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Galvanotechnik

Gesetzliche Verordnungen trüben die Zukunftsaussichten der Branche

| Redakteur: Josef-Martin Kraus

ZVO-Manager Dr. Malte-Matthias Zimmer: „Reach bindet Ressourcen, die den Betrieben für die Weiterentwicklung fehlen werden.“ (Bild: Kraus)
ZVO-Manager Dr. Malte-Matthias Zimmer: „Reach bindet Ressourcen, die den Betrieben für die Weiterentwicklung fehlen werden.“ (Bild: Kraus)

Wenig erbaut sind die deutschen Galvaniseure von der Reach-Verordnung, die jetzt umgesetzt werden muss. Denn die vorwiegend mittelständiuschen Betriebe sind aufgefordert, sich für Beschichtungschemikalien teuer, personalaufwendig und hochbürokratisch eine Zulassung zu erwerben.

Knapp fünf Jahre nachdem die EU-Chemikalienverordnung Reach in Kraft getreten ist, treibt sie immer noch die Zornesröte ins Gesicht mittelständischer Galvaniseure. Grund ist deren Umsetzung, die nun ansteht. „Gerade Mittelstandsbetriebe, die bereits seit Jahrzehnten unter strengster Kontrolle fertigen, sind aufgefordert, sich für Beschichtungschemikalien teuer, personalaufwendig und hochbürokratisch eine Zulassung zu erwerben“, schimpft Dr. Malte-Matthias Zimmer, Geschäftsführer der Thoma Metallveredelung GmbH, Heimertingen. Auf der Pressekonferenz zur Branchenmesse O&S 2012 verschaffte sich der stellvertretende Vorsitzende des Zentralverbands Oberflächentechnik e. V. (ZVO) damit Gehör.

2011: Umsatzsteigerung wieder auf zweistelligem Niveau

Solche Entwicklungen trüben die Zukunftsaussichten der Galvanotechnik. Von den Umsatzzahlen her sollten sie eigentlich positiv sein. „Wie in den vergangenen zwei Jahren kann die Branche auf eine positive wirtschaftliche Entwicklung hoffen“, berichtete Zimmer. So hat sich die Umsatzsteigerung im vergangenen Jahr wieder auf zweistelligem Niveau bewegt.

Nun sollten laut Zimmer die Auswirkungen der vergangenen Krise endgültig überwunden sein. „Es ist zu erwarten, dass Innovationen und Investitionen in diesem Jahr einer weiteren Steigerung entgegenstreben“, ist der Geschäftsführer und Verbandsmanager von der Leistungsfähigkeit der Branche überzeugt. Impulse kommen dabei nicht nur von den klassischen Schichtabnehmern wie der Automobilindustrie und dem Maschinenbau, sondern zunehmend auch von Trendbranchen.

Der Bereich erneuerbare Energien stellt immer häufiger spezielle Anforderungen in Sachen Korrosionsschutz, Verschleißfestigkeit und weitere Oberflächeneigenschaften an die Galvanotechnik.

Reach bindet und verbraucht unternehmerische Ressourcen

Diese Entwicklung sollte nach Ansicht von Zimmer „von politischer Seite gestützt“ werden. Stattdessen ändere man die Spielregeln mit Maßnahmen wie Reach – der EU-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Diese Änderungen gefährdeten die Zukunftspläne der Galvanotechnik, ohne dass dabei die damit gesteckten Ziele erreicht würden.

„Obwohl anerkannt ist, dass Reach die Arbeitssicherheit in den Betrieben nicht weiter verbessern wird, hält man an der EU-Chemikalienverordnung fest", ist der Geschäftsführer und Verbandsmanager enttäuscht. „Reach bindet und verbraucht Ressourcen, die den Betrieben für die technische Weiterentwicklung fehlen werden.“ Außerdem schürt die EU-Verordnung Unsicherheit in der gesamten Oberflächentechnikbranche, weil etablierte Stoffe wie Silber und Zukunftsprodukte wie Carbon-Nanotubes in den Fokus von Reach geraten könnten.

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