Retrofit

Facelifting für Groß-Drehmaschine

18.05.2007 | Autor / Redakteur: Bernhard Kuttkat / Bernhard Kuttkat

Die Basis des modernisierten Bearbeitungszentrums bilden die ursprünglichen Bauteile aus schwingungsdämpfendem Grauguss: Ständer, Traverse, Untersatz und Planscheibe. Bild: DST

Moderne Drehmaschinen und Bearbeitungszentren sind derzeit gefragt wie selten. Aus der hohen Nachfrage resultieren lange Lieferzeiten, die in einigen Unternehmen Produktions-Engpässe hervorrufen. Geschickt umgehen lassen sich diese durch Retrofit von gebrauchten Werkzeugmaschinen.

In vergleichsweise kurzer Zeit lassen sich alte Werte effizient durch Experten verbessern, so dass sich der Erwerb solcher Oldtimer rechnen kann. Eine Schiess-Drehmaschine, Baujahr 1971, baute die Dörries Scharmann Technologie GmbH (DST) in nur sieben Monaten zu einem modernen Dreh-, Fräs- und Bohrzentrum um. Das 124 t schwere Bearbeitungszentrum fertigt jetzt Werkstücke bis 6100 mm Durchmesser und 2000 mm Drehhöhe.

Die voll NC-gesteuerte Maschine erreicht in Genauigkeit und Bearbeitungsgeschwindigkeit die Werte einer vergleichbaren neuen Maschine. Allerdings spart sie ihrem Eigentümer, der Kollmeder Presswerk GmbH in Ergolding, rund 40% der Investitionskosten.

Das Kollmeder-Presswerk bearbeitet Ringe, Flansche und Böden bis zu 4000 mm Durchmesser. Für Lohnfertigung von Teilen mit einem Bearbeitungsdurchmesser von bis zu 6000 mm sollte ein neues Bearbeitungszentrum beschafft werden, das auch die Komplettbearbeitung mit Drehen, Bohren und Fräsen gewährleistet. Außer Werkstückgröße und -gewicht gelten Grundforderungen an die Bearbeitungsgenauigkeit von zwei Dritteln der Toleranz gemäß DIN 8609, das heißt 10 µm Rundlauf bei 4000 mm Durchmesser, nach einen gekapseltem digitalen Messsystem, Achsen und Spindeln mit digitalen Einzelantrieben und einer C-Achse in der Planscheibe.

Bearbeitungszentrum genügt mit Retrofit modernen Anforderungen

Nachdem der ursprüngliche Auftragnehmer nicht liefern konnte, musste der Firmenchef Johann Kollmeder sich nach einer Alternative umsehen. Er fand die betagte Schiess-Senkrechtdrehmaschine 2K 400/600 und ließ sie von DST überarbeiten.

Die Basis des modernisierten Bearbeitungszentrums bilden die ursprünglichen Bauteile aus schwingungsdämpfendem Grauguss: Ständer, Traverse, Untersatz und Planscheibe. DST baute die Schiess-Drehmaschine um, so dass sie nun mit Ausstattungsmerkmalen und Performance einer Neumaschine mithalten kann. Überarbeiten der Geometrie gemäß DIN 8609, Instandsetzung von Planscheibenlagerung, Querbalkenführung und Supporten mit Einbau von zwei Fräsantrieben waren wichtige mechanische Modernisierungen.

Dabei erhöhten die Mönchengladbacher Retrofit-Spezialisten die Vorschübe von 2000 auf 6000 mm/min und die Leistung des Hauptantriebs von 75 auf 100 kW. Die beiden Fräsantriebe haben eine Leistung von je 36 kW und Drehzahlen bis 2000 min–1; ein bewährter Winkelfräskopf von DST realisiert auch sehr komplexe Bearbeitungen.

Die geforderten Genauigkeiten unterschreitet das Dreh-Bearbeitungszentrum: Statt der maximal zwei Drittel Toleranz liegen die erreichten Werte teilweise bei etwa einem Drittel. Zum Erfüllen der Vorgaben und Wünsche von Kollmeder tragen zwei Capto-C6-Grundhalter zum Aufnehmen der modular aufgebauten Werkzeuge, das 8-fach-Werkzeugmagazin, Kühlmittel- und Späneschutz sowie Späneentsorgung bei. DST verkabelte die Maschine komplett neu und ersetzte die alte Steuerung durch eine moderne Siemens Sinumerik 840D. Seit der Wieder-Inbetriebnahme im Juli 2006 arbeitet das Bearbeitungszentrum zur vollsten Zufriedenheit seines neuen Eigentümers. MM

Weitere Informationen: Dörries Scharmann Technologie GmbH, 41211 Mönchengladbach

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