Maschinenhersteller Geiss

Twin-Sheet-Verfahren nimmt große flächige Leichtbauteile ins Visier

 

04.03.2010 | Redakteur/Autor: Josef-Martin Kraus

 

Der Maschinenhersteller Geiss liefert in Kürze die erste High-Speed-Maschine für Twin-Sheet-Anwendungen an den Thermoformer Hombach. Das Besondere daran ist der geplante Anwendungsbereich, der weit über das übliche Formteilspektrum beim Twin-Sheet-Verfahren hinausgeht. Die Herstellung großer flächiger Leichtbauteile hat der Uehlfelder Thermoformer im Visier.


High-Speed-Maschine mit Kniehebel für die Werkzeugbewegung oben und unten. Das verkürzt die Schließdauer und ermöglicht so die Verarbeitung dünner Folien im Twin-Sheet-Verfahren. Bild: Kraus
High-Speed-Maschine mit Kniehebel für die Werkzeugbewegung oben und unten. Das verkürzt die Schließdauer und ermöglicht so die Verarbeitung dünner Folien im Twin-Sheet-Verfahren. Bild: Kraus
Ausgangsprodukt sind Kunststofffolien, die von Rollen direkt verarbeitet werden: durch gleichzeitiges Thermoformen und Verschweißen zweier Folienbahnen, wobei die Schweißstellen punktförmig, linienartig oder flächig gesetzt werden, so dass die Maschine nach jedem Arbeitstakt zum Beispiel eine Leichtbauplatte oder Wärmeaustauscherfolie ausstößt.

Neues Twin-Sheet-Verfahren verarbeitet dünne Folienbahnen

Bislang ließen sich dünnere Folienbahnen im Twin-Sheet-Verfahren kaum verarbeiten. Problematisch war der schnelle Wärmeverlust der Folien nach dem Aufheizen, der eine gute Schweißqualität verhinderte. Er beschränkte die Verfahrensanwendung auf die Verarbeitung dickerer Materialien mit besserer Wärmespeicherung.

In sogenannten Karussellmaschinen, in denen die Formgebung und das Verschweißen nacheinander erfolgt, werden daher heute noch hauptsächlich Platten aus Polyethylen, Polypropylen oder ABS zu Serienprodukten wie Paletten verarbeitet — im Gegensatz zu den Twin-Sheet-Maschinen des Herstellers Geiss. Diese Ein-Station-Maschinen haben einen geschlossenen Doppelspannrahmen (closed chamber system), so dass zwischen den Platten nicht nur ein Wärmestau entsteht, sondern auch ein Luftpolster zur Abstandshaltung erzeugt werden kann. Dadurch lässt sich die Plattendicke reduzieren, dies reicht jedoch für die Verarbeitung dünnerer Folien nicht aus.

Dynamischere Werkzeugbewegung erlaubt Verarbeitung von Folien bis unter 0,5 mm Dicke

Die Lösung fand Geiss in einer dynamischeren Werkzeugbewegung. Bei der High-Speed-Maschine werden daher obere und untere Werkzeughälfte über 5-Punkt-Kniehebel bewegt. Das ermöglicht Schließzeiten unter 1 s, so dass die Verarbeitung von Folien mit Dicken bis unter 0,5 mm angestrebt wird.

Für Wärmeaustauscherfolien und Leichtbauplatten mit einer rasterförmigen Kernstruktur kann sich dadurch eine vereinfachte Herstellung ergeben, weil beim Twin-Sheet-Verfahren das Kleben entfällt und die High-Speed-Maschine laut Hombach in puncto Wirtschaftlichkeit das Tor zu größeren Stückzahlen für das Verfahren öffnen wird.

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