Export

Deutschlands Wirtschaft lebt von der Ausfuhr

28.04.2008 | Redakteur: Jürgen Schreier

Dr. Gerd Herx, Direktor der Bundesagentur für Außenwirtschaft: „Fast jeder zweite hier erwirtschaftete Euro wird durch Auslandsgeschäfte verdient, zudem schafft der Export immer mehr Arbeitsplätze und sichert damit den Standort Deutschland.“

Köln (js) – Selbst wenn die deutsche Wirtschaft Gefahr läuft, in absehbarer Zukunft den Titel des „Exportweltmeisters“ an die VR China zu verlieren, sollte sie nicht in tiefe Depression verfallen. „Dieser ist eher von ideeller Bedeutung und basiert immer mehr auf Rechenspielereien“ , so Dr. Gerd Herx, Direktor der Bundesagentur für Außenwirtschaft (Bfai). „Fast jeder zweite hier erwirtschaftete Euro wird durch Auslandsgeschäfte verdient, zudem schafft der Export immer mehr Arbeitsplätze und sichert damit den Standort Deutschland.“.

Entscheidend für die Rangfolge der Exportnationen sind unter anderem statistische Erfassungsmethoden. Würden nämlich nicht nur Waren, sondern auch Dienstleistungen erfasst, ginge die „Ausfuhrkrone“ an die USA. Und würde die Rangfolge nach der Kennziffer „Größte Exportnation pro Kopf der Bevölkerung“ berechnet, hätte Singapur die Nase vorn.

Hinzu kommen Wechselkursaspekte. Da der Euro im Verhältnis zum US-Dollar seit seinem Tiefststand 2001 inzwischen um 53% im Jahresdurchschnitt 2007 gestiegen ist und der Greenback weiterhin schwächelt, wird die Kür des Exportweltmeisters immer mehr zur Rechenübung. Das Wechselkursproblem wird durch folgendes Beispiel deutlich: Die deutschen Exporte 2007 sind in Euro fakturiert um 8,5% auf 969 Mrd. Euro, in US-Dollar berechnet jedoch um 18,4% auf 1329 Mrd. Dollar gestiegen.

Exportquote dynamisch gewachsen

„Die deutsche Wirtschaft wird immer abhängiger von Auslandsgeschäften“, erläutert Herx. So steuerten die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen 2007 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 47% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Interessant ist dabei vor allem die Dynamik der Entwicklung, denn die Exportquote legte seit 2005 um fast sechs Prozentpunkte zu. 1991 lag der Ausfuhranteil am BIP erst bei 26%.

Traditionelle Exportbranchen sind die Kfz-Industrie und die chemische Industrie. Auch im Maschinenbau werden etwa 70% des Geschäftes im Ausland abgewickelt. Bei der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie entfielen 2007 knapp 47% der Gesamtumsätze auf das Auslandsgeschäft. Im Jahr 2000 waren es vier Prozentpunkte weniger.

Exportwelle erfasst fast alle Sektoren

Die Exportwelle hat inzwischen nahezu alle Wirtschaftsbereiche erfasst. So strebt beispielsweise die deutsche Erneuerbare-Energien-Branche bis zum Jahr 2020 eine durchschnittliche Exportquote von 80% an – das wäre doppelt so viel wie 2007. Vor sechs Jahren wurden in dieser zukunftsträchtigen Sparte erst 15% der Umsätze im Ausland erzielt.

Das Ausfuhrgeschäft ist ein wahrer Jobmotor. Nach Destatis-Angaben waren 2006 bereits 8,9 Mio. Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland vom Export abhängig. Das entsprach fast 23% aller Erwerbstätigen. 1995 arbeiteten nur etwa 15% der Erwerbstätigen für den Export.

Der Standort Deutschland profitiert vom zunehmenden Auslandsengagement der deutschen Unternehmen. Das belegt auch die Umfrage „Going International 2007“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Die Exportwirtschaft hat seit Juli 2006 in Deutschland zusätzlich rund 200000 Arbeitsplätze geschaffen. Allein für den deutschen Maschinenbau meldete der VDMA für 2007 insgesamt 50000 neue Jobs, im laufenden Jahr sollen nochmal 30000 Arbeitsplätze hinzukommen. Der ZVEI konnte bei seinen Mitgliedsfirmen im letzten Jahr 23000 neue Beschäftigungsverhältnisse verbuchen.

Exportorientierte Unternehmen schaffen Arbeitsplätze im Inland

„Dabei sind es vielfach mittelständische Betriebe“, betont Dr. Herx, „die – durch Neuengagements im Ausland beflügelt – Personal im Inland einstellen und damit nachhaltig dazu beitragen, den Standort Deutschland zu stützen. Zwar finden diese Maßnahmen in den Medien viel weniger Beachtung als etwa Großinvestitionen auf der grünen Wiese, doch sind sie zusammen genommen von immenser Bedeutung für die deutsche Wirtschaft.“

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