27.04.2009 | Redakteur: Jürgen Schreier
Vom 22. bis 24. April 2009 frequentierten Besucher aus aller Welt die Stände der 514 Aussteller auf der Gebrauchtmaschinenmesse Resale 2009 in Karlsruhe. Mit 9187 Besuchern aus 112 Ländern wurde das Vorjahresergebnis allerdings nicht ganz erreicht, schließlich hinterlässt die Wirtschaftskrise auch am Gebrauchtmaschinenmarkt hinterlässt ihre Spuren.
Vor allem aus einigen Ländern Osteuropas kamen weniger Besucher als zu den Vorveranstaltungen – so etwa aus der Ukraine. Dennoch wertet Messeveranstalter Florian Hess die Besucherzahl angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als „ausgezeichnetes Ergebnis“. Rund 65% der Einkäufer reisten aus dem Ausland an.
Zufrieden mit dem Verlauf der weltgrößten Gebrauchtmaschinemesse zeigten sich auch sie Resale-Aussteller. Knapp 70% der Besucher haben bereits Maschinen gekauft oder werden nach der Messe ordern. In allen Angebotsbereichen seien die Erwartungen der Aussteller übertroffen worden, so Hess. Die ausstellenden Unternehmen sprachen von guten Geschäften und berichteten von hochqualifizierten Kontakten. Viele Firmen rechnen mit nennenswerten Abschlüssen im Anschluss an die Resale 2009.
„Der Gebrauchtmaschinensektor ist ein stabilisierender Faktor im dramatischen Umfeld einer schrumpfenden Wirtschaft“, analysiert Jens Nagel, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Exporthandels (BDEx), Berlin. „Während es anderswo Einbrüche gibt, bewegt sich die Nachfrage nach Gebrauchten auf Normalmaß.“
Die Gebrauchmaschinenmesse Resale 2009 war nach Einschätzung Nagels eine lebhafte Messe. „Es gab hohen Informationsbedarf, besonders über alternative Finanzierungsmöglichkeiten.“ Schließlich ist aufgrund schwierigerer Bankfinanzierungen das Geld knapper geworden. Der Bedarf an Gebrauchtmaschinen sei aber in jedem Fall vorhanden: Am BDEx-Stand war eine merkliche Nachfrage nach Gebrauchtmaschinen aus Westafrika, Zentralasien sowie dem Nahen und Mittleren Osten festzustellen. „Gerade in letztgenannter Region wird nach Equipment zum Ausbau der Infrastruktur gesucht“, berichtet Nagel. „Im Nordirak gibt es zum Beispiel viele Projekte.“
Eine sehr positive Entwicklung sieht Willi Schneegaß, Präsident des Fachverbandes des Maschinen- und Werkzeug-Großhandels (FDM) in Bonn. „Es kommt etwas in Bewegung.“ Schneegaß ist gleichzeitig Geschäftsführer des Reinigungstechnik- und Werkzeugmaschinen-Handelsunternehmens, Ipros. Der Unternehmer spricht davon, dass die Krisenstimmung „endlich aus den Köpfen rauskommen müsse“. Schließlich habe es immer ein Auf und Ab gegeben, argumentiert Schneegaß. „Und in den vergangenen, florierenden Jahren konnten ja finanzielle Reserven aufgebaut werden.“
Viele Firmen seien nicht von „Hundert auf Null“ abgestürzt, sondern „nur von 150 auf Hundert.“ Der Bedarf sei durchaus da – manchmal sogar für Spontankäufe: Ein deutscher Messebesucher, der auf der Resale ursprünglich eine Metallbearbeitungsmaschine erwerben wollte, habe dann am Ipros-Stand eine Dampfreinigungsanlage gesehen und sie für knapp 10000 Euro gekauft, berichtet Schneegaß.
Auch bei der European Association of Machine Tool Merchants (EAMTM) gab es zufriedene Gesichter. „Unsere ausstellenden Mitglieder haben mir gesagt, dass ihre Ergebnisse auf der Messe besser waren als ihre Erwartungen im Vorfeld“, erklärt André Skenazi. „Das hängt auch mit der hervorragenden Qualität des Messepublikums zusammen“. Der EAMTM-Generalsekretär spricht von guten Geschäften im Rahmen der Resale 2009. „Wer in der jetzigen Zeit in die Messeanreise investiert, will nämlich tatsächlich Maschinen kaufen.“
Das bestätigt Christina Enderbury von der British Branch des EAMTM. „Die richtigen Kunden waren da“, berichtet sie. „Dadurch konnten unsere britischen Aussteller aus dem EAMTM ebenfalls Geschäftsabschlüsse verzeichnen.“ Der niederländische Maschinenhändler-Verband Duma sprach von rund 100 gezielten Kontakten als „Ernte“ der Resale 2009. „Einer der Schwerpunkte des Besucherinteresses waren Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen“, bilanziert Gerwin Klok. „Geografisch betrachtet kamen viele Anfragen aus Iran, Irak und Afrika.“, sagt der Duma-Geschäftsführer. „Diese Geschäftswünsche werden an unsere Mitglieder weitergeleitet.“
Sehr zufrieden zeigte sich Resale-Aussteller und Gebrauchtmaschinenhändler Hans-Jürgen Geiger über die Resonanz und die im Rahmen der Messe getätigten Geschäfte. „Ein türkisches Unternehmen hat bei uns eine CNC-Rundschleifmaschine gekauft“, strahlte der Maschinenhändler aus Metzingen. „Für das elf Jahre alte Produkt der Marke Studer zahlt er uns 35000 Euro.“
Ein anderes Geschäft ist so gut wie unter Dach und Fach, der Verkauf einer Hydraulikpresse (Baujahr 1982) nach Ungarn. „Sofern die Finanzierung klappt“, wägt Geiger ab, der noch zahlreiche weitere potenzielle Kunden an seinen Firmensitz nach Metzingen einlud. An jedem Resale-Tag hielten mehr als zehn Leute im Lager auf und besonders interessiert waren Besucher aus Iran. Kopfzerbrechen bereite allerdings das Embargo, das eine direkte Einfuhr von Maschinen dort nahezu unmöglich mache, so Geiger.
„Die Messebeteiligung in Karlsruhe lag über unseren Erwartungen, das Veranstaltungsteam hat sich wieder große Mühe gegeben“, freut sich Friedhelm Dörscheln von der Universal Plast Maschinen GmbH (UPM) aus Meinerzhagen. „Viele Besucher sind mit Vorkenntnissen und ganz konkreten Anforderungen an unseren Stand gekommen“, begründet der Geschäftsführer, der seit 1995 und damit von Anbeginn auf der Resale ausstellt. Am ersten Messeabend habe er eine sieben Jahre alte Spritzgießmaschine der Marke Arburg für 9000 Euro verkaufen können – an eine rumänische Firma, die gerade mit ihrer Produktion startet.
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