Rohr- und Profilbearbeitung

Softwaregestützter Zugriff auf den Schatz im Rollenlager

24.11.2008 | Autor / Redakteur: Michael Corban / Dietmar Kuhn

Albert Sedlmaier, Geschäftsführer der Data M Software GmbH: „Der Clou ist, dass ich selbst verschlissene Rollen wieder verwenden kann.“ Bilder: DataM

Häufig verschwinden Rollensätze für das Walzprofilieren nach Gebrauch im Rollenlager. Bei 10000 Werkzeugen liegt so schnell ein Millionenbetrag ungenutzt im Lager. Mit einer durchgehenden Prozesskette zum Scannen, Speichern und Wiederfinden der Geometriedaten will die Data M Software GmbH aus Valley/Oberlaindern den Zugriff auf diesen Schatz im Lager ermöglichen, wie Geschäftsführer Albert Sedlmaier erläutert.

Herr Sedlmaier, warum lohnt es sich, bereits genutzte Rollenwerkzeuge wiederzuverwenden?

Sedlmaier: Große Unternehmen fertigen im Laufe eines Jahres rund 100 neue Profile. Ein Rollensatz besteht durchschnittlich aus 200 bis 250 Rollen, was also pro Jahr schnell zu einigen Zehntausend Rollen führt. Von den jeweils neuen Werkzeugen ist bestimmt ein Teil im Bestand vorhanden – nur bislang kaum auffindbar. Wir gehen davon aus, dass allein 10% der Rollen im Bestand zu finden sind. Dann ist die Rechnung einfach: Bei 100 neuen Rollensätzen mit jeweils rund 200 Rollen habe ich 2000 davon bereits auf Lager. Da jede Rolle im Mittel 150 Euro kostet, schlummert ein Potenzial von etwa 300000 Euro in der Werkzeugbereitstellung – wenn es mir gelingt, die passenden Rollen zu finden. Kommen neue Rollen hinzu, dürfte die Quote langfristig sogar steigen.

Warum nutzen die Anwender dann nicht schon viel mehr gebrauchte Rollenwerkzeuge?

Sedlmaier: Selbst wenn die Anwender versuchen, sich auf bestimmte Grundformen zu beschränken, bleibt letztlich eine ganze Reihe projekt- oder profilbezogener Spezialrollen übrig, die sich nicht mehr so einfach weiterverwenden lassen. Denn häufig existieren nur Papierzeichnungen der prinzipiell nutzbaren Werkzeuge. Diese zu durchsuchen, ist unmöglich.

Erleichtern CAD-Daten das Wiederfinden?

Sedlmaier: Selbst das hilft nicht weiter, denn Rollenwerkzeuge werden in Betrieb genommen, eventuell nachgedreht. In den meisten Fällen pflegt keiner diese Nacharbeiten in die Daten ein – was bedeutet, dass die CAD-Daten nicht verlässlich die Geometrie der jeweiligen Rollen wiedergeben. Hinzu kommt noch ein zweiter Aspekt. Werkzeuge, die einige zehntausend, manchmal sogar Millionen Meter Material abgewalzt haben, zeigen Verschleiß. Das Profil entspricht nicht mehr dem der Originalkonstruktion. Selbst wenn ich also passende CAD-Daten finden würde, weiß ich immer noch nicht, wie genau die Rolle aussieht.

Was also kann der Anwender tun, damit er alte Rollen wiederverwenden kann?

Sedlmaier: Am einfachsten ist es, die Prozesskette in diesem Bereich zu schließen, was wir durch die Kombination unserer Copra-Recycling-Datenbank mit unserem Copra-Rollscanner erreichen. Die Prozesskette sieht dann wie folgt aus: Eine Rolle wird gescannt und die so gefundene reale Kontur direkt in die Recycling-Datenbank übertragen. Parallel dazu zerlegen wir die Kontur in Fourier-Koeffizienten, was sich anschließend der entsprechende Suchalgorithmus zu Nutze machen kann. So kann der Anwender in seiner spezifischen Recycling-Datenbank ähnliche Rollen schnell und einfach suchen.

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