06.05.2009 | Redakteur: Peter Steinmüller

„Wir haben einen Buyer-Markt. Die Logistikkosten sind in vergangenen Jahren um 50% gesunken. Wenn wir Einkäufer jetzt nicht Spaß haben, wann dann?“ Die provozierende Frage stellte Daniel Helmig in seiner Keynote zur Eröffnung der Messe E-Procure & Supply. Die harten Fakten scheinen dem obersten Supply-Chain-Manager bei ABB in Zürich Recht zu geben.
Pünktlich zum Auftakt der Messe für Beschaffungs- und Lieferantenmanagement in Nürnberg erzielte der deutsche Einkaufsmanager-Index den höchsten Anstieg seit mehr als sieben Jahren (wir berichteten), vermeldete Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des BME (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik), dessen Verband ideeller Träger der Veranstaltung ist. Auch die Indizes anderer Länder wie USA oder Großbritannien zeigen ein Ende der Talfahrt.
Allerdings erreicht der BME-Index nur ein niedriges Niveau. Trotzdem wagte Hildebrandt die Prognose: „Das Schlimmste für die Industrie scheint überstanden.“ Denn sein Verband registriere einen verlangsamten Rückgang des Neugeschäfts. Auch das Auftragsminus aus den Exportmärkten habe sich verringert.
Die Folgen der Krise für die elektronische Beschaffung erläuterte Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky von der Universität Würzburg anhand des BME-Stimmungsbarometers. Nach seinen Beobachtungen halten sich die Unternehmen mit neuen E-Procure-Projekten aufgrund von Budgetkürzungen zurück.
Zwar verstehen die Betriebe die aktuelle Krise durchaus als Chance für den Einkauf, wesentlich zum Kostensenken beizutragen. Allerdings beschränkten sich die meisten Unternehmen dabei auf das Optimieren von Prozessen, etwa durch elektronische Ausschreibungen und Kollaborationstools.
Die zu New-Economy-Zeiten hochgelobten Online-Auktionen würden von großen Unternehmen nur sporadisch genutzt, von Mittelständlern überhaupt nicht. Bei den aktuell genutzten Systemen gilt dem Würzburger Betriebswirtschaftler zufolge die Gleichung „E-Procurement = Kataloglösung“ weiterhin.
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