Außenwirtschaft
Osteuropas Basarökonomien haben wenig Chancen im Abschwung
12.05.2009 | Redakteur: Peter Steinmüller
Die Wirtschaft Polens, Ungarns, Tschechiens und der Slowakei leidet besonders unter der Wirtschafts- und Finanzkrise. Ein Grund dafür ist die enge Verflechtung der osteuropäischen Volkswirtschaften mit dem Westen, denn ein Großteil der früheren Exportzuwächse Osteuropas ließ sich auf importierte Vorleistungen aus dem Westen zurückführen, die nunmehr ausbleiben. Auf diese Zusammenhänge weist das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hin.
- Allein zwischen 1998 und 2000 gingen in Ungarn fast 90% des Exportwachstums auf importierte Vorleistungen zurück. Der Importanteil der Ausfuhren stieg dabei von 43 auf 60%. Dieser Kreislauf ist dem IW zufolge gestört. Viele westliche Unternehmen nutzten in der Vergangenheit die gutqualifizierten und relativ günstigen Arbeitskräfte in Mittel- und Osteuropa für Offshoring-Geschäfte. Dabei liefert der Westen Vorleistungen – etwa Auto- oder Handyteile – nach Osten, wo sie zusammengebaut werden und anschließend als Re-Importe nach Westeuropa zurückwandern.
- In den mittel- und osteuropäischen (MOE-)Staaten kam es durch diese Arbeitsteilung zu einem starken Anstieg sowohl der Im- als auch der Exporte. So wuchsen die Einfuhren Polens, Ungarns, Tschechiens und der Slowakei zwischen 1995 und 2007 preisbereinigt um 225 bis 335%, die Ausfuhren sogar um 230 bis 360%.
- Dabei sind die mittel- und osteuropäischen Länder aber immer industriepolitische Leichtgewichte geblieben. Im Jahr 2006 kamen die vier MOE-Länder bei der Produktion von hochwertigen Industriegütern zusammen auf rund 2% der OECD-Wertschöpfung. Deutschland dagegen stellte mit gut 15% annähernd das Achtfache. Insofern seien auch Befürchtungen überzogen, die MOE-Staaten drohten den etablierten Nationen bei der Industriegüterproduktion den Rang abzulaufen.
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