Lean-prinzipien

Schlanke Geschäftsprozesse zahlen sich auch für Mittelständler aus

18.06.2008 | Autor / Redakteur: Reinhard Mayr / Claudia Otto

Damit die Lean-Einführung ein entsprechendes Gewicht im Unternehmen erhält, muss die Geschäftsleitung sich an diesem Prozess federführend beteiligen.Bild: MM-Archiv

Lean-Produktion ist bei vielen Unternehmen Alltag, insbesondere bei den „Großen“ in der Automobilindustrie. Dennoch steigt aktuell die Zahl der Studien und Symposien im Lean-Umfeld stetig an. Der Grund: Es gibt einen begründeten Lean-Nachholbedarf – vor allem in mittelständischen Unternehmen.

Das Ziel von Lean ist schnell formuliert: Lean ist ein kundenorientierter, systematischer Ansatz, um Verschwendung zu identifizieren und zu beseitigen. Dazu werden alle Geschäftsprozesse, die zur Erbringung der Firmenleistung erforderlich sind, kontinuierlich überprüft und unter Berücksichtigung der Qualitätsanforderungen des Kunden verbessert.

Das gesamte Unternehmen, sämtliche Geschäftsprozesse sind darauf auszurichten, was der Kunde vom Unternehmen erwartet und wofür er bereit ist zu bezahlen. Und das sind Werte wie Zuverlässigkeit, hohe Funktionalität, beste Qualität so preisgünstig und schnell wie möglich.

Lean-Prinzipien einzuführen erfordert sehr langen Atem

Im Interesse der eigenen Wettbewerbsfähigkeit ist es daher nötig, jegliche Verschwendung zu vermeiden. Denn für Nachlässigkeit, Schlamperei und Fehler, verursacht durch das Produkt selbst oder durch inkonsistente Abläufe in den Geschäftprozessen des Unternehmens, bezahlt der Kunde nicht.

Studien weisen eindrucksvoll nach, dass Unternehmen, welche die Lean-Prinzipien befolgen, dafür reichhaltig belohnt werden: So verkürzen sich demnach Durchlaufzeiten um 90%, die Produktivität erhöht sich um 50%, der Umlaufbestand sinkt um 80%, die Qualität verbessert sich um 80% und die Fertigungsfläche verringert sich um 75%. Diese Zahlen dürften überzeugen.

Die Konsequenzen sind daher unmittelbar klar:

  • weg mit dem Ballast in allen Geschäftsprozessen, etwa unnötigen Liegezeiten, unnötigen Suchzeiten, unnötiger Fehlerkorrektur und entsprechender Nacharbeit;
  • konsequente Ausrichtung des Unternehmens am Wertstrom; das sind alle Geschäftsprozesse, die an der direkten Wertschöpfung beteiligt sind;
  • konsequentes Einführen von Prozesskennzahlen (Balanced Scorecard), um die Prozessleistung zu überprüfen und nachhaltig zu verbessern;
  • Sichern der Nachhaltigkeit durch begleitende organisatorische Maßnahmen (kontinuierlicher Verbesserungsprozess).

Doch das ist leichter gesagt als getan. Studien zeigen nämlich, dass 80% der Unternehmen bereits daran gescheitert sind, Lean-Prinzipien einzuführen. Der Hauptgrund: Die benötigte Zeit zur Umstellung wurde unterschätzt. Man dachte, Erfolge würden sich über Nacht einstellen.

Dabei haben selbst renommierte Unternehmen der Automobilindustrie mehrere Lean-Anläufe benötigt, um endlich nach mehreren Jahren kontinuierlicher Optimierung wieder in die Weltspitze vorzustoßen. Das macht deutlich: Lean erfordert einen sehr langen Atem.

Außerdem sind bei der Implementierung von Lean-Konzepten einige wichtige Erfolgsfaktoren zu beachten. Dazu gehören:

  • Die Prozessabläufe des Unternehmens müssen in den Mittelpunkt des Denkens rücken.
  • Es bedarf einer sorgfältigen Analyse der aktuellen Geschäftsprozesse, bezogen auf messbare Ausgangskennzahlen.
  • Ausrichtung auf einen schlanken Wertstrom (Eliminieren von Verschwendung in den Prozessen).
  • Geschäftsführung/Vorstand müssen das Lean-Team hinreichend und nachhaltig unterstützen.
  • Die Zielvorgaben des Lean-Managements sind rückzukoppeln mit den wirtschaftlichen Zielen der Mitarbeiter und des mittleren Managements (finanzielle Partizipation an den Einsparungen durch Verbesserungen).
  • Zusätzlich zur Lean-Schulung bedarf es eines Coaching-Konzepts, um die Mitarbeiter zu betreuen und zu qualifizieren.
  • Die Prozesszahlen sind kontinuierlich zu erheben und zu kommunizieren.

Damit Lean-Prinzipien tatsächlich gelebt werden, darf die Geschäftsführung Lean nicht halbherzig angehen, sondern muss Führungskräfte wie Mitarbeiter bei diesem Vorhaben unterstützen. Gefragt sind Vorbilder auf allen Unternehmensebenen, die mit ihrer Begeisterung für die Idee die Teammitglieder mitreißen und motivieren.

Inhalt des Artikels:

»1 »2 nächste Seite

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 256570) | Archiv: Vogel Business Media