch erhalten wir und alle Beteiligten die für diese Prozesse wünschenswerte und inzwischen auch erforderliche Visibility.

Aber das ist ja nichts wirklich Neues...

Ulrich: Dieses Beispiel wohl nicht. Aber, wie schon gesagt, wir bieten ja auch ständig neue Eigenentwicklungen auf dem Markt an. Erheblichen Nutzen versprechen wir uns in Zukunft von RFID in Kombination mit Sensorik. Wir haben einen RFID-Sensor-Tag entwickelt, mit dem wir nicht nur alle produktrelevanten Informationen, darunter auch Lebensdauer und -zyklus, speichern, sondern während des Transportes auch die Temperatur der Fracht oder die Luftfeuchtigkeit in deren Umgebung aufzeichnen können. Besonders in der Lebensmittel- und in der Pharmaindustrie ist ein vollständiges Monitoring dieser Parameter unbedingt erforderlich. Das ist mit einem Barcode auf keinen Fall hinzubekommen.

Aber gerade in der Lebensmittel- oder Pharma-Industrie werden doch sehr häufig Kühlboxen und Metallbehälter eingesetzt oder auch Flüssigkeiten transportiert. Stoßen Sie da mit RFID nicht manchmal an die Grenzen des technisch Machbaren?

Ulrich: Kaum. Den Shield-Effekt bei RFID, den Sie ansprechen, umgehen wir, indem wir die RFID-Komponente von der Sensorik-Komponente trennen und über Leiterbahnen miteinander verbinden. So ist der Sensor nah am Produkt und der Transponder außen am Verpackungsmaterial, wo er beste Leseraten gewährleistet. Dieses Prinzip können Sie bei allen Arten von Transporten für die verschiedensten Industrien einsetzen.

Wenn ein Global Player bestimmte Techniken voranbringen will – wie wichtig ist dabei die Kooperation mit anderen Unternehmen und wie eng ist dabei der Patent- oder Markenschutz zu sehen?

Ulrich: Natürlich lassen wir unsere Entwicklungen patentrechtlich schützen, aber wir geben ja auch Patente für den Markt frei. Wir haben ein globales Innovationspartnerkonzept, weil wir glauben, dass es sehr wichtig ist, marktgerechte Lösungen zusammen mit anderen Unternehmen und immer zusammen mit dem Kunden zu entwickeln. Patentrechtlich haben wir mit unseren Partnern eine einvernehmliche Regelung gefunden.

Dr. Keith Ulrich

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