VDW

Werkzeugmaschinenindustrie für den Aufschwung gerüstet

01.12.2009 | Autor / Redakteur: Bernhard Kuttkat / Bernhard Kuttkat

Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des Vereins deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e. V. (VDW): „Unternehmen müssen prüfen, wie weit sie mit ihren Kompetenzen auch in andere Anwendungsfelder, wie Energie, Medizintechnik und Luftfahrt eindringen können.“

Mit Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW), Frankfurt am Main, sprachen wir über Chancen und Risiken der weltweiten Wirtschaftskrise für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie sowie über das Branchenereignis Metav 2010.

Herr Dr. Schäfer, im 3. Quartal sank der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 64 %, wie verläuft die Auftragslage im 4. Quartal – sehen Sie Licht am Ende des Tunnels?

Dr. Schäfer: Das ist im Augenblick noch schwer zu sagen. Einzelne Firmen berichten, dass sich im Vergleich zum jeweiligen Vormonat eine leichte Auftragsbelebung zeigt, aber auf sehr niedrigem Niveau. Wir haben natürlich erwartet, dass sich die Prozentzahlen im Vergleich zum Vorjahr nach oben bewegen. Das liegt aber in erster Linie daran, dass die Vergleichsmonate im Vorjahr bereits stark rückläufig waren.

Gibt es signifikante Unterschiede im Auftragseingang zwischen dem Standardmaschinengeschäft und dem Projektgeschäft?

Dr. Schäfer: In den letzten Wochen hat sich nicht gezeigt, dass es nennenswerte Unterschiede gibt. Das Projektgeschäft hat noch etwas länger getragen und damit die Produktion gestützt; derzeit können wir auf der Auftragseingangsseite jedoch keine signifikanten Unterschiede ausmachen.

Wie ist die Nachfragesituation in den Wachstumsmärkten Märkten, beispielsweise China, Indien, Brasilien und Russland?

Dr. Schäfer: In diesem Jahr hat sich China immer noch besser entwickelt als alle anderen Märkte. Dort werden unsere Unternehmen nach wie vor eine bessere Auftragssituation vorfinden. Indien erwartet für das kommende Jahr wieder einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts und damit natürlich auch Investitionen in der Produktion.

In Russland sieht das anders aus. Der Markt hat zwar ein großes Nachfragepotenzial, weil viele Anlagen und Maschinen veraltet sind und eigentlich ersetzt werden müssten. Das hat ja auch dazu geführt, dass der deutsche Export nach Russland in den vergangenen Jahren enorm aufgeholt hat. Derzeit ist jedoch das Hauptproblem die Finanzierbarkeit.

Brasilien erwartet für 2010 ebenfalls eine positive Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. Es ist aber schwer vorherzusagen, ob der Werkzeugmaschinenverbrauch in gleicher Weise 2010 wieder anziehen wird.

Sie sprechen die Finanzierungsschwierigkeiten in Russland an. Haben Unternehmen hierzulande auch Schwierigkeiten, Kredite von den Banken zu bekommen, um Investitionen zu tätigen?

Dr. Schäfer: Die größeren Probleme, Neuinvestitionen mit den Banken zu finanzieren, sehen wir derzeit noch bei unseren Kunden. Wir hoffen, dass die immer wieder angesprochene Kreditklemme sich nicht in der befürchteten Form ausprägen wird, obwohl es erste Anzeichen dafür gibt. Das würde den Aufschwung sehr stark behindern.

Aktuell sind unsere Unternehmen sicherlich ordentlich aufgestellt. Probleme könnten dann entstehen, wenn mit einem stärker anziehenden Auftragseingang neue Projekte zu finanzieren sind.

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